Bundesweites Bündnis legt sich mit Wohnungsunternehmen Vonovia an

20 Mietervereinigungen haben sich zusammengeschlossen – darunter eine Initiative aus Bremen. Sie wollen sich gegenseitig unterstützen – und bekommen viel Zuspruch.

Ein Mietshaus der Vonovia in Bremen-Schwachhausen
Die Vonovia hat in Bremen unter anderem die Wohnungen der früheren Beamten-Baugesellschaft (BBG) übernommen, zum Beispiel in Schwachhausen und der Neustadt. Bild: Radio Bremen | Sarah Kumpf

"VoNO!via" nennt sich die Initiative, die gemeinsam gegen intransparente Nebenkostenabrechnungen und umstrittene Mieterhöhungen kämpfen will. Beides Punkte, in denen die Vonovia in den vergangenen Jahren negativ aufgefallen ist. Mehrere Prozesse gegen die Wohnungsbau-Gesellschaft laufen noch.

Aus Bremen ist das Mietkomitee der Gruppe "Stadtteilgewerkschaft Solidarisch in Gröpelingen" bei der Initiative "VoNO!via" dabei. Mitglied Josephine Krauss erklärt: "In vielen Städten – auch in Bremen – arbeiten sich Menschen an der Vonovia ab. So richtig passiert aber nichts." Das soll der Zusammenschluss vieler kleiner und einiger größerer Gruppen ändern. Die Idee: mehr Power, eine bessere Strategie, Ressourcen teilen, Kräfte bündeln, sagt Krauss. Ein nötiges und durchaus lobenswertes Vorgehen, sagen auch andere, die die Rechte von Mieterinnen und Mietern in Bremen wahrnehmen.

Ein Plakat auf einer Demo gegen die Vonovia.
Proteste gegen die Vonovia gab es schon einige in Bremen. Dieses Bild stammt von einer Demonstration im April 2019. Bild: Radio Bremen

Der Mieterverein Bremen solle bald zu den Mit-Unterzeichnern der Initiative gehören, sagt Geschäftsführerin Kornelia Ahlring. "Dass wir das unterstützen, ist eigentlich klar", so Ahlring. Der Mieterverein habe nahezu jeden Tag mit Mietern der Vonovia zu tun – und fast immer gäbe es an den Nebenkosten-Abrechnungen etwas zu beanstanden.

Auch Gert Brauer, Geschäftsführer des Mieterschutzbundes in Bremen, findet es "super, wenn die Mieter sich zusammenschließen". Die Vonovia und ihr Vorgehen sei schließlich kein Bremer Problem. Gemeinsam hätten die Mietervereinigungen sicherlich ein stärkeres Gewicht.

Dividende im Blick

Den Grundkonflikt beschreibt Brauer so: "Die Vonovia hat nicht ihre Mieter im Blick, sondern ihre Dividende. Das Unternehmen ist auf Gewinnmaximierung angelegt, nicht auf ein vernünftiges Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter." Andere Wohnungsbau-Gesellschaften in Bremen seien zwar auch nicht perfekt, aber definitiv weniger schlimm.

"No Vonovia – Miete runter!"-Graffito an einer Hauswand im Buntentorsteinweg
Besonders aus der linken Szene gibt es viel Kritik an der Vonovia. Im Bremer Buntentorsteinweg fand sich 2018 dieses Graffito. Bild: Radio Bremen | Jens Otto

Auch Kornelia Ahlring sagt: "Die wollen Gewinne generieren." Das sei aber eigentlich nicht Sinn und Zweck eines Vermieters. Das Gefühl bleibe immer: "Da wird gemauschelt." Es gebe bei der Vonovia eigene Firmen für alles: Die Modernisierung von Wohnungen, Hausmeister-Tätigkeiten – selbst die Kabelanschlüsse würden von eigenen Firmen gelegt.

Intransparente Rechnungen

Das Problem mit der Vonovia sei ein grundsätzliches und strukturelles, sagt auch der Bremer Fachanwalt für Mietrecht, Valentin Weiß. Weiß vertritt diverse Mieter, die gegen die Vonovia klagen. Er findet den Zusammenschluss gegen die Vonovia nur folgerichtig. Er sei "ein Ausdruck davon, dass man das rechtlich nur schwer in den Griff kriegt", sagt er.

Seine Erfahrung nach den Prozessen beschreibt Weiß so: Die Vonovia betreibe überall In-Sourcing, mache also alle Arbeiten selbst und rechne dann zu Fantasie-Preisen ab. "Die erfinden im Prinzip Kosten – und zwar sehr hohe", sagt Weiß. "Vollkommen intransparent" seien auch die Abrechnungen der Betriebskosten, so Weiß.

Vonovia: keine strukturellen Probleme

Aus Sicht der Vonovia gibt es an den Abrechnungen nichts zu beanstanden. Sie würden den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und alle relevanten Angaben enthalten, so Vonovia-Sprecherin Panagiota-Johanna Alexiou: "Die Unterstellungen werden nicht richtiger, nur weil sie wiederholt und lautstark vorgetragen werden." Mit der Gruppe "Solidarisch in Gröpelingen" sei die Vonovia schon länger im Austausch. Das Unternehmen arbeite ständig daran, die Kommunikation zu den Mietern zu verbessern – und transparenter zu werden.

Ob die bundesweite "VoNO!via" etwas verändern werde, sei schwer zu sagen, sagt Mietanwalt Valentin Weiß. Es sei aber wichtig, das Verhalten der Vonovia in der Öffentlichkeit zu beleuchten. Die Gruppe "Solidarisch in Gröpelingen" möchte die bundesweite Kampagne jetzt jedenfalls im Stadtteil vorstellen – und aktive Mieterinnen und Mieter finden, die bereit sind mitzumachen.

Rückblick: Mieter demonstrieren gegen Vonovia

Video vom 10. April 2019
Ein Plakat auf einer Demo gegen die Vonovia.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sarah Kumpf Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. März 2021, 23:30 Uhr