Bremens Wahrzeichen: Kennen Sie schon den kleinen Roland in Osterholz?

Eine kleine Abbildung des Bremer Rolands steht auf einem Steinsockel vor dem Osterholzer Ortsamt.
Den großen Roland kennen viele. Klar, er ist ja auch eines der bekanntesten Wahrzeichen Bremes. Aber es gibt auch noch einen kleinen Roland. Bild: Martin Rospek | Martin Rospek

Für die Stadtmusikanten ist Bremen berühmt, doch auch die Stadtteile haben ihre Wahrzeichen. Vorschläge für eine Entdeckungstour in Bremen und Bremerhaven.

Der Eiffelturm in Paris oder der schiefe Turm von Pisa — fast jede Stadt hat ein Wahrzeichen, das besonders Touristen anzieht. Aber was bedeutet überhaupt "Wahrzeichen"? Im Endeffekt ist damit ein charakteristisches Merkmal für einen Ort gemeint. Das können Bauwerke, Skulpturen oder auch Teile der Natur sein. Und so gibt es in Bremen nicht nur die berühmten Attraktionen der ganzen Stadt zu bestaunen, sondern auch die einzelnen Stadtteile verfügen über ihre ganz eigenen Wahrzeichen — die auch für waschechte Bremerinnen und Bremer noch eine kleine Überraschung sein können.

1 Skulptur "Zur Schicht" in Bremen Gröpelingen

Statue "Zur Schicht" von Waldemar Otto in Gröpelingen
Die Skulptur "Zur Schicht" soll an die Weftengeschichte in Gröpelingen erinnern. Bild: Radio Bremen | Günter Beyer

An der Ecke Lindenhofstraße/Dockstraße, im sogenannten Grünzug West, wo viele Werftarbeiter zur Arbeit gingen, steht heute die Skulptur "Zur Schicht" in Bremen Gröpelingen. Noch vor 40 Jahren war der Bremer Stadtteil Gröpelingen von Großwerften geprägt. Konzerne wie die AG Weser und der Bremer Vulkan hatten über Jahrzehnte hinweg für gute Arbeitsstellen gesorgt. Doch Anfang der 80er-Jahre erreichte die Werftenkrise Bremen und viele Arbeiter verloren ihre Jobs. Der Künstler Waldemar Otto wollte nicht, dass die Werftengeschichte und die Arbeiterbewegung in Vergessenheit geraten und widmete ihnen 1983, zum Höhepunkt der Werftenkrise, dieses Denkmal.

2 Bunker Valentin im Bremer Stadtteil Farge

Bunker Valentin in Farge (Archivbild)
Weil der Bunker jedem Bombenangriff standhalten sollte, sind die Decken und Wände bis zu sieben Meter dick. Bild: Imago | Jürgen Hanel

Ein einzigartiges und unübersehbares Relikt der nationalsozialistischen Rüstung für den Seekrieg ist der Bunker Valentin in Bremen-Farge. Der riesige Betonklotz ist die Ruine einer U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg. Von 1943 bis 1945 wurden dort Tausende von Zwangsarbeitern aus ganz Europa eingesetzt. Das waren ebenso Zivilarbeiter wie Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Mehr als 1.600 von ihnen starben während der Bauarbeiten an Unterernährung, Krankheiten und willkürlichen Tötungen. Der Bunker ist ein Ort der Erinnerung an den Krieg und an die Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft.

3 Vegesacker Junge in Bremen Nord

Es verwundert nicht, dass das Wahrzeichen von Vegesack der "Vegesacker Junge" ist. Dabei handelt es sich um einen Matrosen, der die Hosentaschen nach außen gezogen hat. Wenn die Schiffe von ihren Fangreisen zurückgekommen waren, wurde die Heuer in bar ausgezahlt. Die Matrosen haben dann das Geld nach der langen Zeit der Entbehrungen in den Kneipen und Bars in der Alten Hafenstraße auf den Kopf gehauen – so die Geschichte.

Zeichnung eines Jungen im Matrosenanzug, in der einen Hand ein Fisch, mit der anderen krempelt er eine Hosentasche um.
Noch gibt es keine Statur vom Vegesacker Jungen. Die soll allerdings im nächsten Jahr noch kommen. Bild: Ortsamt Vegesack | Thomas Recker

Von dem Vegesacker Jungen gibt es im Stadtteil zahlreiche Ansichten. Zum Beispiel hat auch der bekannte Karikaturist Volker Ernsting, ebenfalls Vegesacker, diese Figur mehrfach gezeichnet und damit überregional bekannt gemacht. Es gibt sogar den Förderverein Vegesacker Junge, der die Wahl von zwei jungen Männern alle zwei Jahre durchführt, die personifiziert die Figur verkörpern und den Stadtteil bei öffentlichen Anlässen vertreten. 2022 soll außerdem eine Bronze-Statue aufgestellt werden.

