Diese verblüffenden Funde machten Bremer Archäologen an der Schlachte

Archäologen finden Zeugnisse des mittelalterlichen Schlachte-Treibens

Audio vom 1. September 2021
Archäologische Funde einer Ausgabung Am Tiefer
Bild: Radio Bremen | Orestis Skenderis
Bild: Radio Bremen | Orestis Skenderis

Wagenteile, Stempel, Silbermünzen: Die Baustelle an der Tiefer unter den Weser-Arkaden hat Archäologen tausende Fundstücke beschert. Darunter alte Pilgerzeichen.

Die Baustelle an der Tiefer über den Weser-Arkaden hat einem Grabungsteam jetzt Einblicke in das mittelalterliche Bremen gewährt. Erbaut wurden die Arkaden zwar erst 1857 – sie dienten als Unterbau für eine Kranbahn, auf der bis zu drei Kräne die Fracht aus den Schiffen zu den dahinterliegenden Zollschuppen transportierten. Die Funde, die sich unter den Arkaden verbergen, sind allerdings erheblich älter.

Der Archäologe Dieter Bischop, der für die Bremer Landesarchäologie arbeitet, ist vor allem über die Einzigartigkeit der freigelegten Objekte überrascht. "Es sind Dinge dabei, die noch nicht entdeckt wurden." So zeugten die Funde von einem religiösen Leben, das in Bremen sehr intensiv gewesen sein müsse. Auch verschiedene damals übliche Berufe und unterschiedliche Aspekte des mittelalterlichen Lebens an der Schlachte würden sich in den Objekten widerspiegeln.

Zehn Pilgerzeichen ragen heraus

Einiges stammt von Schiffen selbst, anderes zeugt vom Handel und Hafenleben im Mittelalter: Warenplomben, Tongefäße, Messer, Dolche, Angelhaken, Netzsenker und eine Reuse sind Relikte der Fischer an der Schlachte.

Durch diese Funde wird das Leben so was von deutlich, also ob es zum Greifen nah wäre.

Dieter Bischop, Bremer Archäologe

Als herausragend bezeichnet Bischop den Fund von zehn Pilgerzeichen. Sie wurden von mittelalterlichen Pilgern an damals weit entfernten Pilgerzielen wie zum Beispiel Aachen erworben.

Möglich geworden waren die Ausgrabungen, an denen auch viele ehrenamtliche Helfer teilgenommen haben, durch die Sperrung der Arkaden im Bereich der Tiefer. Denn dort sackt seit einiger Zeit die alte Hochwasserschutzwand ab und neigt sich langsam zur Weser. Die mit Sandstein verblendete Rückwand der 125 Meter langen Arkadenbogengänge bekommen daher seit November 2020 stückweise neue Betonfundamente.

Die jahrhundertealten, hölzernen Fundamentpfähle und Erdschichten darunter müssen dafür bis in eine Tiefe von 2,70 Meter aufgegraben werden. Dort wurden die jetzt präsentierten Funde gemacht. Die Grabungen und Forschungen dauern nur noch diese Woche an.

Archäologen stellen spannende Funde von der Arkaden-Baustelle vor

Video vom 1. September 2021
Ein Archäologe präsentiert Fundstücke die unter den Weser Arkaden in Bremen gemacht worden sind.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Orestis Skenderis Volontär
  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 1. September 2021, 15:15 Uhr