Erfinder der Reißverschluss-Maske bekommt Post vom Kanzleramt

Viele haben den Bremerhavener Restaurantbesitzer Alexis Vaiou belächelt. Seine Masken werden jetzt aber von einer Dortmunder Firma produziert – in großer Stückzahl.

Ein Mann im Anzug überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Bild.
Alexis Vaiou hat Angela Merkel sogar schon dreimal persönlich getroffen. 2015 war die Kanzlerin zu Gast in Bremerhaven. Alexis schenkte ihr damals ein Bild mit ihrem Porträt. Bild: DPA | Ingo Wagner

Eigentlich wollte Alexis Vaiou nur sein Restaurant retten, mittlerweile präsentiert er seine Erfindung in nationalen und internationalen Medien. Vor wenigen Wochen hatte der Bremerhavener eine befreundete Schneiderin gebeten, eine Maske mit Reißverschluss zu nähen. Seine Hoffnung: Die Regierung erlaubt, dass Restaurants wieder öffnen dürfen, wenn die Gäste diese Reißverschluss-Masken nutzen. Seine Idee: Zum Essen und Trinken kann der Reißverschluss geöffnet werden. Er selbst präsentierte im Netz, wie er damit hervorragend Gyros und Tsatsiki verspeisen kann.

Als bekennender Fan schickte der "Merkel-Grieche", wie ihn die Bremerhavener nennen, sogar zwei Masken an die Bundeskanzlerin persönlich. Vaiou setzte alle Hoffnung auf seine Angela.

Ein Mann trinkt durch eine geöffnete Maske aus einem Glas.
Alexis zeigte im Internet, wie man mit der Maske essen und trinken kann. Bild: Alexis Vaiou

Inzwischen durften Restaurants auch ohne Vaious Masken unter Auflagen wieder öffnen. Seine Erfindung ist aber nicht vergessen. Zwar belächeln ihn viele für seine Idee, hielten seine Videos sogar für einen Aprilscherz, und auch Virologen bezweifeln die Wirksamkeit, aber es gibt auch viele Unterstützer. Sogar internationale Medien berichteten. Besonders stolz ist Vaiou auf seine Auftritte im griechischen Fernsehen. Mittlerweile finden die Masken reißenden Absatz. Er habe seine Idee "in professionelle Hände abgegeben", sagt Vaiou.

Fluggesellschaften zeigen Interesse

Die Dortmunder Firma "Feiniko" hat die Produktion übernommen und das Gebrauchsmuster in Europa schützen lassen. Die Firma vertreibt die Masken mittlerweile unter dem Namen "Zipmask". Mehr als eine Million Masken hat "Feiniko" nach Angaben des Geschäftsführers Peter Nikolic bisher produziert, knapp die Hälfte sei verkauft. Abnehmer seien vor allem Restaurants und ältere Menschen. Und das nicht nur in Deutschland. Auch in Griechenland, Spanien und Portugal sei die Nachfrage groß. Außerdem verhandle "Feiniko" gerade mit mehreren Fluggesellschaften.

Viele mögen es vielleicht nicht glauben, aber es gibt Leute, vor allem ältere, die ihre Maske beim Essen und Trinken nicht abnehmen wollen.

Peter Nikolic, Geschäftsführer der Firma "Feiniko"

Teil des Erlöses geht an soziale Einrichtungen

"Wir haben das Design noch optimiert", sagt Nikolic. So sei der Stoff nun atmungsaktiver und die Masken so geformt, dass Brillen nicht so leicht beschlagen. Kritikern gegenüber betont der Geschäftsführer, dass das Produkt nicht als Schutzmaske deklariert sei. "Es ist im Moment ein Spuckschutz und eine komfortable Lösung für Menschen, die schlecht Luft bekommen", sagt er. Sein Ziel sei es aber, das Produkt medizinisch zertifizieren zu lassen. Er hofft, dass die Masken auch nach der Corona-Pandemie noch getragen werden, etwa von Menschen mit Lungenkrankheiten.

Mit einem Teil des Erlöses unterstützen Alexis Vaiou und die Firma "Feiniko" soziale Projekte. Alexis ist noch mit zehn Prozent beteiligt. Er spendet seine gesamten Erlöse. "Feiniko" steuert einen Euro pro verkaufter Maske bei. Unter anderem kommt das Geld der Bremerhavener Tafel zugute. An einige soziale und öffentliche Einrichtungen hat die Firma die Masken auch verschenkt.

Kanzlerin darf sich auf sechste Geburtstagsanzeige freuen

Masken mit Reißverschluss und den Initialien AM liegen auf einem Tisch.
Diese Maske schickte Alexis an Angela Merkel – bestickt mit ihren Initialen. Bild: Alexis Vaiou

Und auch von Angela Merkel hat Alexis tatsächlich eine Antwort bekommen. Gut, nicht persönlich, aber immerhin gab es Post aus dem Kanzleramt. "Mit einer Antwort habe ich gerechnet", sagt Alexis stolz. "Sie ist sehr höflich." Dreimal hat er Angela Merkel schon persönlich getroffen, zu ihrem Geburtstag schaltet er seit fünf Jahren Anzeigen in einer großen Berliner Tageszeitung. "Blumen bekommt sie ja genug, da würden meine Glückwünsche untergehen. Deshalb schalte ich eine Anzeige mit einem Bild von Blumen", erklärt er. 300 Euro lässt er sich das jedes Jahr kosten.

André Klein-Wiele, Leiter des Dienstsitzes des Bundeskanzleramtes in Bonn, bedankt sich in dem aktuellen Schreiben für die Zusendung der Masken. Weiter heißt es: "Ihre Gedanken und Ihr tatkräftiges Engagement sind sehr lobenswert. Die Bundeskanzlerin weiß dies zu würdigen und zu schätzen." Allerdings weist er auch darauf hin, dass die Kanzlerin und das Bundeskanzleramt nicht die Anwendung der Maske bewerten können.

Gleichwohl bitte ich Sie bei allem Respekt für Ihre Mundschutz-Erfindung um Verständnis, dass die Bundeskanzlerin oder das Bundeskanzleramt nicht deren praktische Umsetzung und Anwendung bewerten mag.

André Klein-Wiele, Leiter des Dienstsitzes des Bundeskanzleramtes in Bonn

Vaiou hat dafür Verständnis: "Sie ist ja auch keine Virologin." Der Restaurantbesitzer ist trotzdem zufrieden und will gleich 600 Masken zum Bundestag schicken. Und eine Anzeige zu Angela Merkels nächstem Geburtstag ist sowieso schon lange geplant.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 22. April 2020, 13:15 Uhr