Angriff auf Bremer Bar: Besitzer fühlt sich von Polizei alleingelassen

Audio vom 18. August 2021
Ein Stehtisch mit antikem Fuß vor einer Balkontür
Bild: Dennis Rissmann
Bild: Dennis Rissmann

Ein Mann hatte Steine durch die Fenster einer Bar geworfen. Der Wirt berichtet von einer homophoben Tat und fühlt sich von der Polizei nicht ernst genommen. Die Polizei weist das zurück.

Am vergangenen Wochenende gab es in einer Bar in der Rembertistraße einen Polizeieinsatz: In der Nacht von Freitag auf Samstag warf ein Mann zwei Steine in die Fensterscheibe, in Kopf- und Sitzhöhe. Kurz darauf konnte die Polizei den 37-jährigen mutmaßlichen Täter stellen, mit weiteren Steinen in seinem Rucksack.

Homophober Hintergrund der Tat?

Verletzt wurde bei dem Angriff niemand – doch der Schock bei Mitarbeitenden und Besuchern und Besucherinnen der Bar war groß, sagt der Besitzer der Bar, Dennis Rissmann. Einer der Steine verfehlte einen Mitarbeiter nur knapp.

In der Kneipe treffen sich auch Schwule und Lesben. Barbesitzer Rissmann vermutet, dass die Bar deshalb angegriffen wurde. Schon in der Vergangenheit habe der mutmaßliche Täter den Besitzer und Kneipenbesucher und -besucherinnen bedroht und homophob beschimpft, so Dennis Rissmann. Damals sei die Polizei sofort gekommen und habe auch die Unterkunft des Mannes durchsucht.

Barbesitzer fühlt sich alleine gelassen

Anders wohl am vergangenen Wochenende: Laut Dennis Rissmann gab es nur einen Platzverweis für die nächsten zwölf Stunden, nachdem der Angreifer ihn vor den Augen der Polizei bedrohte. Das hat auch die Polizei gegenüber buten un binnen bestätigt.

Man fühlt sich im Stich gelassen vom Handling der Polizei. Man hätte das besser koordinieren können.

Dennis Rissmann, Barbesitzer

Für Rissmann geht das aber nicht weit genug. Er fühle sich nicht erst genommen – auch, weil es eben nicht das erste Mal gewesen sei, dass der Mann am Lokal mit Gewalt droht.

Polizei: "Haben Ermittlungen aufgenommen"

Bereits im Mai diesen Jahres kam es zu einem Polizeieinsatz, bei dem der 37-Jährige den 33-jährigen Barbesitzer und weitere Gäste der Bar beleidigte und bedrohte. Nach Angaben der Polizei hatte der 37-Jährige damals ausgesagt, dass er sich durch die laute Musik gestört gefühlt hat, die aus der Gaststätte zu hören war.

Bei der Tat im Mai hätten weder der Barbesitzer noch die weiteren Gäste den Einsatzkräften vor Ort von homophoben Beleidigungen berichtet oder die Vermutung geäußert, dass der 37-Jährige homophob handelte, so die Polizei. Auch beim aktuellen Angriff seien nach den aktuellen Erkenntnissen der Polizei keine Äußerungen getätigt worden, die auf eine homophobe Straftat schließen ließen. Deshalb ermittelt die Polizei auch nur wegen Sachbeschädigung und Beleidigung. Da natürlich nicht ausgeschlossen werden könne, dass dennoch ein homophober Hintergrund vorliegt, prüfe der Staatschutz den Sachverhalt und werde weitere Vernehmungen durchführen, um die Motive des Tatverdächtigen zu ermitteln.

Ermittelt wird aber auch gegen Barbesitzer Dennis Rissmann. Er soll die Beamten beim Einsatz als "Vollidioten" bezeichnet haben. Deshalb wurde gegen ihn Anzeige wegen Beleidigung erstattet.

Rissmann erklärte, er mache sich weiter Sorgen um sich selbst und seinen Laden – schließlich laufe der vermeintliche Täter noch frei herum.

Zu wenig Sensibilität bei der Polizei?

Ein generelles Problem, dass Schwule und Lesben bei solchen Hass-Taten alleine gelassen werden, sieht das Rat-und-Tat-Zentrum nicht. Der Verein kümmert sich um die Sorgen von Schwulen, Lesben und Transmenschen in Bremen. In diesem Fall sei aber wohl einiges in der Kommunikation schief gelaufen. Die Bremer Polizei wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu angehalten sind, bei derartigen Einsätzen besonders sensibel und besonnen zu handeln. Es gebe auch eine entsprechende Handlungsanweisung zur Bekämpfung homophober Straftaten. Seit 2014 gebe es außerdem einen eigenen Ansprechpartner für Lesben, Schwule, Trans- und Interpersonen. Auch in diesem Fall sei der Ansprechpartner informiert worden.

Autor

  • Mischa Wahed

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 18. August 2021, 10:45 Uhr