4 Molenturm in der Bremer Überseestadt

Der alte Molenturm in Bremen, im Hintergrund das Pier 2.
Für den Neubau des Turms konnten die Steine der alten Ruine teilweise wiederverwendet werden. Bild: Hans-Hermann Hunfeld

Ein Unfall bei Nebel brachte ihn einst in Schieflage. Der Molenturm, der eigentlich den Weg in den Hafen weisen sollte. Er wurde bei schlechter Sicht von einem englischen Dampfer gerammt und musste nach nur 19 Jahren wieder neu gebaut werden. 1926 traten die Hafenarbeiter dann im Neubau des Molenturms ihren Dienst an. Heute gibt es im Wahrzeichen der Überseestadt keine Hafenarbeiter mehr. Der sogenannte "Mäuseturm" weist mit seinem Leuchtfeuer aber weiterhin vielen Schiffen den Weg zum Hafenbecken.

5 Waller Fernsehturm

Fernsehturm in Bremen-Walle
Etwa 2,5 Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum befindet sich der Fernmeldeturm. Im Volksmund besser bekannt als der Fernsehturm. Bild: Radio Bremen | Marcus Behrens

Ca. 235 Meter hoch ist er, der Waller Fernsehturm. 1986 wurde er fertiggestellt. Heute ist er lediglich noch Zeuge der alten Technik einer vergangenen Ära. Wo in den 80er Jahren noch hohe Bremer Politiker zu Gast waren, sind heute keine Besucher mehr erwünscht. Die Öffentlichkeit muss unten bleiben, denn seit mehreren Jahren siedeln sich am Fernsehturm Wanderfalken zum Brüten an. Der Brutplatz ist unter den Falken besonders beliebt und umkämpft.

6 Aladin Music Hall in Bremen Hemelingen

Das Aladin in Bremen
Das Aladin in Bremen hat mit dem Tivoli zusammen ca. 2.500 Quadratmeter Veranstaltungsfläche. Bild: Radio Bremen | Serena Bilanceri

Das Gasthaus "Luers' Tivoli" war 1866 vor der Grenze zu Bremen das letzte Gebäude auf preussischem Boden und stand auf dem Gelände der heutigen Aladin Music Hall. 1977 verwandelte der Diskothekbetreiber Bernhard "Natz" Linnenbaum das alte Gemäuer in ein modernes Kultur-und Veranstaltungszentrum: das Aladin. Die Diskothek an der Hannoverschen Straße ist mittlerweile eine der bekanntesten Kulturstätten in der Region und fester Bestandteil der Bremer Musikszene. Inzwischen finden hier nicht nur Konzerte statt, sondern auch Firmen- oder Privatfeiern können mit bis zu 2.000 Gästen ausgerichtet werden.

7 Mahndorfer See

Mahndorfer See
Wer den länglichen See an dieser Stelle überqueren will, hat einen relativ weiten Weg vor sich. Bild: Radio Bremen | Eva Koplin

Wer im Mahndorfer See schwimmen geht, kann sich von einem ins andere Bundesland treiben lassen. Denn durch das Gewässer hindurch verläuft die Landesgrenze zwischen Bremen und Niedersachsen. Der Mahndorfer See war der erste einer Reihe von Badeseen in Bremen, die durch Baumaßnahmen an der Autobahn A1 entstanden sind. Wer zu Sonnenbrand neigt, sollte im Sommer einen Schirm mitbringen, denn natürliche Schattenplätze sind begrenzt. Im See liegen außerdem zwei kleine Vogelschutzinsel. Da gilt allerdings: Betreteten verboten!

8 Kleiner Roland in Bremen Osterholz

Eine kleine Abbildung des Bremer Rolands steht auf einem Steinsockel vor dem Osterholzer Ortsamt.
Vor dem Ortsamt in Osterholz steht der kleine Roland. Er ist eine Nachbildung des kleinen Rolands aus der Neustadt. Bild: Martin Rospek | Martin Rospek
Der kleine Roland am Neuen Markt in der Bremer Neustadt.
Und so sieht der erste kleine Roland von Bremen aus. Aufgestellt wurde er in der Neustadt. Dort steht er auch heute noch und diente als Vorlage für den Roland von Osterholz. Bild: Radio Bremen | Loretta Findeisen

In der Innenstadt auf dem Markplatz steht der große, in der Neustadt am Neuen Markt der kleine, und Osterholz hat seit 2007 auch einen: der Bremer Roland. Bei der Bronzestatue, die vor dem Osterholzer Ortsamt steht handelt es sich um eine Kopie des sogenannten kleinen Rolands in der Neustadt. Dort steht er schon seit 1737 und war eine Stiftung der ersten Bürgerkompanie. Die Bürger der Neustadt waren zu diesem Zeitpunkt noch Bürger "minderen Rechts" und so zeugte es von ihrem Selbstbewusstsein, sich einen eigenen Roland als Symbol für bürgerliche Freiheit aufzustellen. 2003 wurde eine Kopie des kleinen Rolands neben dem großen auf dem Markplatz ausgestellt. Die begeisterten Osterholzer konnten die Kopie mit Hilfe des Kulturressorts schließlich zu sich vor das Osterholzer Ortsamt holen. Und da steht er noch heute.

