5 Fakten zu Clan-Kriminalität in Bremen

Die kurdisch-libanesische Familie Miri und andere Familienclans sind seit Jahren bekannt in Bremen. Gut 3.500 Personen gehören dazu. Hier die wichtigsten Fakten dazu.

Polizisten nehmen einen Mann fest. (Symbolbild)
Immer wieder sorgen Familien-Clans in Bremen für Gesprächsstoff. Zuletzt war es vor dem Klinikum Links der Weser zu einer Schlägerei zweier verfeindeter Gruppen gekommen (Symbolbild). Bild: DPA | Armin Weigel

1 Es gibt mehrere Familien-Clans in Bremen

Neben der bekannten Familie Miri gibt es weitere Familien-Clans. Laut Polizei sind das weitere libanesisch-kurdische Familien und "weitere Bevölkerungsgruppen". Nähere Angaben dazu, um welche Ethnien es sich handelt, macht die Polizei nicht.

Ein Familienstammbaum wird ausgerollt
Clan-Kriminalität beschäftigt die Bremer Polizei schon länger. Mehrere Meter Familienstammbaum hat sie bereits recherchiert.

Das Bundeskriminalamt spricht bundesweit von rund 200.000 Personen, die in ganz Deutschland diversen Clans zugeordnet werden. In Bremen geht das Landeskriminalamt (LKA) von rund 3.500 Mitgliedern aus.

2 Die Mehrheit wird nicht straffällig

In Bremen fallen Angehörige bestimmter Großfamilien auf, weil sie "systematisch und organisiert gewerbsmäßig Straftaten unterschiedlicher Deliktsfelder begehen", so die Polizei. Seit 2010 hat die Staatsanwaltschaft Bremen mindestens 1.316 Verfahren gegen Angehörige libanesisch-kurdischer Familien geführt. Weil gegen einzelne Menschen aber deutlich mehr als ein Verfahren geführt wurde, ist die Zahl der tatsächlichen Straftäter allerdings niedriger. Viele Angehörige der Familien-Clans werden also nicht straffällig.

3 Die Polizei beobachtet "Clan-Kriminalität"

Unter "Clankriminalität"versteht die Polizei Kriminalität von Gruppierungen, die geprägt sind von ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Familienstrukturen, in denen laut Polizei häufig ein "hohes kriminelles Potenzial zu beobachten" ist. Polizei und Landeskriminalamt in Bremen nehmen die Clans immer mehr ins Auge – auch in Zusammenarbeit mit Niedersachsen. In Oldenburg gibt es seit einiger Zeit eine Sonderermittlungseinheit, die sich mit den Bremer Behörden austauscht.

Der Geschäftsführer des Bremer Landesverbands im Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Heiko Kück, hält die Abschiebung des Clan-Mitglieds Ibrahim Miri zwar für "einen Schlag ins Gesicht" des Bremer Familienclans, doch müsse es noch viel weiter gehen. "Ein großer Teil ist die Vermögensabschöpfung, um den Geldfluss der Clans zu stoppen", sagt Kück. Zentral dafür: Mehr Personal. Kück begrüßt, dass die Bremer Polizei die Einstellungszahlen erhöht. Dementsprechend müsste auch die Zahl der für Clankriminalität zuständigen Kriminalbeamte aufgestockt werden.

4 Ermittlungen in Clanstrukturen sind schwierig

Ermittlungen in dem Millieu sind sehr schwierig, weil bestimmte Methoden von vornherein ausgeschlossen sind. V-Leute sind beispielsweise kaum einzuschleusen, denn jeder im Clan weiß, wer zur Familie gehört und wer nicht. Feste Strukturen erschweren den Ermittlungsbehörden und später auch den Gerichten oftmals die Arbeit. Die Polizei sieht insbesondere die Paralleljustiz kritisch, die in solchen Clan-Strukturen praktiziert wird. Statt die Rechtsprechung den Gerichten zu überlassen, regeln Familienoberhäupter oder andere "Schlichter" Streitigkeiten. Lüder Fasche von der Gewerkschaft der Polizei Bremen hat reichlich Erfahrung mit dem, was von Clans „Friedensrichter“ nennen:

Wir haben selber Gespräche abgehört, wo nach Tötungsdelikten 200.000 Euro geboten wurden, damit das Kriegsbeil begraben wird. Und wenn es da zu einer Einigung kommt, dann merken sie das auch in einem Gerichtsverfahren. Dann sagen nämlich alle auf einmal nicht mehr aus. Dann greift die deutsche Justiz ins Leere, weil die Paralleljustiz schon zugeschlagen hat.

Gewerkschafter der Polizei Lüder Fasche.
Lüder Fasche, Gewerkschaft der Polizei

Wie Daniel Heinke, Leiter des Landeskriminalamts Bremen, berichtet, sind die Clan-Strukturen bei den Ermittlungen der Polizei besonders hinderlich. Auch Familienangehörige, die selbst nicht straffällig geworden sind, verweigerten oft die Zusammenarbeit und würden nicht aussagen. Den deutschen Rechtsstaat würden viele nicht anerkennen.

5 Die Clans haben verschiedene "Betätigungsfelder"

Mitglieder der Familien-Clans begehen in Bremen überdurchschnittlich oft Eigentums- und Rohheitsdelikte, berichtet die Polizei. Dazu gehören Raub oder Körperverletzung. Auch Drogenhandel ist ein Thema. Detaillierter erfasst die Bremer Polizei allerdings nicht, welche Straftaten Clan-Mitgliedern vorgeworfen werden. Clan-Angehörige fielen auch schon wegen bundesweitem Trickbetrugs auf.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Januar 2020, 6:35 Uhr

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