Interview

Nervig und gefährlich? Das tut die Bremer Polizei gegen Autoposer

Ein lauer Sommerabend, alle zieht es nach draußen – und Autoposer in die Öffentlichkeit. Sie wollen mit lautem Motorengeheul imponieren. Die Polizei hat die Poser im Visier.

Video vom 13. August 2020
Ein Auto an der Straße in Bremen Viertel beim Autoposen.
Bild: Radio Bremen

Die Kontrollgruppe "Raser und Poser" ist von der Polizei Bremen im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden. Seit Beginn der Corona-Monate und vor allem in Zusammenhang mit dem guten Sommerwetter, scheint der Poser-Trend beliebter zu werden. Daniel Heinke ist Leiter der Direktion "Einsatz" bei der Polizei Bremen und weiß, wer die Poser sind und wie die Kontrollgruppe arbeitet.

Herr Heinke, Ihre Kontrollgruppe war vergangenes Wochenende in Bremen unterwegs. Was ist dabei herausgekommen?
Wir haben tatsächlich alleine in Zusammenhang mit dem Phänomen Rasen und Posing 13 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, darunter Rotlicht-Verstöße, Geschwindigkeitsmessungen — unter anderem eben auch aufgrund verdeckter Lasermessungen — sowie zwei Straftaten. Einmal Fahren ohne Fahrerlaubnis, also nicht nur ein Fahrzeug überhaupt verkehrswidrig bewegt, sondern dann auch noch ohne Führerschein unterwegs gewesen. Und einmal wegen der missbräuchlichen Nutzung eines solchen Fahrzeugs. Und wir haben einen Pkw aufgrund nicht zugelassener Umbauten auch gleich vor Ort stillgelegt.
Wie messen Sie eigentlich den Erfolg der Einsatzgruppe "Raser und Poser"?
Erfolg in tatsächlichen Zahlen zu messen, ist für uns vergleichsweise schwierig. Wir messen ihn daran, ob wir es erreichen, dieses Posing-Verhalten an den entsprechenden Orten deutlich zu reduzieren. Ob wir feststellen, dass das die Menschen — also Personen, die nicht einfach nur am Straßenverkehr teilnehmen, sondern andere dabei belästigen oder sogar gefährden — dieses an diesen Orten dann auch unterlassen. Und da haben wir durch den Kontrolldruck im vergangenen Jahr nach unserer Bewertung durchaus Erfolge gezeigt. Das wollen wir dieses Jahr fortführen.
Daniel Heinke von der Polizei Bremen
Daniel Heinke ist Leiter der Direktion Einsatz bei der Polizei Bremen. Wir haben mit ihm über das Posing- und Raser-Verhalten in Bremen gesprochen. Bild: Polizei Bremen
Wie genau erreichen Sie ihr Ziel? Was machen die Kollegen aus der Kontrollgruppe?
Das ist sehr unterschiedlich. Es sind zum einen die spezialisierten Kollegen, die hauptberuflich genau solche Verkehrsüberwachungen durchführen. Die mit Streifenwagen oder mit zivilen Fahrzeugen im Verkehr mobil unterwegs sind und dann insbesondere Geschwindigkeitsverstöße feststellen oder die bei stationären Kontrollen Geschwindigkeits- und Abstandsverletzungen dokumentieren. Aber auch uniformierte Kräfte, die, wenn sie Posing wahrnehmen, an Kontrollstellen oder anderswo, gezielt auf die Fahrzeuge zugehen und Kontrollmaßnahmen durchführen. Das heißt, wir versuchen möglichst viel zu kontrollieren.
Gab es aufgrund des Rasens oder Posings schon Unfälle?
Im Zusammenhang mit Posing haben wir noch keine Unfälle verzeichnet. Da geht es tatsächlich darum, vergleichsweise eher langsamer, dafür sehr laut, an publikumsträchtige Orte heranzufahren. Was wir tatsächlich schon feststellen mussten im Juli dieses Jahres, war ein Verkehrsverstoß, der zu einem Unfall führte. Da ging es dann um überhöhte Geschwindigkeit, im Volksmund "rasen" genannt. Für uns ist es natürlich sehr wichtig, das frühzeitig zu unterbinden, weil bei solchen Unfällen auch schwerwiegende Verletzungen verursacht werden können — wenn es ganz unangenehm läuft.
Wurden schon Verkehrsteilnehmer bestraft, vielleicht aus dem Verkehr gezogen?