9 Jacobs-Hof in Bremen Borgfeld

Die Familie Jacobs lebte über viele Generationen auf dem Jacobshof in Bremen Borgfeld. Als Johann Jacobs als zweitgeborener nicht den väterlichen Hof übernehmen konnte, wandte er sich einem kaufmännischen Beruf zu. 1895 gründete er einen Kolonialwarenladen, in dem er hauptsächlich Tee und Kaffee verkaufte. Wenig später folgte die erste Rösterei in Bremen und das Kaffeeimperium Jacobs nahm seinen Lauf. Den Hof der Familie Jacobs gibt es heute noch. Er wird als Mehr-Generationen-Hof bewirtschaftet.

10 Oberneuländer Mühle

Eine Mühle steht auf einem Feld.
Seit 1953 steht die Mühle unter Denkmalschutz. Bild: Radio Bremen

Zuerst stand hier eine Bockwindmühle, die vermutlich im frühen 17. Jahrhundert errichtet und 1768 erstmals urkundlich erwähnt wurde. 1840 brannte diese Mühle ab. Der Neubau einer Holländermühle erfolgte 1848 durch Brünn Ehlers. Die Oberneulander Mühle ist Station 43 der Niedersächsischen Mühlenstraße und Wahrzeichen des Ortsteils Oberneuland. Seit 1972 ist die instandgesetzte Mühle als Außenstelle des Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Neben der Mühlentechnik ist die ständige Ausstellung "Vom Korn zum Brot" zu besichtigen.

11 Das "Minarett" in Bremerhaven Mitte

Leuchtturm Unterfeuer und Atlantic Hotel Sail City in Bremerhaven
Das "Minarett" ist ganze 22,4 Meter hoch und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Bild: Imago | blickwinkel

Bremerhavens Ruf als maritime Stadt spiegelt sich auch in seinen Wahrzeichen wieder, wie zum Beispiel in diesem besonderen Leuchtturm. Wegen seiner außergewöhnlichen Architektur, seiner schlichten, sich kurvenförmig nach oben verjüngenden Form, wird der 1893 erbaute Leuchtturm in Bremerhaven Mitte auch "Minarett" oder "Zwiebelturm" genannt. Er ist einer der zwei Leuchttürme der Bremerhavener Richtfeuerlinie, genau genommen das Unterfeuer Bremerhaven. Nachdem es zuerst mit Petroleum und Gas befeuert wurde, wurde es 1925 elektrifiziert und schon 1942 automatisiert. Auch heutzutage ist der Leuchtturm noch in Betrieb.

12 Thieles Garten im Bremerhavener Stadtteil Leherheide

Thieles Garten im Herbst
Im Herbst tauscht auch Thieles Garten, wie andere Parks auch, sein Grün gegen Braun. Bild: RAdio Bremen | Martina Niemann

Im Stadtteil Leherheide befindet sich Thieles Garten, ein Park gefüllt mit Kunst und Skulpturen. Die Idee zur 20.000 Quadratmeter großen Grünanlage hatten die Brüder Georg und Gustav Thiele, Maler und Bildhauer. Da das Geld der beiden weder für Bronze noch für Marmor reichte, errichteten sie ihre Skulpturen mittels günstiger Zementmischung und Farbe.

Zwischen Georg Thiele und Grete Itzen, eine ebenfalls in der Leherheide wohnenden Näherin, entwickelte sich über die Fotografie eine Liebesbeziehung, später heirateten sie. Die Brüder fanden in Grete ihr Modell für zahlreiche Bilder und Skulpturen. Das Künstler-Trio Thiele erweiterte den Garten um ein Haus und viele weitere Kunstwerke. Heute finden in dem Bremerhavener Park regelmäßig Ausstellungen, Lesungen und Konzerte statt. Aktuell wird er allerdings restauriert.

13 Gedenk-Pyramide auf dem Wulsdorfer Friedhof

Eine große Pyramide aus Klinkersteinen steht neben Grabsteinen auf einem Friedhof im Herbst
Das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs steht auf dem Friedhof Wulsdorf bei Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Was sich nicht als erstes auf einem Friedhof in Bremerhaven vermuten lässt, sondern eher in Ägypten, ist wohl eine Pyramide. Doch auf dem Wulsdorfer Friedhof steht seit 1925 eben genau so eine. Sie ist ein Denkmal für gefallene Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Da es so viele Tote gab, wollte man in den Heimatorten einen Platz zum Trauern schaffen. Dafür reichten mehrere Künstler ihre Entwürfe und Ideen bei einem Wettbewerb ein. Die Jury entschied sich allerdings bewusst für diese schlichte und abstrakte Version. Jeder einzelne Ziegelstein steht vermutlich für einen gefallenen Soldaten und die Pyramide als Gesamtwerk bildet eine Einheit, die für die Gemeinschaft stehen soll.




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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Juni 2021, 19:30 Uhr