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Nach Attacke: Bremer AfD-Chef äußert sich

  • Frank Magnitz gibt buten un binnen Interview
  • AfD-Landeschef hat Krankenhaus auf eigene Verantwortung verlassen
  • Videoaufnahmen widersprechen AfD-Darstellung des Angriffs
Screenshot von Twitter zum Fall Magnitz

Im Interview mit buten un binnen berichtet Frank Magnitz, wie es zu der Version der AfD von dem Überfall in einem Durchgang des Theaters am Goetheplatz kam. Er selbst habe keinerlei Erinnerung an den Vorfall. "Das, was ich weiß, ist die Schilderung des Menschen, der mich da geweckt, aufgehoben und an die Wand gesetzt hat. Den ich dann in meiner Verwirrtheit gefragt habe, was denn überhaupt losgewesen ist, und der mir dann geschildert hat, was dort abgelaufen ist, dass da eben drei Leute hinter mir hergelaufen sind. Und der mir dann auch gesagt hat, da war wohl ein Kantholz mit im Spiel oder etwas anderes. Er wusste es selbst nicht so genau."

Magnitz sagte weiter, er gehe davon aus, dass man die AfD-Version des Tathergangs so beibehalten werde. Er selbst habe noch keine Gelegenheit gehabt, darüber nachzudenken, ob man die derzeitige Darstellung von der eigenen Website nehmen werde. In einer Mittelung ebenda bekräftigte die AfD Bremen nun noch einmal ihre Darstellung: "Nach derzeitigem Stand geht die AfD weiterhin von einem gezielten Angriff mittels einer Schlagwaffe gegen Herrn Magnitz aus! Dabei mag es eine untergeordnete Rolle spielen, ob es sich um ein Kantholz oder eine kantholzähnliche Waffe (Aussage des Bauarbeiters), einen Baseballschläger, Teleskopschläger, eine Eisenstande oder ein anderes "Schlagzeug" gehandelt hat."

Frank Magnitz mit großem Pflaster auf der Stirn

Videomaterial widerspricht AfD-Version der Tat

Magnitz hatte zuvor das Krankenhaus auf eigene Verantwortung verlassen. Nach ersten Vernehmungen und der Auswertung von Videomaterial, das den Angriff auf Magnitz zeigt, ermitteln die Behörden nach eigenen Angaben inzwischen nicht mehr wegen eines versuchten Tötungsdelikts, sondern wegen des Verdachts einer gefährlichen Körperverletzung. Auf dem ausgewerteten Videomaterial ist laut Bremer Staatsanwaltschaft zu sehen, wie sich drei Männer dem 66-jährigen Bundestagsabgeordneten im Durchgang zur Garage des Theaters am Goetheplatz von hinten nähern. Einer der Männer springe Magnitz plötzlich in den Rücken. Laut Staatsanwaltschaft stürzt der AfD-Politiker daraufhin zu Boden und zieht sich dabei eine Platzwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung zu.

Wir gehen davon aus, dass die gesamten Verletzungen allein dem Sturz geschuldet sind.

Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft

Die AfD Bremen hatte auf ihrer Website hingegen folgende Version geschildert: "Unser Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz ist am Montag von drei vermummten Männern angegriffen worden. Sie lauerten ihm vor dem Theater am Goetheplatz auf, als er den Neujahrsempfang des Weser Kuriers in der Kunsthalle verließ. Mit einem Kantholz schlugen sie ihn bewusstlos und traten weiter gegen seinen Kopf, als er bereits am Boden lag." Ob Magnitz konkrete Hinweise auf die Angreifer geben kann, ist fraglich. Der AfD-Politiker sagte buten un binnen, er könne sich nicht mehr an den Überfall erinnern. Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte Magnitz, dass es sich auch um einen Raubüberfall handeln könne.

Die Ermittler vermuten einen politischen Hintergrund, ermittelt aber in alle Richtungen. Die Polizei hat ein Hinweisportal für Hinweise zu der Tat freigeschaltet. Sie bittet darum, ab sofort Bilder und Videos vom Montag, 7. Januar 2019,  die etwa zwischen 16 und 18 Uhr im erweiterten Bereich des Goetheplatzes (Kunsthalle, Wallanlagen usw.) gemacht wurden, zur Verfügung zu stellen.

Video zeigt Attacke auf Magnitz

Foto des AfD-Landesverbandes auf der Facebookseite, das Frank Magnitz nach dem Angriff zeigt.
Die Bremer AfD veröffentlichte nach dem Angriff ein Bild von Frank Magnitz, das eine Kopfverletzung zeigt. Bild: AfD Bremen

Sofort nach der Attacke seien die Angreifer geflohen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft – nachgetreten haben die Angreifer demnach nicht. Eine Schlagwaffe sei auf den Bildaufnahmen nicht zu erkennen. Zwei Handwerker fanden den am Boden liegenden Magnitz nach Angaben der Polizei und riefen einen Rettungswagen. Mehrere Streifenwagen hätten umgehend nach den Verdächtigen gefahndet, allerdings niemanden gefunden.

Die Polizei hat am Dienstag unter Federführung des Staatsschutzes eine Sonderkommission gebildet und steht mit dem Bundeskriminalamt im Austausch. Gegenüber buten un binnen erklärte Magnitz: "Es hätte schlimmer kommen können, und die Ärzte meinten, dass es ein Wunder sei, dass es nicht schlimmer gekommen ist."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Januar 2019, 19:30 Uhr