Brandserie: Was ist los in Bremerhaven-Lehe?

In Lehe brennt es immer wieder. Die Behörden aber halten sich extrem bedeckt. Nun äußern andere einen erschreckenden Verdacht. Unsere Reporterin erklärt die Situation.

Eine Feuerwehrwagen steht vor einem abgebrannten Haus in Bremerhaven
Auch dieses Feuer am 11. April in der Wülbernstraße gehört zu der Brandserie. Damals wurden 13 Menschen teils schwer verletzt. Bild: DPA | Carmen Jaspersen
Die Leher Brände sind Tagesgespräch, die Anwohner werden langsam unruhig. Was ist los im Stadtteil?
Die Brände brechen oft in heruntergekommenen Häusern aus. In vielen dieser Häuser leben anscheinend Migranten. Darauf deuten jedenfalls die Namen hin, die wir auf den Klingelschildern lesen, wenn wir nach einem Brand zu den Häusern fahren, um zu berichten. Armutszuwanderer können sich oft keine besseren Wohnungen leisten, und von diesen heruntergekommenen Häusern stehen im Stadtteil Lehe ziemlich viele.

Der Rat Ausländischer Mitbürger hier in Bremerhaven geht jetzt sogar von politisch motivierten Brandstiftungen aus und vermutet, dass sie sich gegen Zuwanderer aus Südosteuropa, vor allem aus Bulgarien, richten. Er fordert nun, dass die Polizei ausdrücklich auch in diese Richtung ermittelt. Die Bremerhavener Kripo aber äußert sich zu eventuellen Hintergründen der Brandserie nicht.

Die Anwohner im Stadtteil aber sind besorgt. Denn oft hat es in den Treppenhäusern gebrannt. Das war meist Gerümpel oder Kinderwagen, die Feuer gefangen hatten. Aber auch solche kleinen Brände können sich über alte Holztreppen schnell ausbreiten. Bisher hat es schon rund 40 Verletzte gegeben. Mir hat jemand aus Lehe erzählt, dass er jedes Mal guckt, ob sein Treppenhaus brennt, wenn er ein Martinshorn hört.

Brandserie in Bremerhaven – wer steckt dahinter?

Verbrannter Müll in Hausflur
Was tun denn die Behörden, und was könnten sie noch tun?
Uns erzählen alle, dass sie unter Hochdruck an den Ermittlungen arbeiten und daran, die Brände zu verhindern. Natürlich kann man eine Stadt nicht lückenlos überwachen. Es gibt eine Sonderkommission der Polizei und eine Expertengruppe – über mögliche Erfolge schweigen sich die Behörden allerdings aus.

Beim Thema Brände ist es für uns sehr schwierig, an offizielle Informationen zu kommen, auch die Leher Bewohner haben oft mehr Fragen als Antworten. Da wäre eine etwas offensivere Informationspolitik sicherlich hilfreich. Immerhin: Demnächst sollen mehrsprachige Flugblätter herauskommen, die über Brandverhütung aufklären. Aber Tatsache ist: Die Brände gehen weiter, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass das bald aufhört.
  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. September 2017, 19:30 Uhr