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Corona- und Grippewelle gleichzeitig? Bremer Senatorin rät zur Impfung

Mann in Schutzkleidung impft eine Frau

Corona- und Grippewelle gleichzeitig? Bremer Senatorin rät zur Impfung

Bild: DPA | Inderlied/Kirchner-Media

Die Corona-Zahlen steigen, zudem drohe eine Grippewelle, mahnt Bundesgesundheitsminister Lauterbach. Auch Senatorin Bernhard und Epidemiologe Zeeb empfehlen die doppelte Impfung.

"Doppelter Schutz ist schlau": Mit diesen Worten versucht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf Twitter Über-60-Jährige davon zu überzeugen, dass sie sich in einem Rutsch gegen die Grippe und ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen sollten. Denn momentan baue sich eine "kombinierte Welle" beider Infektionskrankheiten in Deutschland auf. Tatsächlich liegt in Bremen und Bremerhaven die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Infizierten schon fast wieder bei 800. Die Corona-Stationen in den Kliniken melden volle Betten. Zugleich klagen laut Robert Koch-Insitut derzeit viele Bremer und Niedersachsen über Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Fieber.

Vor diesem Hintergrund rät auch Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) Risikogruppen zur Kombination aus Grippe- und Coronaimpfung. "In den vergangenen beiden Jahren hatten wir aufgrund der geltenden Hygieneregeln sehr wenig Grippefälle", sagt die Senatorin. Diesen Herbst und Winter aber werde es weniger Schutzmaßnahmen geben. Dadurch steige nicht nur das Risiko, sich mit Corona zu infizieren, sondern auch das, sich eine andere Infektionskrankheit einzufangen. Sie appelliere daher an alle Bremerinnen und Bremer, sich in diesem Jahr sowohl gegen Corona, als auch gegen das Grippevirus impfen zu lassen – gerade diejenigen, die zur Risikogruppe zählten. Wie groß aber ist das Infektionsrisiko wirklich?

Müssen sich die Bremerinnen und Bremer wirklich, wie von Karl Lauterbach befürchtet, auf eine gleichzeitige Grippe- und Coronawelle gefasst machen?
Auszuschließen sei eine derartige gleichzeitige Grippe- und Coronawelle nicht, sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb: "Der Winter bringt immer Viren mit sich. Die Warnung von Herrn Lauterbach ist daher berechtigt." Die Corona-Infektionszahlen gingen zudem schon seit längerem nach oben. Dass sie mit zunehmender Kälte weiter steigen würden, sei so gut wie sicher.

Ob und inwiefern aber tatsächlich demnächst eine Grippewelle hinzukommen wird, ist laut Zeeb trotz der vielen Menschen, die gerade über Erkältungsbeschwerden klagen, nicht absehbar: "Dafür müsste man in die Glaskugel gucken können", sagt der Wissenschaftler.
Kann man Corona und die Grippe zugleich bekommen?
Der Epidemiologe und Arzt Hajo Zeeb hält es zwar theoretisch für möglich, dass man an beiden Krankheiten zugleich erkrankt. "Das ist aber unwahrscheinlich", fügt er hinzu. Eine kürzlich Im "Journal for Virology" erschienene Studie des Instituts für Mikrobiologie der New York University stützt diese Einschätzung Zeebs. Anhand von Versuchen mit Hamstern kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass das Grippe-Virus die Vermehrung von Coronaviren behindert.
Karl Lauterbach und Claudia Bernhard empfehlen Risikogruppen, sich in einem Rutsch die vierte Corona-Impfung und eine Grippe-Impfung geben zu lassen. Doch: Ist das überhaupt so einfach möglich? Und was sagt Epidemiologe Hajo Zeeb dazu?
Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Bremen ist es grundsätzlich kein Problem, sich bei ein- und demselben Arztbesuch sowohl gegen Corona als auch gegen die Grippe impfen zu lassen. Die meisten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte seien auch darauf eingestellt, beide Impfungen nacheinander zu verabreichen, sagt KV-Sprecher Christoph Fox und ergänzt: "Natürlich sollte jeder Patient vorher mit dem Arzt besprechen, welche Impfungen bei ihm sinnvoll und notwendig sind."

Epidemiologe Hajo Zeeb findet, dass, der Stiko-Empfehlung entsprechend, grundsätzlich alle über 60-Jährigen vierfach gegen Corona geimpft sein sollten – und zusätzlich gegen die Grippe. "Ich würde aber auch Unter-60-Jährigen normalerweise nicht von der Grippe-Impfung abraten", sagt der Wissenschaftler.
Lange kam die Kampagne für die vierte Corona-Impfung bundesweit nur schwer in die Gänge. Was ist der aktuelle Stand bei der vierten Corona-Impfung?
Laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums waren am 12. Oktober 10,3 Prozent der deutschen Bevölkerung vierfach gegen Corona geimpft. In Bremen lag ihr Anteil bei 16,1 Prozent. Nur in Schleswig-Holstein ist der Anteil der vierfach Geimpften in der Bevölkerung noch höher als im Land Bremen, er liegt dort bei 18,6 Prozent.

Dazu muss man wissen: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt derzeit nur Über-60-Jährigen und anderen Risikogruppen zwei Corona-Auffrischungsimpfungen, also vier Impfungen insgesamt. Für die übrige Bevölkerung reichen nach Auffassung der Stiko drei Corona-Impfungen.

Unter den Über-60-Jährigen waren bundesweit laut Impfdashboard am 12. Oktober 28,2 Prozent vierfach gegen Corona geimpft. Im Land Bremen waren es laut Robert Koch-Institut 43,8 Prozent. Damit lag Bremen in diesem Ranking bundesweit auf Platz zwei hinter Schleswig-Holstein mit einer Quote von 49,9 Prozent vierfach geimpfter Über-60-Jähriger.

Zeeb: "Die Sommerwelle ist mit Blick auf den Winter ein Warnschuss"

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 13. Oktober 2022, 7:40 Uhr