Interview

Wie gelingt ein Miteinander von Fußgängern, Autos und Radfahrern?

Zwei Frauen laufen mit einem Kinderwagen auf der für Fußgänger und Radfahrer teilweise gesperrten Stephaniebrücke in Bremen.

Wie sicher sind Fußgänger im Straßenvekehr?

Bild: dpa | Mohssen Assanimoghaddam

In Bremen und Bremerhaven legen die Menschen ein Viertel ihrer Wege zu Fuß zurück. Rund 480 Fachleute diskutieren darüber, wie die Fußwege besser werden können.

Unter dem Motto "Fußverkehr – ohne geht nichts" treffen sich 480 Expertinnen und Experten zum Thema Fuß-Verkehr. "Der Fuß-Verkehr ist die am meisten unterschätzte Verkehrsart", sagte im Vorfeld Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Doch worum geht es genau? Darüber hat Bremen Eins hat mit Michael Frehn von Planersocietät gesprochen, der den Kongress im Auftrag der Senatsverwaltung vorbereitet hat.

Ist es für Fußgänger sicherer oder unsicherer geworden in den letzten Jahren?

Für Fußgänger ist es an sich objektiv sicherer geworden. Die Verkehrunfallzahlen und die Zahl der Verkehrstoten gehen bei den Fußgängerinnen und Fußgängern zurück. Wobei das subjektiv noch mal unterschiedlich sein kann. Es gibt ja viele Beeinträchtigungen, wo man wahrnimmt, dass der Fußweg vielleicht unsicher ist, weil die Gehwege zugeparkt sind, weil die Ecken zugestellt sind. Und das sind immer Probleme, die dazu führen, dass vielleicht nicht ein Unfall passiert, aber dass man sein Kind nicht zu Fuß zur Schule schicken möchte, sondern es mit dem Auto oder dem Fahrrad bringt.

Wie hat es Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer gesagt: 'Rund ein Viertel aller Wege wird in Bremen komplett zu Fuß zurückgelegt.' Das ist wirklich eine große Strecke. Wie sieht das aus im Umland aus, auf dem Land, für Menschen, die nicht in Städten wohnen?

Das betrifft beides: Es wird ja zu Fuß gegangen in der Stadt und auf dem Land. Das ist – wir sagen immer – eine Basismobilität. Das heißt, jeder Weg, ob zur Haltestelle, zum geparkten Auto, oder wo auch immer, beginnt und endet ja auch mit einem Fußweg. Deshalb ist es letztendlich immer eine Kombination. Ein Viertel der Fußwege in der Stadt werden zu Fuß erledigt, auf dem Land ist natürlich etwas geringer. Aber auch dort gibt es ja Wege zu Einkaufsmöglichkeiten, zu Schulen, oder zu Kindergärten und dementsprechend wird auch dort zu Fuß gegangen. Und im Freizeitbereich ist gerade durch Corona deutlich geworden, dass es einen Bedarf gibt, sich zu bewegen, spazieren zu gehen.

Ist eigentlich auch die Qualität von Fußwegen ein Thema bei einem solchen Kongress?

Die Qualität ist das Entscheidende, also Sicherheit und Qualität für attraktive Wege. Das sind die zwei wichtigsten Faktoren. Natürlich spricht noch Aufenthaltsqualität eine Rolle, also wie fühle ich mich auch wohl? Wir wissen: Wir gehen dort zu Fuß und gerne zu Fuß, wo es angenehm ist, aber an einer stark belasteten Straße gehen wir nicht gerne zu Fuß. Das wird jeder nachvollziehen können.

Die Fahrradfahrer haben in den letzten Jahren eine große Lobby bekommen, da wird auch immer mehr getan, wie in Bremen die Premiumroute. Kann eine Fahrradstadt gleichzeitig auch eine Fußgängerstadt sein?

Das macht Bremen zurzeit vor. Bremen hat viel im Radverkehr in den letzten Jahren gemacht, aber auch im Fußverkehr. Insofern kann Fahrradstadt auch Fußgängerstadt sein. Aber es gibt natürlich auch Probleme zwischen Rad- und Fußverkehr. Das ist aber oftmals ein Problem der gemeinsamen Führung. Wir werden auf dem Kongress auch ein paar Lösungen präsentieren, wie man jedem seinen Raum geben kann und sowohl Fuß- als auch Radverkehr machen kann. Ich denke, beides ist eine sehr gute und attraktive Möglichkeit, sich in der Stadt fortzubewegen.

So hitzig ging es bei der Debatte ums Gehweg-Parken zu

Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Britta Uphoff
    Britta Uphoff

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 18. April 2023, 8:40 Uhr