Infografik

Auto, Bus und Rad: Das ist der Stand der Elektromobilität in Bremen

Um nachhaltige Mobilität zu fördern, setzt Bremen auf die Steckdose. Strom soll Autos, Busse und Lastenräder antreiben. Wie weit Bremen schon ist, zeigen diese Beispiele.

Taxi fährt auf Bremer Parkallee an Ökostrom-Tankstelle der swb vorbei
Eine Ladestation der swb in der Bremer Parkallee. Derzeit gibt es 129 öffentliche Ladestationen in Bremen und 28 in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

1 Strom für Autos

Seit vier Jahren hatte der Bund eine Kaufprämie, auch "Umweltbonus" genannt, für Elektroautos ausgelobt. Dieser wurde bis Ende 2025 verlängert und wegen der Corona-Krise bis Ende 2021 erhöht. Wer sich für den Kauf eines neuen Elektroautos entscheidet, kann laut ADAC bis zu 6.000 Euro Bundesanteil bekommen – je nach Modell des Wagens. Der Herstelleranteil liegt demnach bei bis zu 3.000 Euro.

Die Zahl der Bremer, die auch schon mit den alten Fördermaßnahmen auf ein Elektroauto umgestiegen sind, ist allerdings überschaubar. Von den derzeit 385.140 im Land Bremen zugelassenen Kraftfahrzeugen sind nur 1.462 mit einem Elektro-Kennzeichen ausgestattet, also lediglich etwa 0,38 Prozent. Darunter fallen nicht nur Elektroautos, sondern auch Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge, wie das Innenressort mitteilt. Allerdings steigt die Zahl der in Bremen zugelassenen Elektrofahrzeuge an, wie die Entwicklung der Jahre 2017 bis 2019 zeigt.

Zulassungen von Elektrofahrzeugen im Land Bremen

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Doch obwohl die Bremerinnen und Bremer nur langsam auf elektrisch angetriebene Autos umsteigen, wird das stetig wachsende Angebot an öffentlich zugänglichen Ladestationen im Zwei-Städte-Staat immer besser genutzt, auch von auswärtigen Fahrerinnen und Fahrern wie Berufspendlern.

Dazu sollte man wissen: Nur etwa 15 Prozent aller Ladevorgänge an Elektroautos finden auf öffentlichem Grund statt, schätzt das Umweltressort. Derzeit gibt es dem Online-Forum "Chargemap" zufolge 129 öffentliche Ladestationen in Bremen und 28 in Bremerhaven. Andere Ladestationen stehen auf privaten Grundstücken, andere befinden sich zum Beispiel auch in den Parkhäusern der Brepark.

Die meisten der öffentlichen Stationen verfügen über zwei Ladepunkte. Das heißt: Dort können zwei Autos gleichzeitig aufgeladen werden. Größter Betreiber im Zwei-Städte-Staat ist der Energieversorger swb. Wie die folgende Grafik zeigt, nimmt seit 2016 mit jedem neuen Ladepunkt der swb auch die Nachfrage nach Strom für Elektroautos sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven deutlich zu. Auch deshalb möchte das Land Bremen sein Netz an öffentlichen Ladestationen weiter ausbauen.

Stromentnahme an öffentlichen Ladepunkten der swb

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2 Strom für Busse und Bahnen

So sehr man sich im Umweltressort der Freien Hansestadt Bremen auch wünscht, dass Elektroautos solche mit Verbrennungsmotor irgendwann überflügeln mögen, gilt dort doch auch die Devise: Der öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist unter Aspekten der Nachhaltigkeit noch wichtiger. Immer wieder betont Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) daher, dass der Senat den ÖPNV weiter ausbauen möchte. Auch dabei geht kaum etwas ohne Strom.

So hat der Senat im Juni die Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 nach Mittelshuchting beschlossen. Derzeit endet die 1 am Roland-Center. Mittelfristig möchte Bremen die Linien 1 und 8 bis nach Stuhr und Weyhe verlängern.

