Wer wird künftig in Bremen auf Corona getestet?

Bremen könnte weitaus mehr Corona-Tests durchführen. Der Senat arbeitet bereits an einem Konzept zur Ausweitung der Tests. Doch wer könnte davon profitieren?

Aufnahmeraum/ Arzt in Schutzkleidung hält Corona-Test-Stäbchen und Röhrchen.
Im Land Bremen könnten weitaus mehr Corona-Tests-durchgeführt werden. Jetzt muss der Senat entscheiden, wer getestet werden soll. Bild: Gesundheit Nord gGmbH | Kerstin Hase

Bereits in der letzten Woche wurde bekannt, dass im Land Bremen weitaus mehr Kapazitäten für Corona-Tests vorhanden sind, als derzeit genutzt werden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde könnten täglich etwa 1.250 Tests durchgeführt werden. Tatsächlich wird aber durchschnittlich nur rund 400 Mal pro Tag getestet. Dass mehr getestet werden soll, ist der erklärte Wille von Bund und Ländern. Fragt sich nur, wen man testen soll.

Der Bremer Senat arbeitet derzeit an einem Konzept, um diese Frage zu klären. Es soll in den kommenden Wochen fertig sein. Die Parteien in Bremen haben da bereits Vorstellungen.

Angesichts der gestiegenen Testkapazitäten mahnt Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, dringenden Handlungsbedarf an. "Personal sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen in Bremen müssen so bald wie möglich regelmäßig getestet werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen", fordert Bensch. Auf diese Weise könne man Infektionsherde in diesen besonders
gefährdeten Bereichen früh erkennen und gezielt bekämpfen. Das könne gleichzeitig dabei helfen, die derzeit sehr strengen Kontaktbeschränkungen in den betroffenen Einrichtungen behutsam zu lockern.

Mehr Tests im Gesundheits- und Pflegebereich

Die Grünen haben vor allem das Personal in Gesundheits- und Pflegeberufen im Blick. "Diese Menschen leben dauerhaft mit der Belastung, sich möglicherweise während ihrer Arbeit angesteckt zu haben – ihnen muss der Zugang zu Tests künftig erleichtert werden", fordert Ilona Osterkamp-Weber, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.

Ute Reimers-Bruns, bei der SPD-Fraktion für Gesundheitsthemen zuständig, sieht darüber hinaus erhöhten Test-Bedarf bei Polizistinnen und Polizisten. Der polizeiliche Arbeitsalltag sei naturgemäß mit vielen
Kontakten verbunden, weshalb die Beamten einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt seien.

Tests auch in großen Industriebetrieben

Auch Hajo Zeeb, Professor am Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, hält es nun für geboten, in den besonders gefährdeten Bereichen intensiver zu testen. Er denkt bereits einen Schritt weiter. Sollte es die Entwicklung der Testkapazitäten zulassen, müsse auch über Tests in Unternehmen wie etwa großen Industriebetrieben nachgedacht werden. Es sei sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus epidemiologischen Gründen sinnvoll, wenn Corona-Infektionen auch dort frühestmöglich entdeckt würden. "Dafür müssen allerdings noch intelligente Test-Staffelungen erarbeitet werden, um die Kapazitäten möglichst effizient einzusetzen", sagt Hajo Zeeb.

Autor

  • Sebastian Manz

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 30. April 2020, 23:30 Uhr