Luca-App: Kommt Bremen damit schneller aus dem Lockdown?

Die Luca-App soll die Kontaktverfolgung Infizierter bundesweit erleichtern. Der Bremer Senat will die App jetzt auch einsetzen.

Video vom 30. März 2021
Eine Frau hält ein Handy in die Kamera. Man sieht ihre Handy und den Startbildschirm der "Luca-App".
Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | Kirchner-Media

Luca ist derzeit in aller Munde, nicht erst seit Vizekanzler Olaf Scholz vor einigen Wochen bei Markus Lanz von der App geschwärmt hat. Einige Tage zuvor hatte der Rapper Smudo von den "Fantastischen Vier" das Produkt bei Anne Will massiv beworben. Die Fantastischen Vier haben bei der Entwicklung der App Pate gestanden, nachdem die Corona-Pandemie ihnen eine Jubiläumstour vermasselt hat. Ein System wie Luca, so der Grundgedanke, soll künftig selbst bei vergleichsweise hohen Corona-Infektionszahlen Veranstaltungen ermöglichen, indem es die Kontaktverfolgung Infizierter durch die Gesundheitsämter erleichtert.

Direkt vernetzt mit dem Gesundheitsamt

Grafik zeigt Datenaustausch der Luca-App mit Gesundheitsamt und Veranstaltern
Die Luca-App ist direkt mit dem örtlichen Gesundheitsamt verbunden. Bild: culture4life GmbH

Entsprechend verspricht Luca ein baldiges, weitgehendes Ende der Zettelwirtschaft in Gaststätten und bei Veranstaltungen. Statt seine Adressdaten zur Kontaktverfolgung handschriftlich in einer Liste zur hinterlassen, ermöglicht Luca, die Daten über einen QR-Code vom Smartphone abzulesen.

Der besondere Clou: Anders aber als andere Apps zur Datensammlung wird Luca direkt an die Systeme der Gesundheitsämter angeschlossen. Bekommt ein Amt aus einem Labor das positive Testergebnis einer Person übermittelt, die Luca auf ihrem Smartphone installiert hat, so kann das Amt, das Einverständnis der betroffenen Person vorausgesetzt, umgehend auf die im Smartphone des Infizierten gespeicherte Kontakthistorie zugreifen. Dadurch wird es dem Amt möglich, alle Kontaktpersonen des Infizierten quasi per Knopfdruck und in einem Rutsch zu warnen – zumindest all jene, die ebenfalls Luca auf ihrem Smartphone installiert haben.

Zeitgewinn dank gespeicherter Kontaktgeschichten

"Das Amt braucht niemanden, um die Nutzer der App abzutelefonieren", sagt Patrick Hennig, Geschäftsführer der culture4life GmbH aus Berlin und einer der Entwickler der App. Auf diese Weise gewinne das Gesundheitsamt wertvolle Zeit, gerade dann, wenn es um viele Kontaktpersonen gehe, etwa nach einer Großveranstaltung. Zudem ermögliche es Luca dem Gesundheitsamt unter Umständen dank der Kontaktgeschichten gar, zügig die Person zu identifizieren, die den Infizierten infiziert hat.

Klar sei allerdings auch, räumt Hennig ein, dass der Erfolg des Systems entscheidend davon abhänge, wie viele Leute die App tatsächlich auf ihren Handy installieren. Je mehr, desto besser.

Auch deshalb sei Luca für den privaten Nutzer wie für die Betriebe kostenlos. Ohnehin mache die Kontakterfassungs-App allenfalls drei bis vier Prozent des Gesamtsystems Luca aus, so Hennig. Entsprechend lasse sich die culture4life GmbH ihr Kontaktverfolgungssystem von den Ländern und Gemeinden bezahlen, die es nutzen. Wie viel Geld das Land Bremen für Luca aufwenden müsste, möchte Hennig nicht verraten.

Erfolgreiche Simulation in Jena

Kontaktbogen zur Erfassung persönlicher Daten für eine mögliche Nachverfolgung von Kontaktketten liegt mit desinfiziertem Kugelschreiber und Besteck auf einem Tisch im Außenbereich einer Gaststätte.
Da nicht jeder ein Smartphone nutzt, werden Kontaktbögen auch künftig in Gaststätten ausliegen. Auch dann, wenn sich die Luca-App durchsetzen sollte. Bild: Imago | Ralph Peters

Auf den nordfriesischen Inseln hat man mit Luca bereits erste Erfahrungen gesammelt. Allein auf Sylt seien mittlerweile etwa 200 Betriebe an das System angeschlossen, sagt Jutta Vielberg, Sprecherin der Sylt Marketing GmbH. "Die Installation klapp reibungslos", stellt sie fest, räumt aber auch ein: "Wegen des Lockdowns musste sich die App noch nicht im Ernstfall beweisen."

Um zu testen, was Luca in einem solchen Ernstfall bringt, hat der Stadtrat Jenas in Thüringen kürzlich einen positiven Coronafall simuliert. "Reibungslos" habe die Vernetzung mit dem Gesundheitsamt funktioniert, schwärmt Jenas Pressesprecher Kristian Philler. Jedes Ratsmitglied, das die App auf ihrem Smartphone installiert hatte, sei umgehend über den vermeintlichen positiven Coronafall ins Bild gesetzt worden.

