Infografik

Wie Baustoffmangel das Bremer Handwerk zu Pausen zwingt

Die Auftragsbücher sind voll, aber Baustoffe in der Pandemie weltweit knapp. Den Betrieben geht das Material aus. Einige Gewerke können nur eingeschränkt arbeiten.

Bremer Handwerker schlagen Alarm: Baustoff-Preise schießen in die Höhe

Video vom 28. April 2021
Mehrere Holzbretter in einer Seitenansicht übereinander gestapelt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | Photothek

Es gebe Dachdecker und Trockenbauer im Land Bremen, die in den letzten Wochen ihre Angestellten mitten am Tag nach Hause geschickt hätten – prall gefüllten Auftragsbüchern zum Trotz. "Die haben einfach kein Material mehr bekommen, dass sie hätten verarbeiten können", erklärt der Malermeister Thomas Kurzke, zugleich Präses der Handwerkskammer Bremen. Zwar handele es sich bislang um Einzelfälle. Trotzdem lasse sich nicht leugnen, dass der Mangel an Baustoffen zusehends zum Problem für das Handwerk werde.

Kurzke spricht von einem "Bremsschuh für das Bau- und Ausbaugewerbe". Einige Betriebe müssten sogar trotz guter Auftragslage Kurzarbeit für ihre Beschäftigten anmelden. Mangels Material könnten sie gar nicht oder nur eingeschränkt arbeiten. Bauverzögerungen und hohe Kosten seien die unmittelbare Folge – leider auch zum Leidwesen der Kundinnen und Kunden. Festpreise für handwerkliche Arbeiten böten derzeit kaum Betriebe an, da die damit verbundenen Risiken unkalkulierbar seien, so Kurzke.

Anstieg der Baustoffpreise seit Herbst 2020

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Nach Schätzungen der Handwerkskammer Bremen sind insbesondere die Preise für Beschläge, Scharniere und ähnliche Metallerzeugnisse allein während des letzten halben Jahrs um rund 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Stahl kostet demnach etwa 30 Prozent mehr als vorigen Herbst, Holz rund 25 Prozent, Mineralölerzeugnisse etwa 15 Prozent.

Der Markt an Dämmstoffen wie Styropor sei "wie leergefegt", hat Kurzke beobachtet. In seiner Eigenschaft als Malermeister stellt der Handwerkskammer-Präses fest: "Bei den Lacken hatten wir gerade die dritte Preiserhöhung innerhalb weniger Monate. Normal sei eine Preiserhöhung pro Jahr.

Wie Kurzke, so bezeichnet auch Matthias Winter, Obermeister der Tischler-Innung Bremen, die Situation als "grotesk". Die Betriebe hätten zwar viele Aufträge, könnten die gewünschten Arbeiten aber wegen Materialmangels nicht aufnehmen. "Deshalb müssen Tischlereien ernsthaft überlegen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken – trotz voller Auftragsbücher", so Winter. Grobspanplatten etwa seien derzeit am Markt kaum zu bekommen. Auch Beschläge seien Mangelware.

Kaufen USA und China Europa leer?

Ein Maler streicht eine Wand an.
Die Preise für Lacke sind laut Malermeister Thomas Kurzke in den letzten sechs Monaten dreimal angehoben worden. Bild: Imago | Westend61

Zu den Gründen für den Baustoffmangel kursieren mehrere Erklärungen. Matthias Winter führt die Engpässe beim Holz unter anderem auf die enorme Nachfrage in den USA zurück. Weil die Vereinigten Staaten infolge von Handelsstreitigkeiten aus der Trump-Ära kein Holz mehr aus Kanada bekämen, würden sie nun in Europa einkaufen und astronomisch hohe Preise zahlen. Auch China kaufe viel Holz in Europa auf. Malermeister Thomas Kurzke glaubt zudem, dass einige Werkstoffe infolge der Corona-Pandemie nicht in ausreichender Menge produziert worden seien. Darüber hinaus funktionierten seit Ausbruch der Seuche nicht alle Lieferketten wie gewohnt.

Eine Befragung des Verbands Baugewerblicher Unternehmer im Lande Bremen stützt diese Vermutung. Zwar haben sich nur 17 Unternehmen daran beteiligt. Andreas Jacobsen, Geschäftführer des Verbands, hält die Befragung dennoch für aussagekräftig. Das zentrale Ergebnis: Es haben nicht nur alle Unternehmen in den letzten Monaten einen teilweise deutlichen Preisanstieg bei Baustoffen beobachtet. Die meisten von ihnen gehen außerdem davon aus, dass der Trend zu höheren Preisen in den kommenden Monaten anhalten wird. Insbesondere Gips-, Stahl- und Holzprodukte sowie Beschläge stehen nach Meinung einiger Betriebe schon jetzt nur noch bedingt zur Verfügung.

Auch deshalb bitte Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke die Bremerinnen und Bremer im Namen des Handwerks um Verständnis für Preissteigerungen und auch dafür, dass die Handwerksbetriebe viele Aufträge nur mit größerem Vorlauf abarbeiten könnten. Der gesamte Weltmarkt sei aufgrund der Pandemie durcheinander geraten. "Wir sind nicht glücklich über die Lage. Aber wir können nichts daran ändern", fasst er zusammen.

Ausbildung während Corona: "Nicht nachlassen, bitte!"

Video vom 31. Januar 2021
Der Präses der Handwerkskammer und Malermeister Thomas Kurzke im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. April, 19.30 Uhr