100 Jahre Trautmann: Das müssen Sie über den Bremer Torwart wissen

Der Bremer Bert Trautmann war einst ein Soldat der Wehrmacht und wurde später in England eine Fußballlegende. Heute hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

1 Vom Stürmer zum Torwart

Bert Trautmann wurde 1923 in Bremen-Walle geboren. Als der VSK Gröpelingen, heute Tura Bremen, 1931 eine Fußballabteilung gründete, gehörte der damals Achtjährige zu deren ersten Spielern. Niemand ahnte jedoch, dass er es einst als Torhüter zu Weltruhm bringen würde. Zumal er zunächst im Mittelfeld spielte – später sogar im Sturm.

Bert Trautmann (kniend 2. von rechts), Jugendbild aus den 1930er Jahren
Bert Trautmann (kniend 2. von rechts), spielte seit 1931 beim heutigen Verein Tura Bremen – als Mittelfeldspieler. Bild: Tura Bremen

Dies änderte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Freiwillig hatte sich der 17-Jährige 1941 als Fallschirmjäger bei der Luftwaffe gemeldet. Er kam schließlich als Funker an die Ostfront, nach drei Jahren wurde er als Feldwebel an die Westfront abkommandiert. Dort desertierte er kurz vor Kriegsende. Auf dem Weg zurück in seine Heimatstadt Bremen geriet er jedoch in britische Gefangenschaft.

In seinem Gefangenenlager in England wurde regelmäßig Fußball gespielt. Trautmann spielte auch dort zunächst im Mittelfeld. Als sich eines Tages kein Torhüter fand, rief einer der Mitgefangenen ihm zu: "Langer, geh' du ins Tor!"

2 Vom Krankenbett zu Manchester City

Als sein Gefangenenlager 1949 geschlossen wurde, entschied sich Trautmann, in England zu bleiben. Als Torwart spielte er für den Provinzclub St. Helens Town in der Nähe von Liverpool. Dabei erregten seine Paraden solches Aufsehen, dass bald Clubs der Ersten Liga auf ihn aufmerksam wurden. So fragten der FC Arsenal, Tottenham Hotspur, der FC Everton, Manchester United und Manchester City bei ihm an.

Dass der Bremer schließlich bei Manchester City unterschrieb, war allerdings alles andere als eine Kopfentscheidung. Denn, so verriet es Trautmann später in einem Interview, die City-Verantwortlichen hätten plötzlich vor seiner Tür gestanden, während er mit Grippe im Bett gelegen habe. Er habe sie einfach nur loswerden wollen – und daher den Vertrag unterschrieben. "Von dem Tag an war ich ein Citizen", so Trautmann.

3 Von "Traut the Kraut" zum Genick der Nation

Als Torhüter von Manchester City hatte Trautmann wegen seiner Wehrmachts-Vergangenheit zunächst mit Anfeindungen zu kämpfen. "Traut the Kraut" waren in dieser Zeit noch die freundlicheren Rufe von den Tribünen. Doch der deutsche Torwart überzeugte die Fans schließlich durch sein anständiges Verhalten und seine Leistungen auf dem Rasen. Einen Namen machte er sich dadurch, dass er oft aus dem Tor herausstürmte und sich auf den Ball warf.

Dave Ewing von Manchester City prüft den Zustand des Torhüters Bert Trautmann, nachdem er schwer verletzt wurde. Später stellte sich heraus, dass Trautmann sich den Hals gebrochen hatte.
Bert Trautmann liegt schwer verletzt mit einem Halswirbelbruch im Wembley-Stadion – spielt später aber weiter. Bild: PA Archive

Bei einer dieser Aktionen kam es 1956 im Pokalfinale vor rund 100.000 Zuschauern im Wembley-Stadion fast zur Katastrophe. Trautmann warf sich am Fünftmeterraum in eine flache Hereingabe und wurde dabei von einem Stürmer des Finalgegners Birmingham City mit dem Knie im Nacken getroffen. Er spielte danach weiter und sein Team gewann mit 3:1. Erst nach dem Spiel stellte sich heraus, dass er sich das Genick gebrochen hatte. In England wurde er daraufhin zum Helden und im selben Jahr als erster Ausländer zum Fußballer des Jahres gewählt.