Philler spricht von einer "Riesenerleichterung", die sich Jena nun von Luca verspreche. Die Stadt hoffe, dass die App bald möglichst überall eingesetzt werde, wo sich Menschen eine halbe Stunde oder länger aufhielten, insbesondere also in der Gastronomie. Die Thüringische Landesregierung hat bereits für alle Gesundheitsämter des Landes eine Luca-Lizenz erworben.

"Luca ist eher auf größere Veranstaltungen zugeschnitten"

Gastronom Oliver Trey im Interview.
Möchte nicht, dass alle Bremerinnen und Bremer mit 20 Kontaktverfolgungs-Apps herumlaufen: Gastwirt Oliver Trey. Bild: Radio Bremen

Trotz derartiger Erfolgsmeldungen bezweifelt Oliver Trey, Vorsitzender der Bremer Gastro-Gemeinschaft, dass auch Bremen Luca braucht. Grundsätzlich seien alle Kontaktverfolgungsapps "sehr gut und sehr hilfreich". Daher habe die Bremer Gastro-Gemeinschaft schon voriges Jahr eine eigene App entwickeln lassen – sogar mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Bremer Wirtschaftsressort. Und diese App namens "Gast Bremen" sei vielleicht sogar noch besser als Luca, zumindest für die Gastronomie.

"Luca ist eher auf größere Veranstaltungen zugeschnitten", erklärt Trey. Denn der Veranstalter lese den QR-Code von den Handys der Gäste mithilfe eines Scanners ein. Gast Bremen, die App der Bremer Gastro-Gemeinschaft, arbeite dagegen, wie die meisten anderen Kontaktverfolgungs-Apps auch, genau umgekehrt: Der Handy-Besitzer scanne mit seinem Smartphone einen QR-Code ein, den der Veranstalter zur Verfügung stelle, beispielsweise in Form von Ausdrucken, die auf den Tischen ausliegen: "Das ist für eine kleine Kneipe viel einfacher. Die können niemanden extra beschäftigen, der mit einem Scanner am Eingang steht", so Trey. Zudem ließen sich durch die Ausdrucke auf den Tischen Menschenschlangen an den Eingängen verhindern.

Gast Bremen, erklärt Trey weiter, sei fester Bestandteil der Werbekampagne "Gastronomie? - aber sicher!", die die Gastro-Gemeinschaft ursprünglich bereits im November lostreten wollte, ehe der Lockdown die Gastronomie zur Pause zwang. Weiterhin aber gelte: Jeder Betrieb, der der Gastro-Gemeinschaft ein überzeugendes Hygienekonzept präsentiert, soll die App kostenlos erhalten. Über 400 Unternehmen hätten sich die Software bereits zugelegt. Derzeit würden einige Erweiterungen hinzugefügt, ehe die App wieder in den App-Stores zum Download angeboten werde.

"Gast Bremen ist werbefrei, kostenlos und entwicklungsfähig"

Kristin Viezens, Sprecherin des Wirtschaftsressorts, bestätigt, dass Bremen die Werbekampagne "Gastronomie? - aber sicher!" mit insgesamt knapp 80.000 Euro fördert – und damit indirekt auch die Gast Bremen-App. Zu den Vorzügen der App zähle, dass sie sich nicht nur für die Gastro eigne, sondern entwicklungsfähig sei und auch in anderen Bereichen eingesetzt werden könne. Zudem sei Gast Bremen werbefrei und kostenlos.

Geschrieben hat die App ein Tochterunternehmen der Bremer Abat AG. Gast Bremen fußt auf Staysio, einer Plattform und App, die Abat bereits vorigen Sommer vorgestellt hat, um allen eine kostenlose Kontaktdatenerfassung zu ermöglichen. Trotz der im Herbst neu aufblühenden Corona-Pandemie hatte das Unternehmen damit allerdings kaum Erfolg, wie Unternehmenssprecher Frank Lenk feststellt: "Wir haben Staysio als kostenlosen "Löser" gerade in unserer Region und bei der Politik intensiv angeboten. Teilweise wurde nicht mal geantwortet. Mit Verwunderung nehmen wir daher die Reaktionen auf die Luca-App von Smudo zur Kenntnis."

"Sehr gutes Marketing mithilfe der Fantastischen Vier"

Auch Oliver Trey führt den Erfolg Lucas trotz der direkten Verzahnung mit der Software der Gesundheitsämtern weniger auf einen technischen Vorsprung gegenüber anderen Systemen zurück, als auf das "sehr gute Marketing mithilfe der Fantastischen Vier". Davon unberührt wünsche er sich nun im Sinne aller, "dass am Ende nicht alle Bremerinnen und Bremer mit zwanzig verschiedenen Kontaktverfolgungs-Apps auf dem Handy rumlaufen, wenn die Gaststätten endlich wieder öffnen dürfen".

Was die neuen Corona-Beschlüsse für die Gastronomie bedeuten

Video vom 4. März 2021
Matthias Fonger von der Handelskammer Bremen im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. März 2021, 19.30 Uhr