Bis zu 16.000 Impfungen täglich: Zeigt Bremen den anderen, was geht?

Mit Unterstützung der Unternehmer-Initiative "Bremen impft" entsteht bis Mitte März in Bremen ein Mega-Impfzentrum. Die Beteiligten mussten sich dafür zusammenraufen.

Ein Mann wird im Bremer Impfzentrum geimpft.
Ab Mitte März sollen im Bremer Impfzentrum bis zu 16.000 Menschen täglich geimpft werden können. Bild: DPA | Sina Schuldt

Noch sind die Messehallen 4, 5 und 6 auf der Bremer Bürgerweide komplett leer. Sie warten darauf, gemeinsam mit der Messehalle 7, in der jetzt schon geimpft wird, zum wohl größten Impfzentrum Deutschlands umgerüstet zu werden. Auf dann insgesamt fast 20.000 Quadratmetern sollen, wenn alles fertig ist, täglich bis zu 16.000 Bremerinnen und Bremer geimpft werden. Der Senat hat die rund 70 Millionen Euro umfassenden Pläne unter der Woche bewilligt. Bereits Mitte März soll es mit den Impfungen im großen Stil losgehen.

Der Weg zu dem Mega-Projekt war allerdings recht steinig. So richtig ins Rollen gekommen sind die Ausbaupläne erst auf Druck einiger Manager um den Bremer Bauunternehmer Kurt Zech. Der stellt den Ablauf im buten-un-binnen-Interview so dar: "Ich hatte im November mitbekommen, dass man in Bremen ein Impfzentrum mit 1.500 Impfungen pro Tag plant." Dann habe er das mal durchgerechnet und festgestellt, dass es auf diese Weise Jahre dauere, bis die Bremer Bevölkerung durchgeimpft ist.

Zech lobt Gesundheitssenatorin

Also habe er kurzerhand die Ärmel hochgekrempelt, sagt Zech: "Ich habe dann die Firma Joke dazu geholt, die ja sehr erfahren ist mit Großveranstaltungen." Gemeinsam mit der Bremer Politik hätten sie schließlich in vielen – zum Teil wohl auch sehr konfliktreichen – Diskussionen einen gemeinsamen Nenner gefunden. Und er lobt ausdrücklich die Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke): "Die Senatorin hat gute Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass die Wellen, die zwischendurch mal etwas höher geschlagen haben wieder flacher geworden sind."

Ein Mann wird im Bremer Impfzentrum geimpft.
Der Politik waren die Ankündigungen Zechs zunächst zu großspurig. Bild: DPA | Sina Schuldt

In der Tat schmeckten vielen in der Verwaltung und den beteiligten Hilfsorganisationen die Ankündigungen der Unternehmer, die in der Öffentlichkeit von bis zu 25.000 möglichen Impfungen pro Tag sprachen, zunächst nicht so recht. Der Tenor: zu forsch und zu unrealistisch. Nicht zuletzt, weil zunächst ohnehin nur wenig Impfstoff verfügbar war und es bis heute Lieferengpässe gibt.

Politik und Unternehmer rauften sich zusammen

Bis heute sieht man die Dinge in der Bremer Gesundheitsbehörde etwas anders: "Wir hätten natürlich auch von Anfang an mit mehr als 1.500 Impfungen pro Tag planen können. Das wäre aber Vergeudung von Steuermitteln gewesen, weil wir bis heute nur relativ wenig Impfstoff zur Verfügung haben", sagt der Sprecher der Behörde, Lukas Fuhrmann auf Nachfrage von buten un binnen.

Doch die Forderung war im Raum und so setzten sich Politik und Wirtschaft zusammen und der massive Ausbau des Impfzentrums wurde beschlossen – wenn auch in etwas abgespeckter Version. Mittlerweile kann auch die Gesundheitssenatorin Bernhard dem Drängen der Unternehmer etwas Positives abgewinnen: "Dass ein Unternehmer sagt, hier muss der Staat mal bisschen mehr Tempo machen ist das, was die Unternehmen in die Kooperation einbringen und gehört auch ein Stück weit zur Rollenverteilung."

Unternehmen gründeten Initiative

Die in der Initiative "Bremen impft" zusammengeschlossenen Unternehmen haben mittlerweile so einiges auf die Beine gestellt. Vor allem haben sie das Callcenter für die Vergabe der Impftermine im Bremer Congress-Centrum aufgebaut. Stühle und Tische kamen vom größten privaten Arbeitgeber Bremens Mercedes, andere Unternehmen steuerten Laptops bei. Die eigens angepasste Software für die Terminvergabe bot eine Firma zum Selbstkostenpreis an. Und auch die Anrufe für die Terminvergabe nehmen derzeit 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen an, die bis dahin in Kurzarbeit waren.

Und auch im ausgebauten Impfzentrum sollen bis zu 500 Beschäftigte der Unternehmen zum Einsatz kommen. Die eigentlichen Impfungen werden natürlich von medizinisch ausgebildeten Personal von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz durchgeführt. Aber in Empfang genommen und durchs Impfzentrum begleitet werden die Menschen unter anderem von Hotelangestellten. Diese können so aus der Kurzarbeit geholt werden, die Bezahlung übernimmt das Land Bremen.

Und so arbeiten Politik und Wirtschaft im kleinsten Bundesland gemeinsam an ihrem ehrgeizigen Ziel: Bis Ende Juli sollen 70 Prozent der Bremerinnen und Bremer eine Impfung bekommen können.

Video vom 23. Februar 2021
Die Decke einer Halle. Von der Decke hängt ein Schild, auf dem "Halle 6" geschrieben steht.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Februar 2021, 19:30 Uhr