Fragen & Antworten

Infektion trotz Impfung? Darauf kommt es für einen guten Schutz an

In einem Bremerhavener Altenheim sind viele Bewohner positiv getestet worden, obwohl ein Großteil bereits die Erstimpfung hatte. Ein Bremer Virologe erklärt die Wirkung der Impfung.

Eine alten Frau wird mit einer Spritze geimpft.
Für die Wirksamkeit der Corona-Impfung spielen viele Faktoren eine Rolle. Bild: DPA | Hendrik Schmidt

Die Ausbreitung des Coronavirus im Amarita-Pflegeheim in Bremerhaven wirft Fragen auf. Viele Infektionen trotz größtenteils per Erstimpfung versorgter Bewohner – was steckt dahinter? Nach Angaben des Trägers waren mit Stand vom Freitag 60 Bewohner per Schnelltest positiv getestet, aber überwiegend symptomfrei. Dies werde mit den genaueren PCR-Tests nachkontrolliert. Auch die ungewöhnlich schnelle Ausbreitung werde untersucht. Am Freitag meldete die Stadt Bremerhaven für zwei Pflegeheime insgesamt 13 neue Fälle.

Seit dem Wochenende sind laut dem Betreiber drei positiv getestete Amarita-Bewohner verstorben, teilweise mit Vorerkrankungen. Gleichzeitig liege die Quote der Erstimpfungen in dem Heim beginnend mit dem 5. Februar bei 88 Prozent. Virologe Andreas Dotzauer von der Universität Bremen erklärt, warum es trotz Impfung Infektionen geben kann und worauf es für guten Impfschutz vor Corona ankommt.

Wie wirkt die Erstimpfung?
Bereits nach der Erstimpfung bilden sich laut Dotzauer Antikörper. Es dauere etwa 14 Tage, um ausreichend davon zu bilden. Nach 28 Tagen seien sie schon gut entwickelt. "Das Immunsystem muss erst lernen und trainiert werden", sagt der Virologe. "Das braucht Zeit." Es bestehe dann bereits Schutz vor einer Infektion. Allerdings: "In der Zwischenzeit besteht auch weiterhin die Möglichkeit einer Infektion." Ist es zu einer Ansteckung gekommen, könne aber bereits die Erstimpfung die Ausbreitung im Körper und somit einen schweren Verlauf abmildern.
Virologe Andreas Dotzauer steht auf einem Flur.
Andreas Dotzauer ist Virologe an der Universität Bremen. Bild: Radio Bremen
Was bedeutet das für den Ausbruch in Bremerhaven?
Trotz hoher Quote bei den Erstimpfungen haben sich viele Personen in dem Altenpflegeheim angesteckt, weil der zeitliche Abstand zwischen Erstimpfung und Infektion noch nicht sehr groß war, sagt der Leiter des Bremerhavener Krisenstabs Ronny Möckel. Die Wirkung sei also noch gering gewesen.

Eine Einschätzung die sich mit den Erkenntnissen des Virologen deckt. "Man darf auch nicht vergessen, dass die Impfung hier bei sehr alten Menschen durchgeführt wurden", fügt Dotzauer hinzu. "Das Immunsystem als Organ altert genauso wie andere Organe und reagiert dann nicht mehr so, wie bei jüngeren Menschen." Das könnte laut des Experten zusätzlich zu der knappen Zeit dazu geführt haben, dass die Immunreaktion schwächer ausgefallen sei. Ein Sprecher der Einrichtung sagte, viele der Infizierten hätten keinerlei Symptome gezeigt. Am Freitag seien 36 der negativ getestete Personen zum zweiten Mal geimpft worden. Zuvor hatte erst ein Person bereits die zweite Impfung erhalten und einen negativen Test gehabt.
Wird trotz Infektion eine Zweitimpfung durchgeführt?
Man geht davon aus, dass das Immunsystem durch die Corona-Infektion stimuliert wird, sagt Dotzauer. Das sei ähnlich, wie bei einer Wiederholungsimpfung. "Eine Zweitimpfung wird dann unter Umständen nicht mehr durchgeführt", so der Virologe. Derzeit sei allerdings noch unklar, wie gleichwertig sich eine Infektion und eine zweite Impfung auswirken.
Welchen Schutz gibt es nach der Zweitimpfung?
Die zweite Impfung erfolgt laut Dotzauer drei bis vier Wochen nach der ersten Impfdosis. Dann finde eine zusätzliche Stimulation des Immunsystems statt und es würden vermehrt Zellen gegen das Virus aktiviert. "Es kommt zu einer höheren Genauigkeit, die Zellen werden besser im Erkennen des Virus", so der Virologe. Es zeigen sich laut Dotzauer zwei Effekte: Entweder wird eine Erkrankung verhindert. Oder es kommt zu einer Reduktion des Infektionsereignisses und der Ausbreitung im Körper. Und damit zu einem stark eingeschränkten Verlauf.
Kann man trotz beider Impfungen Corona bekommen?
Ja, es gibt auch nach der Zweitimpfung keine Garantie, dass eine Infektion verhindert wird, sagt Dotzauer. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich trotz beider Impfungen zu infizieren, kann er nicht sagen. Es komme auch immer auf die Umstände an, etwa wie groß die aufgenommene Virenmenge ist. Und wie gut die Fähigkeit des Virus ist, mit den Rezeptoren zu interagieren. Je besser diese Fähigkeit sei, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung trotz Antikörpern. Das könne wiederum durch Mutationen bedingt sein.

Rückblick: Corona-Ausbruch in Bremerhavener Pflegeheim

Video vom 23. Februar 2021
Der Leiter des Bremerhavener Krisenstabs, Ronny Möckel.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 26. Februar 2021, 19 Uhr