Interview

Wie Bremer Kliniken die Hitze in den Griff kriegen wollen

Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. (Symbolbild)
Sollte es sehr heiß werden in den Kliniken, möchte die Geno den Patientinnen und Patienten besonders viel Flüssigkeit anbieten. Bild: DPA | Daniel Karmann

Bremens Kliniken rechnen mit zusätzlichen Patienten. Was aber, wenn es auch im Krankenhaus heiß wird? Ein Sprecher erklärt, wie die Geno Patienten schützt.

Einen Hitzeschutzschild "wenigstens für Pflegeheimbewohner, Krankenhauspatienten und besonders gefährdete Menschen" – das fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Analog dazu verlangt der Ärzteverband Marburger Bund nach einem nationalen Hitzeschutzplan. Dazu gehörten auch "Gebäude mit Raumtemperaturüberwachung" sowie kühle Aufenthalts- und Versorgungsbereiche, so Ärztepräsident Klaus Reinhardt. Er verweist darauf, dass Extremwetterlagen zunähmen – und viele Krankenhäuser darauf nicht eingestellt seien.

Rolf Schlüter, Pressereferent der Gesundheit Nord (Geno), sieht das zumindest für die Kliniken des kommunalen Bremer Klinikverbunds ein bisschen anders. Aus seiner Sicht sind die Geno-Krankenhäuser gut aufgestellt – jedenfalls für die kommenden heißen Tage.

Wie bereiten sich die Kliniken der Geno auf die Hitze der nächsten Tage vor?
Die Kliniken der Geno bereiten sich nicht gesondert auf die kommenden Tage vor. Das ist für Krankenhäuser Alltagsgeschäft – sowohl, was die klimatische Versorgung der Räume angeht als auch die Vorbereitung der Mitarbeiter. Wenn es sehr warm wird, werden wir den Mitarbeitenden ebenso wie den Patienten zusätzliches Wasser zur Verfügung stellen.
Patientenschützer fordern gewaltige Investitionen in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Wie sind die Kliniken der Geno vor Hitzeeinfall geschützt?
Alle Intensivstationen, alle wichtigen Behandlungsräume, alle Räume für besonders gefährdete Gruppen sind mit Klimaanlagen ausgestattet und vollständig klimatisiert: Da sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau geregelt – und zwar so, wie es für die Patientenversorgung am besten ist. Während etwa die Temperatur in den Operationssälen zum Teil bewusst kühler gehalten wird, wird die Temperatur in einigen Räumen der Geburtsvorbereitung hoch geheizt. Das kann für Frühgeborene vorteilhaft sein, einem Geburtsschock entgegen wirken. Außerdem ist die Luft in diesen klimatisierten Räumen sehr sauber. Sie wird gefiltert, um Keime fernzuhalten.

Aber wir klimatisieren nicht alle Räume. Es wäre wohl auch gar nicht gut. Für den Kreislauf wäre es schädlich, wenn sie immer wieder aus sehr großer Hitze in kalte Räume kämen und umgekehrt. Das muss man auch im Auge behalten, wenn die Temperaturen draußen sehr hoch sind.
Mann in Anzug mit Krawatte guckt für Foto in die Kamera
Rolf Schlüter glaubt nicht, dass die bevorstehenden heißen Tage die Kliniken der Geno vor besondere Probleme stellen werden. Bild: Gesundheit Nord | Kerstin Hase
Trotzdem fordern Patientenschützer ein "25-Grad-Ziel" für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Heißer als 25 Grad Celsius dürfe es dort nicht werden. Könnten die Kliniken der Geno eine solche Obergrenze einhalten?
Ich kann das jetzt nicht für jeden einzelnen Raum und für jede Situation versprechen, aber grundsätzlich: ja. Das hat im konkreten Fall natürlich damit zu tun, welche Möglichkeiten man hat, nachts zu lüften, eventuell mit Durchzug. Prinzipiell sind die Krankenhäuser aber darauf ausgerichtet.

