Bremens Grün-Gold ist einsame Tanz-Spitze – die Konkurrenz fehlt

Kleiner Patzer, kein Problem: Grün-Golds Final-Choreo in voller Länge

Bild: Radio Bremen | Petra Philippsen

Mit großem Vorsprung holte sich die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs den 17. Deutschen-Meister-Titel. Doch das Finale zeigte, wie schwierig es ist, wenn der echte Druck fehlt.

Und dann war es doch passiert. Mitten im Finale gab es einen Schreckmoment für die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs (GGC). Beim sogenannten "Stirring pot", wenn die Tänzerinnnen in der Hocke sitzend von ihrem Tanzpartner mit dem Arm gedreht werden, so wie man mit einem Kochlöffel im Topf herumrührt – da rutschte eine der acht Bremer Tänzerinnen weg.

"Fehler passieren immer mal", sagte Trainer Roberto Albanese hinterher, "sie haben sich einmal kurz vergriffen, aber waren danach sofort wieder drin. Das Gesamtbild der Mannschaft trübt es nicht."

Riesen-Vorsprung von 3 Punkten

Die Lateinformation des Bremer Grün-Gold-Clubs bei einer Pose der Choreografie "Emozioni 2022" in der Bremer Stadthalle.
Wieder obenauf: Der Grün-Gold-Club war beim Heimspiel in Bremen nicht zu schlagen. Bild: Waldemar Quella

Und das Gesamtbild der Bremer war bei dieser Deutschen Meisterschaft, dass Grün-Gold in seiner eigenen Liga tanzt. Nach dem 12. WM- und dem 5. EM-Titel in diesem Jahr holte sich der GGC in der heimischen Stadthalle auch noch zum 17. Mal die DM-Trophäe. Die Lateinformation ist derzeit einsame Spitze – doch ein bisschen mehr Druck der Konkurrenz hätte den Bremern bei diesem Turnier gut getan.

Trotz des Ausrutschers im Final-Durchgang bekam Grün-Gold für "Emozioni 2022" in allen vier Wertungskategorien die höchsten Punkte des Abends mit insgesamt 34,67 Punkten – und hatte damit einen riesigen Vorsprung von drei Punkten auf die TSG Bremerhaven, die Zweiter wurde.

Es ist nie selbstverständlich, dass man gewinnt. Die Vor- und Zwischenrunde waren sensationell, im Finale hatten wir den Patzer drin. Aber ich bin absolut zufrieden.

GGC-Coach Roberto Albanese bei butenunbinnen.de

"Die Mannschaft muss sich selbst fordern"

Die Lateinformation des Bremer Grün-Gold-Clubs bei einer Pose der Choreografie "Emozioni 2022" in der Bremer Stadthalle.
Die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs hat mit "Emozioni 2022" alle Titel abgeräumt. Bild: Waldemar Quella

Seit die Formation des TSZ Velbert vor einem Jahr nach der DM überraschend seinen Rückzug erklärt hatte, haben die Bremer auf nationaler Ebene ihren härtesten Konkurrenten verloren. Und damit jene Formation, die sowohl Albanese als Choreografen immer wieder zu neuen Höchstleistungen mit Antrieb, als auch der GGC-Mannschaft jenes Maß an Anspannung und Ungewissheit gab, die sie für sich selbst nur schwer erzeugen können.

Nach den beiden sehr starken, überlegenen ersten Durchgängen, war im Finale deutlich ein leichter Spannungsabfall in der Bremer Mannschaft zu sehen. Denn den Kopf zu überzeugen, noch einmal das absolut höchste Level geben zu müssen, wenn das Unterbewusstsein doch weiß, dass die Konkurrenz keine Gefahr ist, ist enorm schwer. Aber Albanese sieht sein Team da in der Pflicht.

Natürlich ist es wichtig, dass die anderen Mannschaften nachlegen. Aber so eine Mannschaft muss auch verstehen, wenn sie auf so einem Level tanzt, dass sie sich selbst immer stärker fordern muss, damit sie nicht nachlässig wird.

GGC-Coach Roberto Albanese bei butenunbinnen.de

Nur eine Woche Pause für Grün-Gold

Albanese verlangt stets sehr viel von seinen Hobby-Tänzerinnen und Tänzern, die sich vom Erfolgscoach neben ihren Hauptberufen zu Höchstleistungen antreiben lassen. Alle verfolgen diesen Tanzsport mit großer Leidenschaft, Schweiß und Einsatz, verdienen können sie mit ihm nichts.

Dass sie mit "Emozioni 2022" nun alle Titel abgeräumt haben, ist aber kein Grund zu verschnaufen. Seit anderthalb Jahren tanzt die Formation ohne große Pause quasi durch – nach dieser DM gewährt ihnen Albanese zumindest eine freie Woche. Dann geht die Vorbereitung auf den Bundesliga-Start im Januar direkt los.

Erste Ideen für die neue Choreografie

Das Trainer-Ehepaar Uta und Roberto Albanese betreten gemeinsam mit der Lateinformation des Grün-Gold-Clubs das Parkett.
Das Ehepaar Uta und Roberto Albanese trainiert die Lateinformation gemeinsam. Bild: Waldemar Quella

Auch dort ist Grün-Gold dann wieder haushoher Favorit, doch es gibt für das Team einen neuen Anreiz: Mit dem Bundesliga-Sieg die Qualifikation für die WM in Hongkong zu schaffen. Parallel spielt Albanese im Kopf schon erste Ideen für die neue Choreografie durch, die dann im Frühjahr einstudiert wird.

Und obwohl das das "Emozioni 2022" nur schwer möglich scheint, dürfte der Erfolgscoach die Latte mit der nächsten Choreografie wieder ein Stück nach oben drücken. Stillstand gibt es auf der Tanzfläche nicht. Es ist einsam an der Spitze für den Grün-Gold-Club. Und es sieht danach aus, als würde das noch eine ganze Weile so bleiben.

Das Final-Ergebnis der Lateinformationen:

PlatzTeamChoreografiePunkte
1.Grün-Gold-Club Bremen AEmozioni 202234,67
2.TSG Bremerhaven ATime Machine31,63
3.Blau-Weiß Buchholz AMade to love30,59
4.TSG Bietigheim ADance is life28,17
Aus nach der Zwischenrunde:
Latin Team Kiel ADreams
TSC Schwarz-Gelb AachenMy first love
Aus nach der Vorrunde:
TSC Residenz Ludwigsburg AChange
FG Rhein-MainPhysical

Das Finale der DM der Lateinformationen zum Nachschauen

Bild: Tanzsportbilder.de | Waldemar Quella

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Dieses Thema im Programm: Radio Bremen Fernsehen, Sportclub live, 12. November 2022, 22:30 Uhr