Interview

"Es heißt freiwillig" – eine Doku über eine Zwangsausreise

Der 13-jährige Zijush ist in Bremerhaven gut integriert. Dann muss er zurück nach Mazedonien. Seine Mitschüler drehten einen Film darüber. So geht es Zijush heute.

Zwei junge Männer schauen über eine Stadt
Zijush und sein Freund Rebal in Skopje (Mazedonien). Mittlerweile ist Zijushs Familie wieder nach Deutschland gekommen. Sie haben einen Aufenthaltstitel als "Geduldete". Bild: privat

"Möglichst freiwillig" sollen ausreisepflichtige Menschen Deutschland verlassen – so hätte es die Bundesregierung gern. Und so gehen manche dann auch "freiwillig", bevor die Abschiebung kommt.

"Möglichst frewillig" ist auch der Titel eines Dokumentarfilms, den Bremerhavener Schüler mit Allegra Schneider und der Lehrerin Christine Carstens gedreht haben. Darin geht es um das Schicksal des 13-jährigen Zijush, der mit seiner Familie nach Mazedonien zurückkehren sollte – nach drei Jahren Aufenthalt in Deutschland und guter Integration.

Die Familie kehrte "freiwillig" zurück, hielt aber Kontakt zur Schule in Bremerhaven. Daraus und aus mehreren Reisen in die mazedonische Hauptstadt Skopje wurde ein Filmprojekt. Seine Geschichte hat der heute 14 Jahre alte Zijush buten un binnen erzählt.

Zijush, worum geht es in dem Film?
Es geht um eine Abschiebung – ich bin der Junge, der abgeschoben wurde. Meine Lehrerin und ein paar Journalisten versuchen, dass ich und meine Familie wieder nach Deutschland kommen können. Der Film beschreibt das und allgemein die Lage der Flüchtlinge. Es gibt ja Länder, die als sicheres Herkunftsland gelten. Aber wenn man sich selber ein Bild macht, dann ist das nicht mehr so sicher.
Wie hast Du Dich gefühlt, als Du gehört hast, dass Du aus Deutschland weg musst?
Wir waren ja drei Jahre hier, und dann mussten wir innerhalb von zwei Wochen weg. Das war ein Schock. Ich habe dann nicht realisiert, dass ich in Mazedonien bin. Ich habe mich jeden Morgen wieder gewundert: Was ist los?
Die Klassenkameraden konnten das ja auch nicht verstehen: Du bist gut integriert, sprichst fließend Deutsch. Konntest Du in irgendeiner Weise verstehen, dass Du plötzlich weg musstest?
Ja, mehr oder weniger. Das war früher auch meinem Vater passiert. Er wollte nicht, dass wir eine Abschiebung erleben. Darum war es eine "freiwillige Ausreise". Es war nicht freiwillig, aber es heißt so.
Vier Menschen sitzen in einem Studio
Zijush, sein Freund und Mit-Filmemacher Rebal, Lehrerin Christine Carstens und Radio-Bremen-Reporter Patrick Florenkowsky im Studio Bremerhaven.
Wie findest Du es, dass jetzt ein Film über Dich gemacht wurde?
Das ist zugleich gut und schlecht. Man wurde die ganze Zeit beobachtet, man war nicht so frei. Aber es hilft ja: Wir wollen den Leuten zeigen, was es heißt, in Ländern zu sein, wo man arm ist und man nichts zu Essen kriegt.
Ihr seid "freiwillig" ausgereist. Warum seid Ihr wieder zurückgekommen?
Wir waren ein Jahr in Mazedonien. Meine Eltern haben versucht zu arbeiten, aber es hat nichts geklappt. Da war die einzige Möglichkeit, wieder nach Deutschland zu kommen.
Nun lebt ihr hier als Geduldete. Besteht denn jetzt die Gefahr, dass ihr wieder ausreisen müsst?
Ja, die Gefahr besteht, aber wir versuchen es zu vermeiden.
Was erhoffst Du Dir von dem Film?
Ich hoffe, dass er die Leute beeinflusst und sie möglicherweise ihre Meinung zu diesem Thema ändern – zum Beispiel, wenn sie meinen, dass ein Land sicher ist. Ich hoffe, dass sie sich ein Bild davon machen, wie es wirklich ist
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 8. Mai 2018, 15:10 Uhr