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Umstrittenes Bordell öffnet bald – sind die Hells Angels mit im Spiel?

In einer Villa in der Bremer Neustadt könnte schon im August ein umstrittenes Bordell eröffnet werden. Das Wirtschaftsressort hat grundsätzlich grünes Licht gegeben.

Ein Schild, auf dem "Kondompflicht" steht.

Ein kleiner Trupp des Wirtschaftssenators wandert vom Parkplatz schnurstracks ins Innere der Duckwitzstraße 69. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gewerbeabteilung des Wirtschaftsressorts haben hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Sie müssen überprüfen, ob das neue Bordell in der alten Oelkers-Villa die Vorgaben des Prostituiertenschutzgesetzes erfüllt.

Wer eine Prostitutionsstätte betreiben möchte, der muss zunächst einmal ein Betriebskonzept vorlegen. Auf Grundlage der Umsetzung dieses Konzeptes kann von uns dann die Erlaubnis erteilt werden.

Tim Cordßen
Tim Cordßen, Sprecher des Wirtschaftssenators

Es geht dabei unter anderem auch um Detailfragen wie: Sind genügend "Kondompflicht"-Schilder angebracht? Ist die Videoüberwachung ausreichend? Gibt es genügend Alarmknöpfe für die Sexarbeiterinnen?

Anwohner protestierten gegen Bordell-Pläne

Schild mit dem Hinweis auf Kondompflicht
Schilder machen auf die Kondompflicht aufmerksam.

Der Umbau der Oelkers-Villa in ein Bordell war von Anfang an von Protesten begleitet. Anwohner und die Frauenrechts-Organisation "Terre de Femmes" wollten das Projekt 2017 grundsätzlich verhindern. Doch rechtlich war der Bau eines Bordells in dem Gewerbegebiet an der Neustädter Grenze zu Grolland nicht zu beanstanden. Auch nicht, nachdem sich herausstellte, dass dort während der NS-Zeit ein Lager für Zwangsarbeiter gestanden hatte. Das Bauressort erteilte also eine Baugenehmigung.

Welche Rolle spielen die Hells Angels?

Doch schon damals gab es Gerüchte, dass hinter dem Bordell die Hells Angels stecken könnten. Während einer buten-un-binnen-Recherche stellte sich jetzt heraus, dass es sich bei der Geschäftsführerin der Betreiberfirma des Bordells "Joy Company" um Martina Pröhl handelt. Und Pröhl ist in Bremen kein unbekannter Name, denn der Mann von Martina Pröhl ist Andree Pröhl. Einschlägig vorbestraft war er bis zu deren Verbot Präsident der Hells Angels Bremen. Aktuell ist er Präsident des Hells Angels Charters "Key Area" in Delmenhorst. Die Antwort des Anwalts der "Joy Company", Jörg Krause, auf die Frage, ob die Hells Angels bei dem neuen Bordell eine Rolle spielen werden, ist allerdings eindeutig: "Gar keine." Auch Andree Pröhl sei nicht in das Projekt involviert.

Mit Ausnahme der Tatsache, dass er der Ehemann der Geschäftsführerin ist, aber das hat ja im heutigen Wirtschaftsleben überhaupt keine Relevanz.

Jörg Krause
Jörg Krause, Anwalt der Joy Company

Auch der Polizei ist bekannt, dass die Hells Angels zumindest im familiären Umfeld des neuen Bordells auftauchen. Schriftlich erklärt die Pressestelle allerdings: "Zu Einzelpersonen können von hier aus Gründen des Datenschutzes den Medien gegenüber keine Angaben machen." Weiterhin heißt es in dem Schreiben: "Zu Aktivitäten der Hells Angels in Bremen erfolgt durch die Polizei Bremen aber, vor dem Hintergrund des hier bestehenden Vereinsverbotes durch den Senator für Inneres sowie im Rahmen der bestehenden polizeilichen Bekämpfungskonzeption, eine sehr aufmerksame Beobachtung einschlägiger Ereignisse und Entwicklungen und ein niedrigschwelliges Einschreiten im Rahmen aller sich bietenden rechtlichen Möglichkeiten."

Um die Genehmigung zum Führen eines Bordells zu bekommen, muss man gewerberechtlich als "zuverlässig" gelten. Im Fall von Martina Pröhl erklärt das zuständige Wirtschaftsressort: "Unserem Haus liegen keine verwertbaren Erkenntnisse vor, warum in diesem Fall die gewerberechtliche Zuverlässigkeit zu versagen wäre."

Möglicher Bordell-Start im August

Die Duckwitzstraße 69 soll nicht wie ein klassisches Bordell geführt werden. Vielmehr ist die Oelkers-Villa als Laufhaus konzipiert – mit insgesamt 25 Zimmern. Geschäftsführerin Martina Pröhl kassiert dann lediglich Miete von den wechselnden Prostituierten. Was die für ihre Dienstleistungen verlangen, bleibt ihnen überlassen. Alles auf eigene Rechnung. Ganz ohne Zuhälter. So die Theorie.

Brunnen und Galeir im Eros69-Bordell
Das neu gebaute Bordell in der ehemaligen Oelkers-Villa.

Das Ergebnis der heutigen Überprüfung durch das Gewerbeamt steht noch nicht abschließend fest. "Ich kann aber so viel sagen, dass das Konzept in Grundzügen im Betrieb umgesetzt wird", erklärt Tim Cordßen und ergänzt: "Da wird es sicherlich noch zu kleinen Nachbesserungen kommen müssen. Wenn das erfolgt ist, ist aber davon auszugehen, dass dann die Erlaubnis durch uns auch zu erteilen ist." Als nächstes soll die Brandschutz-Anlage des zukünftigen Bordells unter die Lupe genommen werden. Der Anwalt der Joy-Company ist nach der heutigen Überprüfung zuversichtlich: "Jetzt folgt nur noch die baurechtliche Begehung, und dann wird man sehen, ob eine Eröffnung Anfang bis Mitte August möglich ist."

  • Hauke Hirsinger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Juni 2019, 19:30 Uhr