Wie gefährlich sind "Hardcore-Booster" im Kraftsport?

Sogenannte "Booster" sollen die Leistung steigern. Doch einige Produkte sind gefährlich und dürfen in Bremen nicht verkauft werden.

Auf einer schwarzen Unterlage liegt ein Häufchen weißgelbes Pulver und ein Messbecherchen. Dahinter steht eine schwarze Dose.
Dieser in Bremen gekaufte Booster soll laut Inhaltsangabe DMAA enthalten. Der Stoff darf in Bremen nicht verkauft werden.

Es gibt sie als Tabletten, Pulver, Kapseln oder flüssig: sogenannte Trainigsbooster. Die Hersteller werben mit Sprüchen wie: "Steigere deine Adrenalinausschüttung" oder "Pump, Energie und Ausdauer". Sie versprechen "Maximalkraft" oder einen "rasiermesserscharfen Fokus". Insbesondere Kraftsportler nutzen diese Produkte für ihr Training. Doch einige Booster, die auch als "Hardcore-Booster" bekannt sind, haben riskante Nebenwirkungen. Sie enthalten Stoffe wie DMAA oder DMBA.

Wirkung wie bei Drogen

Laut der Deutschen Apothekenzeitung besitzt DMAA "amphetamin-ähnliche Effekte". Die Partydroge ist in Deutschland auch unter den Namen "Speed" und "Pep" bekannt. Kraftsportler berichten auf der Videoplattform Youtube von einem "Tunnelblick" nach der Einnahme solcher "Hardcore-Booster". Laut Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen wirkt DMAA auf das zentrale Nervensystem:

Es kann zu Blutdruckanstieg, Atemnot und Herzrasen führen, im schlimmsten Falle sogar zum Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Gerd Glaeske
Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler

Die Substanz sei risikoreich, vor allem für Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, so Glaeske. Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kam es nach der Einnahme von DMAA bereits zu Todesfällen. Für die Überwachung solcher Produkte ist in Bremen die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz zuständig. Deren Pressesprecher Lukas Fuhrmann sagt, dass DMAA und DMBA weder als Arzneimittel, noch als neuartige Lebensmittel zugelassen sind. Produkte mit diesem Stoff dürften in Bremen nicht verkauft werden.

Nebenwirkungen: Schlafstörungen und Depressionen

Ein Mann hebt eine Langhantel in die Luft.
Trainingsbooster sollen die Leistung im Kraftsport steigern. Bild: Imago | Westend61

Nicht alle Booster sind gefährlich. Viele Produkte sind zugelassen und dürfen verkauft werden. Doch einige Händler in Bremen und umzu machen Geschäfte mit Produkten, die nicht zugelassene Substanzen enthalten sollen. Sie dürften in Bremen nicht verkauft werden. Wie einfach kommt man als Kunde an diese gefährlichen Booster?

Ich frage in einem Laden für Sportlernahrung in Bremen nach, ohne mich als Journalist zu erkennen zu geben. Der Verkäufer will wissen: "Ist ein positiver Doping-Test für dich ein Problem?" Meine Antwort: "Nein". Daraufhin bietet er mir zwei Booster an und sagt: "Beide sind nicht für den deutschen Markt zulässig." Er lacht und ergänzt: "Ja, haben wir eigentlich nur hier." Er bietet mir 240 Gramm eines weiß-gelben Pulvers an. Beim Öffnen riecht es süßlich wie Brausepulver. Auf der Verpackung ist unter den Inhaltsstoffen DMAA aufgeführt. Wie viel davon im Produkt sein soll, ist nicht aufgeführt.

Die Kunden von Hardcore-Boostern wollen das Extreme.

Verkäufer

Seine Geschäfte versteckt der Verkäufer nicht. Die Produkte stehen im Regal hinter dem Verkaufstresen. Auf die Frage, ob es Nebenwirkungen gibt, antwortet er: "Ja, in der Tat. Schlafstörungen und Depressionen." Vor ernsthaften Risiken für meine Gesundheit warnt er mich nicht. Auf Nachfrage am Telefon teilt er später gegenüber buten un binnen mit: "Wer sich an die Dosierangaben hält, dem kann eigentlich nichts passieren. Aber jeder Körper reagiert natürlich anders."

Diese Strafen drohen den Händlern

Die Kontrolle solcher Geschäfte ist in Bremen Sache der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Pressesprecher Lukas Fuhrmann sagt, dass der Verkauf von Boostern mit DMAA oder DMBA eine Straftat ist. Laut Lebensmittelgesetzbuch drohen dafür bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Bei einem Verstoß würden die Waren beschlagnahmt und vernichtet, so Fuhrmann.

Es wird ein Strafverfahren eingeleitet und an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben.

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Lukas Fuhrmann, Sprecher Bremer Gesundheitsbehörde

Geschäfte dieser Art würden sowohl aufgrund von konkreten Hinweisen als auch im Rahmen regelmäßiger Kontrollen überprüft. "Wenn wir Hinweise bekommen auf konkrete Geschäfte in Bremen, die solche Substanzen verkaufen, dann wird es dort Kontrollen geben", sagt Lukas Fuhrmann.

Der Markt für Booster ist international

Laut Fuhrmann sind zurzeit 17 Lebensmittelkontrolleure und eine Probennehmerin im Land im Einsatz. Dem Gesundheitswissenschaftler Gerd Glaeske reicht das nicht aus.

Leider funktioniert die Lebensmittelüberwachung nicht so konsequent, wie es für einen wirksamen Verbraucherschutz notwendig wäre. Gerade Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln nutzen oft die Lücken der Überwachung aus, um ihre Produkte anzubieten.

Gerd Glaeske
Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler

Wie groß der Markt für Trainigsbooster in Deutschland ist, dazu gibt es keine Zahlen. Im Bremen und Bremerhaven haben sich sieben Geschäfte auf den Verkauf von Sportlernahrung spezialisiert. Ein Großteil des Handels mit Boostern läuft über das Internet ab. Dort bieten zahllose Shops "Hardcore-Booster" an. Laut Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel kommen diese meist aus den USA und werden über Drittstaaten nach Deutschland importiert. Die Hersteller reagieren laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf Verkaufsbeschränkungen: Immer wieder kämen neue, abgewandelte Substanzen auf den Markt, um so Einschränkungen zu umgehen.

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Autor

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. Juni 2020, 23:30 Uhr