Man muss sich jedoch entscheiden. Es gibt auch Kliniken, die vollständig klimatisiert sind. Aber: Da kann man dann nicht lüften. Denn wenn ich dort das Fenster aufmache, heizt die Klimaanlage gegen die heiße Luft von draußen an. Wir haben uns dagegen entschieden, alle Räume zu klimatisieren. Dafür haben wir beschichtete Fensterscheiben, die die Einstrahlung reduzieren. Dadurch erwärmen sich die Räume gar nicht erst so stark. Was aber natürlich kritisch wäre: Wenn es sehr lange sehr heiß werden sollte. Dann müsste man gucken, was man wie nachrüstet. Aber das, was jetzt auf uns zukommen soll, wird uns nicht in Schwierigkeiten bringen.

Ein paar Probleme hatten wir 2019, als der Neubau in Bremen-Mitte in Betrieb gegangen war. Denn damals war die Klimatechnik dort noch nicht eingeregelt, und nachts kühlte es zeitweise kaum ab. Das ist aber längst behoben.

Die meisten Leute sind bei Hitze zwar vernünftig. Es gibt aber auch immer welche, die die Hitze vielleicht gar nicht so sehr spüren, die keine Kopfbedeckung tragen, obwohl sie in der Sonne arbeiten müssen, die nicht genug getrunken haben, oder tagsüber trotz der Hitze Sport treiben

Rolf Schlüter, Pressereferent der Gesundheit Nord (Geno)
Noch länger war es im Rekordsommer 2018 heiß in Bremen. Was hat die Geno aus dieser Zeit gelernt, welche Maßnahmen sind zum Schutz der Patienten besonders wichtig?
Die Feuchtigkeit darf nicht hoch gehen. Denn bei hoher Luftfeuchtigkeit kann die Luft kaum noch zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen, so dass man selbst durch starkes Schwitzen kaum abkühlt. Dann müssen wir dafür sorgen, dass den Patienten viel Flüssigkeit zugeführt wird und auch Salze, beispielsweise durch Suppen – die man ja auch kalt servieren kann. Man muss ausgleichen, dass der Körper durch das Schwitzen viel Salz und Mineralstoffe verliert. Wir stellen den Ernährungsplan insgesamt um, bieten viele Salate und Kräutertees an, um sowohl die Mitarbeitenden als auch die Patienten zu schützen.

Wir beraten die Patienten dann auch. Erklären zum Beispiel, dass es gar nicht so gut ist, sehr kalte Getränke zu trinken oder besonders kalt zu duschen. Moderate Temperaturen sind besser, weil der Kreislauf durch starke Temperaturdifferenzen belastet würde. Man sollte die Sonne meiden, wenn es geht, sollte eine Kopfbedeckung in der Sonne tragen und nachts lüften, um die Temperatur in den Räumen wieder runter zu kriegen. Tagsüber hält man die Fenster dann wieder möglichst geschlossen. Im Krankenhaus haben wir bei einer drohenden Hitzewelle den Vorteil, dass wir 24 Stunden im Dienst sind und wissen, wann welche Fenster geöffnet werden müssen, damit Durchzug herrscht und die Temperaturen im Gebäude wieder runter gehen.
Rechnen Sie mit zusätzlichen Patienten etwa aufgrund von Hitzschlägen, und wie behandelt man solche Patienten?
Ja. Das haben wir auch schon oft gehabt bei hohen Temperaturen. Patienten mit Hitzekrampf und Hitzschlag. Die meisten Leute sind bei Hitze zwar vernünftig. Es gibt aber auch immer welche, die die Hitze vielleicht gar nicht so sehr spüren, die keine Kopfbedeckung tragen, obwohl sie in der Sonne arbeiten müssen, die nicht genug getrunken haben, oder tagsüber trotz der Hitze Sport treiben.
Meistens ist die Behandlung nicht kompliziert: Man muss den Leuten viel Flüssigkeit zuführen. Mitunter ist es aber dann doch nicht so einfach. In solchen Fällen hilft eine Infusion.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Juli 2022, 19.30 Uhr