Fragen & Antworten

Kein Sportangebot wegen Corona: Muss ich weiter bezahlen?

Geschlossene Fitnessstudios und Sporthallen, keine Übertragung von Bundesliga und Co.: Die Bremer Verbraucherzentrale erklärt, welche Gebühren weiter anfallen.

Video vom 27. März 2020
An einem Tor hängt ein Schild mit einem Warnhinweis mit dem Verweis, dass die Sportanlage gesperrt ist.

Fitnessstudios und Sporthallen sind wegen der Coronakrise geschlossen – vorerst bis zum 19. April. Etliche Kurse und Veranstaltungen fallen aus. Bekomme ich jetzt mein Geld zurück?

Muss ich meine Mitgliedsbeiträge an meinen Sportverein weiter bezahlen?
Die Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen sind dafür gedacht, laufende Kosten des Vereins zu bezahlen. Die Beiträge sind in der Regel niedrig, denn Vereine arbeiten nicht gewinnorientiert. Sie sind kein Entgelt für bestimmte Leistungen. Deshalb besteht kein Recht, die Zahlungen einzustellen, den Beitrag zu kürzen oder das Geld zurückzufordern. Mitglieder können also nur zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.

Anders ist es mit gesonderten Gebühren, die ausdrücklich für einen bestimmten Kurs über einen festgelegten Zeitraum gezahlt worden sind. Diese Beiträge kann man zurückverlangen. Allerdings hoffen natürlich viele Vereine, dass ihre Mitglieder sie in diesen schweren Zeiten unterstützen und das Fortbestehen sichern. Einige bieten ihren Mitgliedern während der Coronakrise Online-Kurse an.

Als Mitglied habe ich mich innerhalb der Satzung verpflichtet, den Vereinszweck zu fördern mit meinem Mitgliedsbeitrag. Und da ist im Grunde genommen nicht vorgesehen, dass ich dafür die Gegenleistung, das Sportangebot bekomme, sondern ich fördere den Vereinszweck.

Mathias Hufländer, Verbraucherzentrale Bremen
Muss ich meinen Beitrag ans Fitnessstudio weiter bezahlen?
Beim Fitnessstudio ist es anders als beim Sportverein. Das Fitnessstudio kann seine Leistungen, für die der Kunde zahlt, nicht mehr erbringen. Somit muss der Kunde seinen Mitgliedsbeitrag in der Zeit, in der das Studio geschlossen ist, nicht zahlen. Geregelt ist dies in § 326 des Bürgerlichen Gesetzbuches "Befreiung von der Gegenleistung und Rücktritt beim Ausschluss der Leistungspflicht". Hat der Kunde schon im Voraus bezahlt, kann er das Geld für die Zeit, in der das Studio geschlossen ist, zurückverlangen. Einige Fitnessstudios bieten aber auch an, den Vertrag um die ausgefallene Zeit kostenlos zu verlängern. Die Bremer Verbraucherzentrale rät, immer mit dem Betreiber zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden, bevor man seine Zahlungen einstellt. Auch einige Fitnessstudios bangen in diesen Zeiten um ihre Existenz und bieten Alternativen wie Online-Kurse an.
Ich mache gar nicht selber Sport, sondern gucke anderen dabei zu. Was ist etwa mit Sky-Abos?
In Großbritannien bietet Sky seinen Kunden an, ihr Abo während der Coronakrise pausieren zu lassen. Für deutsche Kunden gibt es dieses Angebot bisher nicht. Sky bietet bisher nur zusätzliche Pakete und Gutscheine an. Experten sind sich in diesem Fall uneinig. Die einen sagen, dass es rechtlich schwierig ist, hier sein Geld zurückzufordern, nur weil kein Fußball übertragen wird. Denn das Angebot falle nicht weg, sondern werde nur verschoben. Zudem würden Alternativen gezeigt. Andere sagen, dass rechtlich dasselbe gelten müsse, wie für Fitnessstudios: Wenn der Streamingdienst die Leistung nicht erbringen kann, darf er auch kein Geld verlangen.
Ich habe ein Ticket für ein Sportevent gekauft, das nun gar nicht stattfindet. Bekomme ich mein Geld zurück?
Genau wie bei Konzerten, Messen oder auch Festivals, können Ticketinhaber das Geld vom Veranstalter zurückverlangen. Kunden müssen weder einen Ausweichtermin noch einen Gutschein annehmen. Da aber viele Veranstalter um ihre Existenz bangen, ist die Annahme eines solchen Angebots eine gute Möglichkeit, den Veranstalter zu unterstützen.

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. März 2020, 19:30 Uhr