Bremer Bronze-Mann sorgt am Wall für Rätsel

Seit ein paar Tagen steht ein Mann aus Bronze am Wall. Er schiebt einen echten Einkaufswagen aus dem Supermarkt. Woher kommt die Statue?

Video vom 27. Mai 2020
Ein Mann aus Bromze schieb einen Einkaufswagen. Um ihm herum ist Absperrband.
Bild: Radio Bremen

Offenbar heimlich und in der Nacht hat jemand einen Mann aus Bronze mit Einkaufswagen in die Wallanlagen gestellt. Das Kunstwerk wurde an allen offiziellen Ämtern und Stellen vorbei dort aufgestellt. Der Künstler oder die Künstlerin will scheinbar anonym bleiben. Es gibt bisher keinen Hinweis auf ihn oder sie. Nun rätseln das Kultur- und das Umweltressort, wer dahinter steckt.

Die Statue zeigt einen alten Mann, der vom Leben gebeutelt zu sein scheint. Er steht nicht aufrecht sondern ist nach vorne gebeugt. Es sieht aus, als stütze er sich auf den Einkaufswagen. Der Mann wirkt müde. Von weitem könnte man die Statue für einen Menschen halten. Ein Obdachloser, der oft an dieser Stelle in den Wallanlagen sitzt, musste zweimal hingucken, erzählt er:

Ich habe gedacht, dass da jemand steht, mit einem Einkaufswagen, oder gerade vorbei läuft. Und dann habe ich noch mal hingeguckt und dann war es Kunst.

Augenzeuge

Vielleicht soll es einen Obdachlosen darstellen. Die Figur aus Bronze trägt einen weiten Mantel und weite Hosen, dazu eine Wollmütze und schwere Stiefel.

Die Statue wurde offensichtlich professionell aufgestellt und sogar mit einem eigens mitgebrachten rotweißen Sperrband gesichert. Das Band sollte offenbar die Statue schützen bis der Beton fest und die Figur standsicher ist, mutmaßt das Umweltressort. Und das Kunstwerk kommt an. Immer wieder bleiben Leute stehen, machen Fotos oder rätseln, was es bedeuten soll.

Kulturressort sucht nach Urheber

Eigentlich ist es nicht erlaubt, einfach irgendwo Kunst hinzustellen. Dafür gibt es normalerweise ein offizielles Verfahren, in dem zum Beispiel Ortsbeiräte und der Kunstausschuss der Stadt Bremen beteiligt werden. Sie entscheiden, welche Kunst im öffentlichen Raum stehen darf. Im Kulturressort wird bereits seit Tagen nachgeforscht, ob das Kunstwerk vielleicht irgendwo anders gestohlen wurde. Oder ob der Kunststil für einen bestimmten Künstler oder Künstlerin spricht.

Doch bisher blieben Recherche und Nachfrage in Künstlerverbänden ergebnislos, erklärt Rose Pfister aus dem Kulturressort. Solche Bronzestatuen sind weit verbreitet in der Kunstszene. Möglicherweise wurde die Bronzestatue auch für einen anderen Zweck gefertigt. Und der Einkaufswagen kam erst nachträglich dazu. Viele Rätsel. Aber bis auf weiteres darf die Statue erstmal stehen bleiben. Das hat das Umweltressort nun entschieden. Schließlich rege sie zum Nachdenken an.

Wir haben bei der Skulptur mit dem Einkaufswagen überprüft, ob sie auch standsicher ist, damit nichts passieren kann. Jetzt wird sie dort erstmal stehen bleiben, bis wir wissen, was es damit auf sich hat. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht.

Ronny Meyer, Staatsrat beim Senator für Umwelt

Bürgermeister will Statue stehenlassen

Beeindruckt und interessiert zeigte sich auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), als er die Statue begutachtete. Er lobte die Qualität des Kunstwerks. Außerdem rege es zur Diskussion über Wohnungslose oder Flaschensammler an. Natürlich dürfe nicht jeder einfach irgendwo Kunst aufstellen. Da die Statue nun aber einmal da sei, könne er sich vorstellen, sie dort zu belassen. Die Stadt könnte dafür einen Sockel stiften. Sie einfach abzubauen, sei keine bremische Haltung. Der Vorfall zeige jedenfalls die "künstlerische Quirligkeit Bremens". Solch eine Aktion zeichne die Stadt aus: "Das ist eben auch Bremen." Bovenschulte bat den oder die Künstlerin, sich zu melden.

Es ist verrückt. Das ist Bremen. Kaum ist man zwei Tage an einer Stelle nicht vorbeigegangen, stellt man fest, dass dort hochklassige Kunst entstanden ist.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit einem Augenzwinkern

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Mai 2020, 19:30 Uhr