Es ist natürlich sehr unterschiedlich, was passiert. Die meisten Verkehrsverstöße stellen nach der Straßenverkehrsordnung sogenannte Ordnungswidrigkeiten dar. Das heißt, unterhalb der Schwelle einer Straftat sind es Ordnungswidrigkeiten, die entsprechend sanktioniert werden. Typischerweise mit Bußgeldern, die aber auch eine ganz ordentliche Höhe erreichen können. Bei besonders schwerwiegenden Verstößen kann auch ein Fahrverbot angeordnet werden. Wir prüfen in jedem Einzelfall insbesondere, ob möglicherweise auch das Tatmittel, also das Auto, eingezogen werden kann. Das ist vergleichsweise selten der Fall, aber wir möchten durch den Kontrolldruck deutlich machen, dass der Fahrzeughalter ein Risiko eingeht. Im Einzelfall können solche Delikte aber auch Straftaten darstellen. Das illegale Kraftfahrzeugrennen etwa ist seit 2017 ein eigenständiger Straftatbestand. Wenn wir solche Delikte feststellen, dann führen wir natürlich die entsprechenden Ermittlungen durch, und dann werden die Personen auch mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bestraft. Auch hier besteht die Möglichkeit, das Auto einzuziehen.
Nimmt das Auto-Posing auf Bremens Straßen durch die Kontrollen tatsächlich ab?
Das können wir derzeit noch nicht abschließend feststellen, weil wir ja erst seit einigen Wochen diese guten Temperaturen haben. Was wir mit großem Unverständnis feststellen, ist, dass sich Menschen auch dieses Jahr wieder herausgefordert fühlen, insbesondere bei gutem Wetter und an Orten, wo sich viele Personen aufhalten, wo sie also "Publikum haben", ihre Fahrzeuge negativ vorzuführen. Und zwar auch mit einer aggressiven Fahrweise: Die Motoren aufheulen lassen und insgesamt die Bevölkerung belästigen. Teilweise aber eben auch, und dann eher in der Szene untereinander, Anstalten machen, Verkehrsverstöße zu begehen. Zu schnell zu fahren und möglicherweise auch Rennen zu fahren. Da versuchen wir hinterher zu kommen. Wir wissen, dass es verschiedene Hotspots in Bremen gibt. Da stellen wir uns auf. Ob das Ganze dann zum Erfolg führt, werden wir sicherlich erst in einigen Wochen bewerten können.
Was sind die Hotspots in Bremen für Raser und Poser?
Die Innenstadt, auch im Bereich der Brill-Kreuzung nahe der Schlachte, und das Viertel sind für uns die Hotspots für das Posing. Bei Geschwindigkeitsübertretungen insbesondere verschiedene Straßenzüge in der Überseestadt, die aufgrund ihrer langen Straßenführung sehr gerade und gleichzeitig nahezu ohne Anwohner sind. Aus Sicht der Menschen, die das tun, sind diese Straßen nicht so gefährlich. Auch da stellen wir uns hin, führen Geschwindigkeitsmessungen durch und sind auch immer wieder erfolgreich.
Können Sie verstehen, dass einige Bremer den Eindruck haben, dass die Polizei vielleicht nicht genug gegen das Posing tut?
Bürgerinnen und Bürger nehmen unseren Einsatz im Detail nicht immer wahr, weil wir — nicht nur, aber auch — zivile Kräfte einsetzen. Gleichzeitig sind wir natürlich nicht überall. Deswegen sind wir darauf angewiesen, dass man uns Beobachtungen mitteilt. Am besten mit Angabe der Örtlichkeit und des Fahrzeuges, idealerweise mit Kennzeichen.
Was sind das für Menschen, die zur Poser- und Raser-Szene gehören?
Das sind weit überwiegend junge Männer bis etwa 35 Jahre. Weit überwiegend Männer, aber eben nicht nur. Wir haben jetzt auch teilweise am Wochenende einzelne Frauen dazwischen, die sind aber tatsächlich die Ausnahme. Sie kommen aus Bremen oder dem nahen Bremer Umland. In den Nachbargemeinden, die eine entsprechende Szene haben, ist es offensichtlich ein Anreiz, immer mal wieder nach Bremen zu kommen. Sie halten sich dann nicht permanent hier auf, aber beispielsweise dann Freitag- oder Samstagabend, um ihre Fahrzeuge hier vorzuführen.
Mal angenommen, ein Verkehrsteilnehmer fährt einfach nur hin und her. Der macht an sich ja erst mal nichts.
Was vielleicht gar nicht jedem immer so zu 100 Prozent bewusst ist, ist, dass eine sinnlose Nutzung des Straßenverkehrsraums auch eine Ordnungswidrigkeit darstellen kann. Da sind die Nachweishürden vergleichsweise hoch, weil man natürlich auch mal hin- und herfahren darf. Aber wenn ich zum achten Mal hintereinander die Schlachte passiert habe, wird auch hier der Verkehrsteilnehmer einsehen müssen, dass das nicht mehr normgerecht ist.

So geht die Bremer Polizei gegen Raser und Poser vor

Video vom 2. August 2020
Ein weißer Sportwagen, der die Brillbrücke in Bremen entlang fährt.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Wolfgang Loock

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. August 2020, 19:30 Uhr