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Bremer Greensill Bank: Hätten Anleger die Gefahren sehen müssen?

Mit der Schließung der Bremer Greensill Bank und deren Insolvenz drohen staatlichen Anlegern große Verluste. Eine Gefahr, die absehbar war, sagen Experten.

Video vom 10. März 2021
Ein Schild mit dem Firmennamen "Greensill Bank" hängt am Eingang der Bremer Privatbank (Archivbild)
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Bisher sind rund 50 Städte bekannt, die bei der Bremer Bank allesamt Millionen-Beträge angelegt haben. Darunter auch die Stadt Nordenham (rund 13,5 Millionen) und die Stadt Osnabrück (rund 14 Millionen). Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth (SPD) schimpft auf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin. Die Behörde habe nicht rechtzeitig vor den finanziellen Schwierigkeiten der Greensill Bank gewarnt.

Hätten die Kommunen und die Anleger das Risiko nicht selbst sehen können?
Ja, sagt der Finanz-Journalist Christian Kirchner vom Branchendienst "finanz-szene.de". Schon im August 2020 hat er, wie auch die Nachrichtenagentur Bloomberg, sehr kritische Artikel über Greensill veröffentlicht. Ebenso hat buten un binnen im Novemer 2020 berichtet. Darin wurde auf das gefährliche Geschäftsmodell der Bank hingewiesen und auch darauf, dass die BaFin und der "Einlagensicherungsfond der deutschen Banken" Greensill unter Beobachtung hat. "Die Verantwortlichen in den Kommunen hätten einfach mal googlen müssen – dann hätten sie die alarmierenden Berichte über die Greensill-Bank sofort gefunden", so Kirchner.
Video vom 10. März 2021
Finanz-Journalist Christian Kirchner vom Branchendienst "finanz-szene.de" im Videochat
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen
Den Kommunen, die bei Greensill angelegt haben, droht jetzt der Verlust ihrer Millionen, weil ihre Guthaben dort nicht abgesichert sind. Das ist so, weil die Greensill Bank eine Privatbank ist. Wieso haben die Verantwortlichen in den Rathäusern trotzdem ihr Geld zu der Privatbank getragen?
Am Wissen über das Risiko konnte es eigentlich nicht liegen. Seit 2017 sind bei Privatbanken kommunale Guthaben, also Geld-Anlagen von Städten und Gemeinden, nicht mehr durch einen Einlagensicherungsfond geschützt. Der Wegfall der Sicherheiten bei Privatbanken wurde in der Fachpresse breit diskutiert. So hat auch das Fachmagazin für die Finanzfachleute in den Rathäusern,"Der neue Kämmerer", schon 2018 in großen Artikeln die Ausfallrisiken beschrieben. Und sogar die Greensill Bank selbst hat auf ihrer Internetseite ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Einlagen von Kommunen bei ihnen ohne Sicherung sind. "Wer als Verantwortlicher einer Stadt nicht weiß, dass seine zweistelligen Millionenbeiträge bei einer Privatbank im Pleitefall verloren sind, sitzt auf der falschen Position", sagt dazu der Finanzjournalist Christian Kirchner.
Und die BaFin? Die beobachtete die Greensill Bank als Verdachtsfall doch schon seit Sommer vergangenen Jahres. Wieso hat sie die Städte nicht gewarnt?
"Die BaFin darf aufgrund ihrer gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht Anleger nicht über eine Sonderprüfung oder aufsichtliche Maßnahmen informieren", so beantwortet uns die BaFin selbst diese Frage. Man habe aber bereits 2020 entschlossen gehandelt und eine Sonderprüfung mit einem BaFin-Beauftragten in der Bank veranlasst. Diese sei bei dieser Bank mit deren umfangreichen Geschäften und den internationalen Verflechtungen im englisch-australischen Mutterkonzern Greensill Capital aufwändig und zeitintensiv gewesen. "Mit den ersten Erkenntnissen aus der Prüfung hat die BaFin dann unter anderem ein Einlageverbot und ein Kreditverbot erlassen und am 3. März 2021 Strafanzeige gestellt", so der BaFin-Pressesprecher. Der Finanzjournalist Kirchner merkt dazu kritisch an: "Tatsache bleibt, dass man Online noch bis vor wenigen Tagen sein Geld bei Greensill anlegen konnte. Aber neben der BaFin hätten ja auch der Prüfungsverband der Banken oder der Wirtschaftsprüfer tätig werden müssen."
Aber haben nicht auch öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten Geld bei der Greensill Bank angelegt?
Ja, unter anderem der NDR. Eine Sprecherin dort gibt aber an, dass das Geld der Anstalt im Gegensatz zu dem der Kommunen durch eine Einlagensicherung geschützt sei. Radio Bremen hat kein Geld bei der Greensill Bank angelegt.
Wie geht es jetzt weiter mit der Greensill Bank?
Die Guthaben kleiner Sparer bis 100.000 Euro sollen in den kommenden Wochen zurückgezahlt werden. Und die BaFin hat noch etwa fünf Wochen Zeit, um bei Gericht die Insolvenz der Greensill Bank zu beantragen. Eine Entscheidung der BaFin darüber wird aber schon in den nächsten Tagen erwartet.

Rückblick: Unbekannt, aber einflussreich – Wer steckt hinter dieser Bremer Bank?

Video vom 25. November 2020
Das Logo der Greensill Bank
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Andreas Neumann Moderator

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. März 2021, 19:30 Uhr