Dritte Welle in Bremen? Warum es gefühlt nie Entspannung gab

Mit dem Lockdown hat die Politik auf die zweite Corona-Welle reagiert. Und doch baut sich nun die dritte auf. Ein Widerspruch? Keinesfalls, sagt Pandemie-Experte Hajo Zeeb.

Ein Ortsschild  mit durchgestrichenem Schriftzug "Zweite Welle" und "Dritte Welle" darüber (Bildmontage).
Nahtloser Übergang: Zwischen der zweiten und der dritten Corona-Welle gibt es in Deutschland keine Erholungsphase. Bild: Imago | Michael Weber

Seuchen verlaufen häufig wellenförmig. Sie tauchen auf, ebben wieder ab, verschwinden aber nicht ganz und bauschen sich dann wieder auf. Dass es bei der Corona-Pandemie genauso laufen könnte, haben viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon im Frühjahr letzten Jahres gesagt. Dennoch passiert gerade etwas lange Unvorhergesehenes in Deutschland: Die zweite Corona-Welle, die im Herbst Fahrt aufgenommen hatte, ist noch nicht ganz abgeflaut, da rollt bereits die nächste Welle heran.

Wir beobachten zwei Entwicklungen parallel.

Hajo Zeeb, Epidemiologe

Was auf den ersten Blick aussieht, als hätten die Schutzmaßnahmen ihre Wirkung verfehlt, hat in Wahrheit einen ganz anderen Grund: "Wir beobachten zwei Entwicklungen parallel", sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb: "Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus in seiner bisherigen Form geht zurück. Die Infektionen mit den Virusmutanten aber nehmen gleichzeitig zu." Und auf diese Neuinfektionen mit den Virusvarianten sei die dritte Welle zurückzuführen.

Virusmutanten sorgen für dritte Welle

Denn bekanntermaßen übertrügen sich die Virusvarianten noch leichter als die bekannte Covid-19-Stammform von einem Infizierten auf den nächsten. Das gelte sowohl für die britische Variante, die sich gerade in Deutschland durchsetzt, als auch für die südafrikanische, die ebenfalls im Kommen sei, sagt Zeeb. Er schätzt, dass beide Varianten um etwa 50 Prozent ansteckender sind als das Virus in seiner bisher bei uns bekannten Form: "Deshalb steigt die Zahl der Neuinfektionen leider wieder an", erklärt er.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb zu Gast im buten un binnen Studio.
Führt die dritte Welle auf die Coronavirus-Mutationen in Deutschland zurück: der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Bild: Radio Bremen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom 17. Februar lag der Anteil der Coronavirus-Varianten an den Infektionen Mitte des Monats bereits bei etwa 22 Prozent, nachdem er zu Beginn des Monats noch bei etwa sechs Prozent gelegen hat. Zeeb geht davon aus, dass inzwischen über 30 Prozent aller Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland auf Virusmutanten zurückgehen. Aufgrund der Erfahrungen aus anderen Ländern sei davon auszugehen, dass die Mutanten bald vollends die Oberhand bei uns gewinnen werden.

"Dritte Welle" oder gar "neue Pandemie"?

Um den Unterschied zwischen den ersten beiden Corona-Wellen einerseits und der nun aufkommenden dritten Welle andererseits noch deutlicher zu machen, spricht der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbauch sogar von einer "neuen Pandemie" durch die Virusmutationen, welche die alte mit der Covid-19-Stammform nahtlos ablöse.

Zeeb dagegen ist der Begriff "dritte Welle" etwas lieber. "Neue Pandemie – das klingt, als wenn wir noch einmal ganz von vorn anfingen", sagt er. Ganz so schlimm sei es aber glücklicherweise nicht. Das sieht Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, genauso wie der Wissenschaftler: "Wir haben heute genügend Schutzkleidung. Wir können uns auf das Virus testen und haben vor allem die Impfstoffe", so Fuhrmann. So gesehen sei man im Kampf gegen das Coronavirus deutlich weiter als vor einem Jahr – trotz der dritten Welle.

Sind Schnelltests der Weg aus dem Dauer-Lockdown?

Video vom 25. Februar 2021
Ein Corona-Schnelltest für Zuhause.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 1. März 2021, 23:30 Uhr