Inzidenz oder Klinikbelegung? Das wünschen sich 2 Experten für Bremen

Am Inzidenzwert festhalten? Das fordern Bremer Experten

Video vom 20. September 2021
Laptop mit Inzidenz-Zahlen
Bild: Imago | Rüdiger Wölk
Bild: Imago | Rüdiger Wölk

Zukünftig soll vor allem die Krankenhausbelegung für die Beurteilung der Corona-Lage maßgeblich sein. An diesem Dienstag berät der Senat, welche Richtwerte wie bedeutsam sind.

Rolf Dembinski ist Leiter der Intensivmedizin am Klinikum Bremen Mitte. Derzeit werden laut Gesundheitsressort in Bremer Krankenhäusern neun Menschen intensivmedizinisch betreut, acht von ihnen beatmet. 42 Corona-Patienten sind insgesamt in den Kliniken in Behandlung. Dabei fällt eines sofort auf, sagt Dembinski: "Der allergrößte Anteil der Patienten, die schwer erkranken, sind alle nicht geimpft."

Der Mediziner findet es sinnvoll, wenn eine sogenannte Hospitalisierungsinzidenz die bisherige 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner ablöst. Denn: "Alleine die Infektion mit dem Sars-Virus macht ja nicht alle schwer krank, gerade die Geimpften nicht. Wir wollen die herausfiltern, die schwer krank werden und die knappen Ressourcen belegen." Denn darum gehe es bei der Bewertung der Corona-Lage ja vor allem: Die Belastung des Gesundheitssystems im Blick zu haben. Denn in der Intensivmedizin herrsche immer Mangel, sagt Dembinski, allein weil es überall an Pflegekräften fehle. Daher sei es wichtig, eine Übersicht über den Bedarf zu haben.

Epidemiologe: Infektionsgeschehen nicht aus dem Blick verlieren

Eine Collage zeigt den Bremer Intensivmediziner Rolf Dembinski und den Epidemiologen Hajo Zeeb.
Rolf Dembinski (links) und Epidemiologe Zeeb sehen die bisherige Inzidenz unterschiedlich wichtig an. Bild: Radio Bremen

Hajo Zeeb, Epidemiologe am Leibniz-Institut für Päventionsforschung, sieht das etwas anders. Er sieht die bisherige 7-Tages-Inzidenz nach wie vor als sehr wichtig an. Er wünscht sich von der Politik künftig eine Kombination aus Hospitalisierungsrate und Inzidenz der Neuinfektionen. "Ganz auf die Inzidenz zu verzichten ist nicht so schlau, weil man dann den Überblick verliert, was in der Bevölkerung passiert", findet Zeeb. Denn: "Die Hospitalisierungsrate zieht etwas nach, man weiß also erst zwei bis drei Wochen später, was da passiert." Außerdem würde man ohne die Inzidenz das Infektionsgeschehen bei den Kindern und Jugendlichen aus dem Blick verlieren. "Es geht ja auch um Long Covid in der Zukunft." Aber auch Zeeb findet. "Die Hospitalisierung als Leitmarker ist sicher wichtig."

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. September 2021, 19:30 Uhr