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Zukunft der Kirche: "Ist die Kirche ein Auslaufmodell, Frau Bosse?"

buten-un-binnen-Moderator Felix Krömer spricht mit der Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche über Krisen, Hass und Hoffnung. Die fünf wichtigsten Aussagen.

Video vom 3. April 2021
Eine Frau und ein Mann, Edda Bosse und Felix Krömer, sitzen sich an einer Theke gegenüber.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Nach 2020 erlebt Bremen an diesem Oster-Wochenende das höchste christliche Fest bereits zum zweiten Mal im Corona-Modus. Hohe Infektionszahlen machen voll besetzte Kirchen unmöglich – doch bereits vor der Corona-Krise kämpften die Kirchen um ihre Mitglieder. Auch das laufende Strafverfahren gegen den umstrittenen Bremer Pastor Olaf Latzel oder etwa der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche kratzen am Vertrauen der Menschen in die Kirche. Für Edda Bosse, Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, steht fest: Warum es sich lohnt in der Kirche zu bleiben, muss klarer kommuniziert werden. Die wichtigsten Aussagen des Interviews im Überblick.

1 Wie verändert die Corona-Krise die Bremische Evangelische Kirche?

Edda Bosse sieht das Positive: Als Kirche nehme man aus der Krise mit, noch sensibler zu werden für all diejenigen, die am Rande stehen. "Für die, die obdachlos sind, die einsam sind, die Krisen und Konflikte auszuhalten haben", sagt Bosse. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass Dinge nachhaltig wegbrechen, wie zum Beispiel die ausgeprägte Chorlandschaft oder das grundsätzliche Interesse von Kindern und Jugendlichen. Warum sie gerade in der Krise eine positive Herausforderung für alle Christen sieht, erklärt Bosse ab Minute 6:58.

2 Der Fall Latzel: Wie groß ist der Schaden für die BEK?

Eine aktuelle Stellungnahme gibt Edda Bosse aufgrund des laufenden Strafverfahrens gegen Pastor Latzel nicht ab. Für die 67-Jährige ist jedoch klar: Die Kirche nimmt großen Schaden. Bosse unterscheidet deutlich zwischen den Ansichten des vorläufig vom Dienst enthobenen Pastors der St.Martini-Gemeinde und Evangelikalen Kirchen in Bremen, die ihrer Meinung nach eine tolle Arbeit leisteten. Hassbotschaften und Todesdrohungen seien im Zusammenhang mit den Diskussionen um Latzels Arbeit auf sie eingeprasselt – wie sehr sie diese berührt haben, erzählt Bosse im Themenblock ab Minute 25:58.

3 Von Lamotte, ehrwürdigen Herren und Teamgeist

Edda Bosse stammt aus der bekannten Bremer Unternehmerfamilie Lamotte, die mit Ölen, Fetten und Lebensmitteln handelt. Ein lebendiges Kirchenleben und das besondere pädagogische Konzept ihrer Eltern gehörten zum Alltag der Familie und prägten die heutige Präsidentin der BEK. "Mein Vater sagte oft: Ihr habt das Glück, dass es euch gut geht. Ihr habt die Verpflichtung euch einzubringen", so Bosse. Auch in Sachen Kirche formte sie früh eigene Werte. "Mit 17, 18 fangen Sie an, über diesen Laden auch inhaltlich nachzudenken, was ist das eigentlich?", erinnert sich Bosse. Zu welchem Schluss sie kam und warum sie bis heute gut in Teams arbeiten kann, erklärt Bosse ab Minute 40:28.

4 Missbrauch und Vertuschung: Färben die Skandale in der Katholischen Kirche auch auf die BEK ab?

Transparente Strukturen, vielfältige Meldesysteme, konsequente Aufarbeitungsprozesse sowie Coachings und Schulungen: In diesen Punkten der Prävention und Aufarbeitung von Missbrauch und sexualisierter Gewalt ist die Evangelische Kirche der Katholischen Kirche voraus. Gute Voraussetzungen sind jedoch alles andere als ein Freifahrtschein. "Wahrnehmung, Sensibilität, nie den Deckel drauf machen, offen sein und vor allen Dingen sagen: Wir sind damit nicht zu Ende, das kann uns immer wieder treffen", findet Bosse. Dieser Themenkomplex startet ab Minute 20:00.

5 Warum die BEK-Präsidentin nur unregelmäßig in die Kirche geht

Krömer fragt, Bosse antwortet: In einer Schnell-Frage-Runde steht die BEK-Präsidentin Rede und Antwort zu ihrem eigenen Glauben und warum sie es durchaus legitim findet, sonntags ausgiebig zu frühstücken anstatt in die Kirche zu gehen. Los geht es ab Minute 10:07.

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Autoren

  • Angela Weiß
  • Felix Krömer Redakteur und Moderator und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. April 2021, 19:30 Uhr