Interview

"Das macht Mut": Bremerhavens "Omas gegen Rechts" feiern 5. Geburtstag

Eine Gruppe von älteren Frauen hält Plakate mit der Aufschrift "Omas gegen Rechts" in den Händen.

"Das macht Mut": Bremerhavens "Omas gegen Rechts" feiern 5. Geburtstag

Bild: Andrea Türk

Seit Ende 2018 gehen die Omas in Bremerhaven und umzu auf die Straße. Anfangs noch belächelt fühlen sich die Aktivistinnen immer mehr ernst genommen — auch von der rechten Szene.

Frau Türk, wie kam es zur Gründung der Gruppe?

Erstmals aufmerksam geworden bin ich auf die "Omas gegen Rechts" über Facebook. Ich bin dann der Bremer Gruppe beigetreten und war auf einer großen Demo gegen Rechts in Bremen, wo ich die Omas kennengelernt habe — und total beeindruckt war. Danach habe ich eine eigene Facebook-Gruppe gegründet. Und schon im Dezember 2018 hatten wir unsere erste Aktion mit einem Infostand auf dem Beverstedter Regiomarkt. Bei unserem ersten Regionalgruppen-Treffen in Bremerhaven waren dann gleich 20 Frauen dabei – was mich damals total umgehauen hat.

Wie setzt sich die Gruppe zusammen? Sie selbst sind ja keine "biologische Oma", wie Sie sagen.

Unser harter Kern besteht aus zwölf bis 15 Frauen, die aus allen Teilen der Gesellschaft kommen. In unserer Gruppe bin ich die Jüngste, während unsere älteste Oma zwar schon 89 Jahre alt ist, aber weiter zu den aktivsten Mitgliedern gehört. Wir haben zudem viele Sympathisantinnen und Sympathisanten, bei größeren Aktionen und Demos nehmen also mehr Leute teil. Und sowieso kann jeder Mensch — egal ob Nicht-Oma, männlich oder divers — bei uns mitmachen, denn "Omas gegen Rechts" ist vor allem eine Einstellung.

Für was gehen Sie auf die Straße?

Wir setzen uns für die Erhaltung der Demokratie, für die Grundrechte und für ein friedliches Miteinander ein. Das machen wir zum Beispiel, indem wir vor Wahlen Flyer verteilen und die Leute auffordern, wählen zu gehen, oder indem wir recherchieren und aufklären über rechte Parteien und Vereine. Wir putzen aber auch Stolpersteine und unterstützen "Fridays for Future", sind also vielfältig aktiv.

Hat sich die Wahrnehmung der "Omas gegen Rechts" im Laufe der Jahre gewandelt?

In der ersten Zeit wurden wir vor allem belächelt. Viele junge Leute fanden uns toll, doch dass wir was bewegen können, hatten die Leute nicht so auf dem Schirm. Es wurde zwar geschmunzelt und es gab oft einen Daumen hoch. Aber wir hatten schon das Gefühl, dass wir nicht so richtig ernst genommen wurden — gerade von den Rechten.

Gesprühte Parole: Geht Wählen! Wählt demokratisch!
Mit einer Graffiti-Aktion forderten die "Omas gegen Rechts" im vergangenen Jahr die Bremerhavener Bürger zur Beteiligung an der Bundestagswahl auf. Bild: Andrea Türk

Seit zwei, drei Jahren ist das aber anders. Im Netz sehen wir regelmäßig, dass Fotos von uns in einschlägigen Foren auftauchen, darunter Stränge von unsäglichen Kommentaren. Damit können wir aber gut umgehen, denn das zeigt ja, dass wir wahrgenommen werden.

Was haben die "Omas gegen Rechts" insgesamt in den vergangenen fünf Jahren erreicht?

Wenn ich die aktuellen Wahlergebnisse sehe, denke ich mir: "Oha! Das hatten wir uns anders vorgestellt und gewünscht." Auf der anderen Seite sehe ich aber, dass wir "Omas gegen Rechts" und auch andere Initiativen immer mehr Zuspruch bekommen. Die Leute scheinen also doch langsam aufzuwachen und stehen auf. Das macht dann wieder Mut.

Warum braucht es die "Omas gegen Rechts" in Bremerhaven und umzu auch in den kommenden mindestens fünf Jahren?

3 Frauen mit "Omas gegen Rechts"-Warn-Westen auf dem Weg zu einer Aktion.
Sind noch lange nicht am Ziel: Die "Omas gegen Rechts" aus Bremerhaven und Umzu. Bild: Andrea Türk

Weil die Rechten zunehmend erstarken. Die AfD schmiert den Leuten Honig ums Maul, verspricht ihnen irgendwelche Sachen und verleugnet immer noch die Klimakrise, obwohl man davor die Augen einfach nicht mehr verschließen kann.

Darüber informieren wir und wir hoffen, dass wir noch weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden, damit wir uns noch breiter aufstellen können. Wir könnten so viele Sachen erreichen, sind aber leider noch zu wenige — zumal man ja auch sehen muss, dass wir leider nicht jünger werden (lacht).

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 29. November 2023, 9:15 Uhr