Örtliche Corona-Zahlen: Heftiger Streit unter Bremer Abgeordneten

  • Grüne Wargalla wirft CDU-Politiker Strohmann Nähe zu "völkischer Denke" vor
  • Heftige Diskussion über Wortwahl bei Twitter
  • Kern der Frage sind vermeintliche kulturelle Gründe für Umgang mit Corona
Video vom 9. November 2020
Zwei Frauen gehen eine Straße entlang, man sieht sie von hinten.
Bild: Radio Bremen
Bild: DPA | Daniel Bockwoldt

Warum gibt es in manchen Stadtteilen mehr Corona-Infektionen? Darüber diskutieren in Bremen gerade viele – teils auch heftig. Die Grünen-Politikerin Kai Wargalla warf dem CDU-Landesgeschäftsführer Heiko Strohmann im Verlauf der Diskussionen bei Twitter unter anderem eine "völkische Denke" vor.

Das Bremer Gesundheitsressort hatte erstmals wieder Corona-Infektionen nach Postleitzahlen veröffentlicht. Darin zeigte sich, dass es in manchen Stadt- beziehungsweise Ortsteilen wie Gröpelingen und Tenever höhere Infektionszahlen gibt als andernorts. Die Behörde versuchte sich auch in Interpretationen. In einem Papier heißt es: Die Zahlen "geben Hinweise darauf, dass eine Häufung in Regionen der Stadtgemeinde Bremen festzustellen ist, die von sozioökonomischer Benachteiligung geprägt sind". Als mögliche Faktoren nennt das Ressort beengte Wohnverhältnisse, niedrige Einkommen, Armut und prekäre Beschäftigungen sowie einen hohen Migrationsanteil in einigen Gebieten Bremens.

Umgang mit Corona eine Frage des "Kulturkreises"?

Hat der Umgang jedes Einzelnen mit Corona also auch damit zu tun, welchen kulturellen Hintergrund Menschen haben? Darüber wurde in sozialen Medien am Wochenende gestritten. Der CDU-Abgeordnete Heiko Strohmann reagierte auf einen Tweet von buten un binnen und löste so heftige Reaktionen aus. Strohmann schrieb: "Das hat nichts mit arm zu tun, sondern mit dem Kulturkreis".

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Heftige Kritik folgte prompt: "Solche Kommentare sind identisch mit der Kultur-rassistischen Position der AfD", hieß es vom Account "AfD Watch Bremen". Und die Grünen-Politikerin Kai Wargalla schrieb: "Das ist völkische Denke im Geiste der Neuen Rechten – statt 'Rasse' wird 'Kultur' gesagt, aber an der dahinterliegenden rassistischen Konzeption ändert es nix. Das ist nicht akzeptabel, erst recht nicht für einen Abgeordneten."

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Strohmann feuerte am Morgen zurück: "Wenn Sie sich mal aus Ihrer geistigen Blase befreien würden, könnten Sie freier denken. Dann würden sie auch verstehen, was ich gesagt habe", schrieb er bei Twitter. "Wer wie ich aus einer Gegend wie Gröpelingen kommt, weiß, dass ein kultureller Hintergrund etwas sehr wertvolles ist. Das hat nichts mit Religion zu tun", so Strohmann in einem Telefonat mit buten un binnen. "Die Frage ist, wie man miteinander umgeht. Das ist etwas sehr Positives. Dabei vergisst man leider manchmal zum Beispiel Abstand. Das hat nichts mit "völkisch" zu tun." Er fühle sich von dem Vorwurf nicht angesprochen, sagte Strohmann sichtlich aufgebracht zu buten un binnen. "Ich bin ein Gröpelinger Junge. Das, was Frau Wargalla mir vorwirft, ist lächerlich."

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In diesen Bremer Stadtteilen sind die Corona-Zahlen besonders hoch

Video vom 7. November 2020
Menschen gehen durch Gröpelingen
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Sven Kuhnen Redakteur

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. November 2020, 19:30 Uhr