Elektrobus der BSAG.
20 Elektrobusse möchte die Bremer Straßenbahn AG demnächst kaufen. Ende Juni hat der Senat sein Grünes Licht dafür gegeben. Bild: BSAG

Darüber hinaus hat der Senat im Juni dem Kauf von 20 Elektrobussen durch die BSAG zugestimmt. Die ersten Fahrzeuge werden voraussichtlich ab Anfang 2021 auf den Straßen Bremens unterwegs sein. Bis Ende 2022 sollen alle 20 Busse zum Einsatz kommen. Zur Erklärung sagt Maike Schaefer: "Durch den Betrieb von 20 Elektrobussen leisten wir mit einer jährlichen Einsparung von mehr als 1.000 Tonnen CO2 einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz."

Schaefer ist von diesem Wert so begeistert, dass sie im nächsten Schritt mit der BSAG ein Gesamtkonzept für die sukzessive Umstellung des dieselbetriebenen Busfuhrparks auf neue Antriebstechnologien entwickeln möchte.

Gut möglich, dass in dieses Konzept auch Erfahrungen aus Bremerhaven einfließen werden. Dort setzt man statt auf Strom auf Brennstoffzellen. So habe sich die Seestadt gerade für den Kauf von drei mit Wasserstoff angetriebenen Bussen entschieden, teilt das Umweltressort mit.

3 Strom für Pedelecs und Lastenräder

Jemand fährt ein Elektrofahrrad.
Steuerlich absetzbar: ein elektrisch unterstütztes Dienstfahrrad. Bild: DPA | Rainer Jensen

Gut 25 Prozent ihrer Fahrten bewerkstelligen die Bremerinnen und Bremer mit dem Fahrrad, sagt Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität im Bremer Umweltressort. Dass es noch mehr werden, gehört zu den vorrangigen Zielen des Senats. Daher baut Rot-Grün-Rot das Netz aus Premium-Fahrradrouten weiter aus. Dabei ist dem Senat nicht entgangen, dass Elektro-Fahrräder immer beliebter werden. Ihr Marktanteil liegt dem Zweirad-Industrie-Verband zufolge mittlerweile bei fast einem Drittel aller verkauften Räder.

Glotz-Richter führt den Erfolg der Pedelecs auch darauf zurück, dass Dienstfahrräder – ob mit oder ohne Elektromotor – seit 2012 Dienstautos steuerlich gleichgestellt sind: "Für das Pendeln per Rad zur Arbeit dürfen Arbeitnehmer jeden Arbeitstag 30 Cent pro Kilometer als Entfernungspauschale geltend machen."

Da Arbeitgeber zudem Betriebsfahrräder als Betriebsausgaben steuerlich absetzen können, gehen immer mehr Unternehmen dazu über, für Ihre Belegschaft Fahrräder zu kaufen oder zu leasen. In Bremen, so Glotz-Richter, sei diese Praxis längst Gang und Gäbe: Bis zu 190 Betriebe im Land gingen so vor. Tendenz: steigend.

Ein Fahrradkurier auf einem elektrischen Lastenrad (Symbolbild)
Elektrische Lastenräder sind schwer im Kommen. Jetzt möchte das Bremer Umweltressort auch das Lastenrad-Sharing vorantreiben. Bild: DPA | Tobias Hase

Eine besonders große Zukunft prophezeit Bremens Umweltressort elektrisch unterstützten Lastenrädern, sagt Glotz-Richter und verweist auf das Förderprogramm des Bundes für gewerbliche Lastenräder. Hiernach sind unter verschiedenen Voraussetzungen sowohl elektrisch angetriebene Schwerlastenfahrräder förderfähig als auch Schwerlastenanhänger mit elektrischer Antriebsunterstützung.

Möglicherweise wird das Land Bremen demnächst zudem ein eigenes Programm zur Förderung mechanischer und elektronisch unterstützter Lastenrädern auflegen. Dabei gehe es insbesondere um das Lastenfahrrad-Sharing, so Glotz-Richter. Einen entsprechenden Antrag habe das Umweltressort bereits beim Finanzressort eingereicht. Denn das Finanzressort verwalte einen Zehn-Millionen-Euro-Topf für Klimaschutz-Maßnahmen. Was daraus konkret finanziert werde, entscheide sich kommenden Herbst. Glotz-Richter ist "ziemlich optimistisch", dass das Lastenfahrrad-Sharing-Konzept aus dem Umweltressort dazugehören wird.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Exclusiv im Ersten, 6. Juli, 21.50 Uhr