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Bremer Verbraucherschützer warnen vor teuren Bausparverträgen

Beratering zeigt das Modell eines Eigenheimes, daneben liegt ein umgekipptes Glas mit Münzen
Wegen hoher Bauzinsen wächst die Nachfrage nach Bausparverträgen. Doch die Verbraucherzentrale Bremen hält nichts davon. Bild: DPA | Zoonar/Niall Wiggan

Bausparverträge sind wieder im Kommen. Viele sehen darin wegen steigender Bauzinsen eine Alternative. Doch laut Verbraucherzentrale Bremen geht die Rechnung oft nicht auf.

Die Bauzinsen sind seit Jahresbeginn immer weiter in die Höhe geklettert. Je nach Dauer der Sollzinsbindung liegen sie laut Kreditvermittler Interhyp derzeit bei rund 3,3 bis 3,7 Prozent. Zum Vergleich: Noch im Januar betrugen die Bauzinsen Interhyp zufolge selbst bei Zinsbindungen von 20 Jahren weniger als 1,5 Prozent.

Zu den Profiteuren zählen die Bausparkassen. So verzeichnet die LBS West ein deutliches Plus beim Neugeschäft mit Bausparverträgen. Für die Stadt Bremen lag es mit einer Bausparsumme von 26,9 Millionen Euro in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres bei etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die LBS Bayern vermeldet gar Zuwächse von 80 Prozent im Neubaugeschäft mit Bausparern. "Einmal abgeschlossen, stehen die Zinsen von Anfang bis Ende der Finanzierung fest. Hier gibt es auch nach zehn oder 20 Jahren keine bösen Überraschungen", hebt Frank Feddermann von der LBS West Vorzüge von Bausparverträgen hervor.

Doch anders als die Bausparkassen, die mit Bausparverträgen Geld verdienen, rät die Verbraucherzentrale Bremen grundsätzlich von Bausparverträgen ab. Das sind ihre Gründe:

Was ist die Idee hinter einem Bausparvertrag, und was daran ist aus Sicht der Verbraucherzentrale Bremen schlecht?
Die Landesbausparkasse West, die auch für die Stadt Bremen zuständig ist, erklärt das Prinzip des Bausparens so: "Angenommen, zehn Bauwillige benötigen für ihre Bauprojekte je 50.000 Euro. Jeder spart ein Zehntel der Summe pro Jahr. Legen alle zehn ihr Geld in einen Topf, kann der erste schon nach einem Jahr loslegen und sein Eigenheim mit einem zinsgünstigen Bauspardarlehen erwerben. Ein Kreislauf entsteht, denn der Bausparer zahlt die Tilgung seines Kredits zurück in den gemeinsamen Geldtopf. Daher kann der zweite Bauwillige schon im zweiten Jahr seine Immobilie erwerben. Der letzte muss aber keine zehn Jahre warten, denn schließlich kommen ständig neue Bausparer zu der Gemeinschaft hinzu."

Dafür aber, dass es tatsächlich so kommt wie in diesem idealtypischen Fall der LBS, gebe es keine Garantie, bemängelt Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen. Er wertet es nicht als positiv, sondern findet eher problematisch, dass sich Bausparer in einem geschlossenen System bewegen: "Wenn weniger Leute einzahlen als gedacht, kann es sein, dass eine versprochene Zuteilung in fünf, sechs oder sieben Jahren nicht passiert, weil zu wenig Kapital da ist. Die Zuteilungsreife ist nicht garantiert." Tatsächlich räumt auch die LBS ein: "Als Darlehen zahlen die Kassen nur Geldmittel aus, die ihre Kunden zuvor als Guthaben aufgebaut haben."
Welche Einwände hat die Verbraucherzentrale Bremern außerdem gegen Bausparverträge?
Früher seien Bausparverträge nicht nur deswegen beliebt gewesen, weil sich die Bausparer damit – zumindest auf den ersten Blick betrachtet – ein zinsgünstiges Darlehen zum Bauen hätten sichern können, sagt Roland Stecher. Die Bausparverträge seien außerdem populär gewesen, weil die Bausparer in der Ansparphase einen hohen Sparzins bekommen hätten. "Der Bausparvertrag wurde als Sparvertrag gesehen – trotz der Abschlusskosten", fasst Stecher zusammen.

Derzeit aber liege der Sparzins nahe der Null-Prozent-Marke. Trotzdem werde durch den Abschluss des Bausparvertrags eine Provision in Höhe von derzeit etwa 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme fällig. Diese werde von der ersten Spareinlage abgezogen. Stecher spricht daher von einem "Verlustgeschäft" für den Bausparer, dass selbst durch einen niedrigen Darlehenszins, den der Bausparvertrag sichern soll, kaum wettgemacht werden könne.
Für wen kann sich der Abschluss eines Bauvertrags trotz aller Bedenken lohnen?
"Charmant" werde der Bausparvertrag erst, wenn er mit einer staatlichen Förderung einher gehe: beispielsweise mit der Arbeitnehmersparzulage oder mit einer Wohnungsbauprämie: "Dann kriegt man einen Zuschuss", so Stecher. Ob sich der Bausparvertrag deswegen aber wirklich lohne, müsse man immer noch genau durchrechnen.
Was für eine Alternative zum Bausparvertrag schlägt die Verbraucherzentrale Bremen vor?
"Ein normales Annuitätendarlehen ist transparenter und nicht so kostenintensiv wie ein Bausparvertrag", sagt Stecher. Zwar stiegen die Zinsen gerade an. Im Langzeitvergleich aber seien Annuitätendarlehen, also Tilgungsdarlehen mit konstanten Rückzahlungbeträgen, immer noch recht günstig. Zahlen des Kreditvermittlers Interhyp zufolge liegt der Bauzins für ein Darlehen mit einer zehnjährigen Laufzeit derzeit (Juli 2022) bei 3,35 Prozent. Noch im Januar hatte er bei einem Prozent gelegen.

Bremerinnen und Bremern, die mittel- und langfristigen sparen wollten, empfiehlt die Verbraucherzentrale indexgebundene Fonds. Das sind passive Investmentfonds, die einen bestimmten Index, etwa den DAX, nachbilden. Dabei werden die Wertpapiere der Unternehmen in der Höhe, die dem Anteil im Index entspricht, erworben. "Da hat man wesentlich weniger Kosten als bei aktiv gemanagten Fonds", erklärt Stecher. Die Rendite liege bei etwa 4 Prozent. Auch die Risiken seien relativ gering, weil weit gestreut.

Das rät ein Bremer Immobilienexperte angesichts explodierender Preise

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Juni 2022, 19:30 Uhr