Trautmann selbst verriet jedoch in späteren Jahren: Wenn er gewusst hätte, wie schlimm es um ihn während der Partie stand, hätte er niemals weitergespielt.

4 Vom Traum, für das Nationalteam zu spielen

Obwohl er in seiner großen Zeit als einer der besten Torhüter der Welt galt, erhielt Bert Trautmann nie eine Berufung in die deutsche Nationalelf. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der damalige Bundestrainer Sepp Herberger wollten auch für ihn keine Ausnahme von der Regelung machen, dass niemand in der deutschen Nationalelf spielen durfte, der für einen ausländischen Klub tätig war.

Fußball-WM 1966 - Der deutsche Nationaltorwart Hans Tilkowski (l) und der ehemalige deutsche Torwart Bert Trautmann unterhalten sich während des Trainings in Sheffield.
Bert Trautmann (r.) berät bei der Fußball-WM 1966 den deutschen Nationaltorwart Hans Tilkowski. Bild: dpa | Karl Schnoerrer

Der Wunsch, einmal für das Nationalteam berücksichtigt zu werden, war jedoch groß. So war sich der gebürtige Bremer Ende 1952 bereits mit Schalke 04 einig, in die Bundesliga zu wechseln. Am Ende scheiterte es aber am Geld. Manchester forderte eine damals utopische Ablösesumme von umgerechnet 200.000 D-Mark, also gut 100.000 Euro.

Wenn auch nicht als Spieler, wurde Trautmann jedoch in vielerlei Hinsicht immer wieder vom DFB eingebunden. Im Dezember 1954, beim ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in England, war er Übersetzer. Bei der Weltmeisterschaft 1966 stellten die Organisatoren ihn als offiziellen Attaché ab und auch bei der Europameisterschaft 1996 in England gehörte er der DFB-Delegation an.

5 Vom verwehrten Wunsch, Werder zu trainieren

Trautmann stand bis 1964 in 545 Spielen im Tor für Manchester City. Nach seiner Spielerkarriere wechselte er auf die Trainerbank. Zunächst 1964 bis 1966 als Trainer bei Stockton County und anschließend in der Saison 1967/68 bei Preußen Münster in der Regionalliga, die damals Deutschlands zweithöchste Spielklasse war. In der Saison 1969/70 betreute er schließlich die Mannschaft des SC Opel Rüsselsheim, die ebenfalls in der Regionalliga spielte.

Straßenschild "Bert-Traumann-Platz"
Der Bert-Trautmann-Platz in Bremen-Gröpelingen wurde 2014 nach dem Bremer Torwart benannt. Bild: Tura Bremen

Sein Wunschclub als Trainer, das hatte er schon 1964 Radio Bremen verraten, war allerdings stets der SV Werder. Zwar wurde daraus nichts. Als Trainer hatte Trautmann dennoch genug zu tun. Denn in Kooperation mit dem DFB leistete er fußballerische Entwicklungshilfe als Nationaltrainer unter anderem von Tansania, Pakistan und Burma, dem heutigen Myanmar.

Bei seinem einstigen Heimatverein Tura Bremen erinnern sich die Älteren noch immer an ein Vorbereitungsspiel für das Olympische Fußballturnier im Jahr 1972. Damals war Trautmann mit der Nationalmannschaft Burmas zu Gast in Bremen-Gröpelingen – und gewann gegen Tura mit 5:0. Von der Schlappe hat sich der Verein schnell erholt. 2014 widmete der Klub sogar den Platz vor seinem Vereinsheim seiner im Jahr zuvor verstorbenen Vereinslegende.

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