Interview

"Cop Map": Umstrittene Internet-Karte warnt vor Polizisten

Ein Künstler-Kollektiv hat ein Online-Portal veröffentlicht. Dort können Nutzer die Polizeipräsenz in ihrer Stadt anonym melden. Die Bremer Polizei kritisiert die Aktion.

Cop Map drohende gefahr Polizei
Ziel der "Cop-Map" ist laut den Organisatoren unter anderem, Daten über die Polizeipräsenz zu sammeln und potentielle Opfer von Racial Profiling zu schützen. Bild: drohende-gefahr.de

Eine Karte auf pinkem Hintergrund, auf der Nutzer die Präsenz von Polizeiwagen oder Polizisten in ihrer Straße markieren können: Mit dieser Aktion wollen die Künstler-Kollektive "Peng!" und "Polizeiklasse" bundesweit gegen Racial Profiling – Personenkontrollen aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft  – und die Erweiterung von Polizeibefugnissen protestieren. "Cop-Map – Melde Cops in deiner Nähe" heißt die Initiative. Sie ist legal, betonen die Organisatoren gegenüber buten un binnen. Dennoch haben sich einige Polizeigewerkschaften kritisch dazu geäußert. Rainer Zottmann, Leiter der Direktion Einsatz bei der Bremer Polizei, findet die Karte an sich zwar nicht problematisch – ärgert sich aber trotzdem über die Aktion.

Herr Zottmann, welche Bedenken haben Sie?
Das, was mich ärgert, ist der Generalverdacht gegen Polizisten, der dadurch geäußert wird. Ich dachte, dass wir in Bremen schon einen Schritt weiter wären.
Inwiefern?
Die Aktion ist als Reaktion zum neuen Polizeiaufgabengesetz in Bayern entstanden. Dass das Projekt und die Diskussion kritiklos nach Bremen gebracht werden, ärgert mich. In Bremen werden die Beamten außerdem gezielt trainiert, um professionelle Kontrollen durchzuführen und Racial Profiling zu vermeiden.
Besteht in Bremen also kein Problem in dieser Hinsicht?
Es gibt hier kein grundlegendes Problem. In den letzten Jahren ist bei uns keine konkrete Beschwerde wegen Racial Profiling bei Kontrollen eingegangen.
Einige Vertreter von Polizeigewerkschaften haben die Befürchtung geäußert, dass Kriminelle durch das Projekt an Informationen über die Aktivitäten der Polizei kommen könnten. Teilen Sie diese Sorge?
Die Karte an sich finde ich nicht besonders problematisch. Die Polizeikontrollen erfolgen in aller Öffentlichkeit. In den sozialen Medien werden sowieso schon Informationen über die Einsätze und die Polizeipräsenz ausgetauscht – oft in Echtzeit.
Smartphone in der Hand, auf dem Display ist Cop Map zu sehen (Montage)
Auf dem Smartphone die Polizei-Aktivität in der Nähe verfolgen: "Peng!" und "Polizeiklasse" möchten auch die Debatte über Polizeigewalt anregen. Bild: Imago | Imagebroker
Hat die Karte Ihrer Meinung nach irgendwelchen Nutzen?
Nein. Es ist zwar richtig, über das Thema zu reden. Allerdings finde ich hier den Ansatz völlig falsch. Ich würde es sehr schade finden, wenn anständige Bürger sich dadurch nicht mehr frei fühlen würden, durch Bremen zu gehen. Meine Sorge ist, dass die Webseite eher Ängste schürt.
  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 24. Oktober 2018, 23:30 Uhr