10 Monate mietfrei in der Bremer Innenstadt – so geht’s

Alles was man braucht ist eine Idee mit überzeugendem Konzept und schon könnte am 1. März in bester innerstädtischer Lage ein neuer Laden in Bremen eröffnen.

Leere Ladenflächen in Bremen
Die Glasregale sind schon da, die Idee fehlt noch. Bild: WFB | Göppert

Dieses Jahr soll es besser laufen in Bremens Innenstadt. Nach mehreren Ladenschließungen 2020 befindet sich der Einzelhandel im Umbruch, die Corona-Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Dagegen stellt sich die Bremer Wirtschaftsförderung (WFB) und will neuen Schwung zwischen Knochenhauer- über die Söge- bis hin zur Obernstraße bringen. Ihr Versprechen: Drei mietfreie Verkaufsflächen zwischen 100 und 300 Quadratmetern in den genannten Straßen.

Hauptsache: Leben in der City

Um die Bremer Innenstadt etwas am Leben zu halten, vergibt die WFB drei Einzelhandelsflächen an kreative Pop-Up-Store-Konzepte. Im Auftrag der Stadt sollen die besten und innovativsten drei Ideen gewinnen. Wer die Ausschreibung gewinnt, darf zehn Monate mietfrei anbieten, was er oder sie will – Hauptsache es belebt die Innenstadt und es handelt sich nicht um ein gastronomisches Angebot.

Ähnliches hatte die WFB schon im Oktober 2020 mit einer Fläche in der Obernstraße verknüpft – mit Erfolg, wie sich herausstellt.

"Nach dem erfolgreichen Auftakt mit dem Wettbewerb für einen Concept-Store in der Obernstraße sind wir nun sehr gespannt auf die neuen Ideen, die uns diesmal erwarten und für neue Anreize und Erlebnisse bei Besucherinnen und Besucher der Innenstadt sorgen werden", erklärt Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) in einer Mitteilung.

Mit diesem Vorgehen habe Bremen bundesweite Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten, so die Wirtschftssenatorin weiter. "Die Resonanz von Menschen, die ihre Ideen verwirklichen möchten, und auch aus der Immobilienbranche und von Expertinnen und Experten für Stadtentwicklung war ausgesprochen positiv", erklärte Vogt und möchte diesen Weg weitergehen. Diesmal sucht die WFB gleich drei kreative Ideen – für drei Pop-Up-Stores.

1 Leerstand Nr. 1

Blick in einen leerstehenden Laden.
In der Obernstaße gabs mal Schuhe - jetzt werden die Karten neu gemischt. Bild: WFB | Göppert

Bei einer der zu vergebenen Flächen handelt es sich um das ehemalige Schuhkaufhaus Görtz in der Obernstraße. Auf einer Gesamtfläche von knapp 240 Quadratmetern können aber nicht nur Schuhe ein neues zu Hause finden. Auf 107 Quadratmetern Verkaufsfläche könnte doch die ein oder andere Idee sesshaft werden. Und das beste: Licht ist schon vorhanden, so auf der Seite der WFB nachzulesen.

2 Leerstand Nr. 2

Leere Ladenfläche mit gekacheltem Boden.
Hier können Kreative nicht nur Schach spielen. Bild: WFB | Göppert

Auch der ehemalige Herrenausstatter in der Knochenhauserstraße musste 2020 schließen. Wo einst Prominente wie Rudi Carrell, Thomas Gottschalk und Helge Schneider sich schick gemacht haben, herrscht jetzt Leerstand mit kariertem Boden. Dabei hat die Fläche einiges zu bieten: Auf insgesamt fast 340 Quadratmetern kann Kreativität wachsen und auf rund 200 Quadratmetern ihr Ergebnis verkauft werden.

3 Leerstand Nr. 3

Die leere Ladenfläche mit Treppenhaus
3 Etagen und ein Sozialraum und das für lau gibt es in der Sögestraße. Bild: WFB | Göppert

Erst im November musste das Bremer Traditionsschuhaus in der Sögestraße schließen. Doch die leeren Glasregale sind noch da und warten nur auf neue Produkte und das auf mehreren Stockwerken mit Lastenaufzug. Die 360 Quadratmeter teilen sich in 300 Quadratmetern Verkaufsraum und für die Mitarbeiter bleibt ein 60 Quadratmeter großer Sozialraum.

Bewerbungsvorraussetzungen

"Die Ausschreibung richtet sich an Existenzgründer, Start-Ups sowie kreative und etablierte Anbieter und Anbieterinnen, die bisher noch nicht in der Bremer Innenstadt vertreten sind", so Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB: "Ideen aus verschiedenen Bereichen sind ausdrücklich erwünscht."

Dabei muss die Idee nicht mal aus Bremen kommen, auch niedersächsische oder europäische Ideen sind willkommen. Es kann aber auch ein neuer Schuhladen oder Herrenausstatter werden, wenn er denn kreativ und innovativ ist.

Von Einzelhandel bis Kultur: Alles ist möglich

"Wir wünschen uns Konzepte, die eine Vielfalt abbilden und hoffen auf ganz unterschiedliche Ideen und Anbietende aus verschiedenen Branchen – von Einzelhandel über Dienstleistung und Produktion bis hin zu Freizeit und Kultur ist alles möglich", so Heyer weiter.

Die Flächen sind für die drei Gewinnerkonzepte miet- und nebenkostenfrei. Zusätzlich erhalten die Gewinner und Gewinnerinnen Zuschüsse für Personal und den Bau des Ladens. Auch sollen die drei Geschäftsmänner oder -frauen bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden und erhalten gleichzeitig eine kostenlose Mitgliedschaft bei der Cityinitiative Bremen.

Worauf die Jury achtet

Auf der Internetseite der WFB heißt es, dass vor allem die "Stimmigkeit der Konzepte", der "Innovationsgrad" und die "voraussichtliche Kundenfrequenz", "Innenstadttauglichkeit", die "Nutzungsvielfalt", das "Alleinstellungsmerkmal des Konzeptes" und die "wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit" für die Auswahl der neuen Ideen eine Rolle spielen.

Wer dies mitbringt kann auch nach den mietfreien zehn Monaten "zu marktüblichen Bedingungen in der Innenstadt" nach Möglichkeit dort bleiben oder an einem anderen Ort auf Unterstützung der WFB hoffen.

Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 29. Januar (12 Uhr). Die Gewinner könnten schon am 1. März ihr Geschäft eröffnen und garantiert bis zum 31. Dezember bleiben.

Bremens City: "Wichtiger ist, was zwischen den Gebäuden passiert"

Video vom 25. Juli 2020
Die Stadtgeographin Julia Lossau im Interview bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Januar 2021, 23:30 Uhr