Fragen & Antworten

Bremens kommunalen Kliniken droht großer Stellen- und Bettenabbau

Die Corona-Pandemie ist in vollem Gange. Dennoch plant der Bremer Klinikverbund Geno den Abbau von 440 Stellen bis Ende 2024. Stimmt der Aufsichtsrat den Plänen heute zu?

Bettenlager in einem Krankenhaus.
Um Geld zu sparen, möchte die Geno auch Betten in ihren Kliniken abbauen. Bild: Imago | photothek

Schwarze Zahlen ab 2024: Dieses Ziel verfolgt der seit Jahren kränkelnde kommunale Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) mit seinen vier Standorten in Bremen-Mitte, -Nord, -Ost und Links der Weser. Um das Ziel zu erreichen, hat die Geschäftsführung um die Vorsitzende Dorothea Dreizehnter ein Sanierungskonzept entwickelt, über das heute der Aufsichtsrat der Geno beraten wird. Im Raum stehen Einsparungen im Volumen von 44 Millionen Euro.

Wie möchte die Geno in so kurzer Zeit so viel Geld einsparen?
Der kommunale Klinikverbund plant dem Vernehmen nach, bis Ende des Jahres 2024 rund 440 Vollzeitstellen abzubauen. Derzeit arbeiten bei der Geno etwa 8.000 Beschäftigte. Ausdrücklich ausgenommen von den Sparplänen sind die Pflegekräfte. Die Geno wird bei Ärztinnen und Ärzten, in der Verwaltung und bei den derzeit vier Großküchen Stellen einsparen. Kündigungen möchte der Klinikverbund möglichst vermeiden.
Welche Einschnitte sieht das Sanierungskonzept der Geno außerdem vor?
Die Geschäftsführung plant offenbar auch, Betten einzusparen. Derzeit verfügen die vier Kliniken der Geno zusammen über etwa 2.800 so genannte Planbetten. Das sind die Betten, die eine medizinische Einrichtung maximal betreiben darf. Dazu muss man wissen: Auch Betten, die nicht belegt sind, die ein Krankenhaus aber bereithält, kosten Geld. Daher versuchen Kliniken, nur geringfügig mehr Betten vorzuhalten als tatsächlich benötigt werden.
Wie reagiert die Arbeitnehmerseite auf die Pläne?
Die Gewerkschaft Verdi wirft der Geno eine fehlerhafte Personalplanung in den vergangenen Jahren vor. "Um eine gute Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, braucht es mehr als die direkte Pflege am Bett. Alle Berufsgruppen im Krankenhaus sind dafür unerlässlich", sagt Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker. Er fürchte, dass auch Stellen bei der Geno wegfielen, die unverzichtbar seien. So stellten etwa Versorgungsassistentinnen eine wichtige Entlastung für Pflegekräfte da. Sie seien daher unentbehrlich. Verdi fordert, dass sich die Geno und Bremens Politik für eine gesetzlich geregelte und bedarfsorientierte Personalbemessung einsetzen. Entsprechende gemeinsame Konzepte haben Verdi, die Krankenhausgesellschaft und der Pflegerat bereits vorgelegt.
Gibt es weitere Proteste?
Das Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus, zu dem auch Verdi zählt, hat auf der Plattform "Open Petition" eine Petition veröffentlicht. Der Titel lautet: "Krankenhauspersonal entlasten – nicht entlassen!"
Das Bündnis fordert, dass Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), die auch die Aufsichtsratsvorsitzende der Geno ist, den "Stellenstreichungsplan" ablehnt. Das Defizit der Geno – voriges Jahr rund 40 Millionen Euro – sei zustande gekommen, weil das Land Bremen den Klinikverbund unzureichend finanziere. Es dürfe nicht sein, dass nun Patientinnen und Patienten sowie Beschäftige die Leidtragen würden. Bis Donnerstagnachmittag hatten knapp 1.150 Personen die Petion unterzeichnet.

Gesundheit Nord – wie geht es weiter?

Video vom 29. Januar 2021
Der Eingang vom Klinikum Bremen Mitte.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Februar 2021, 19.30 Uhr