Fragen & Antworten

Regnet es diese Woche endlich in Bremen – und wenn ja, wie viel?

Auf einem sehr trockenen Feld in Niedersachen sind Risse im Boden zu sehen (Archivbild)
Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Am Donnerstag könnte an manchen Orten im Land so viel Regen fallen, wie sonst in einem ganzen Monat. Eine echte Erholung ist das für die Böden aber nicht. Warum?

Abgesehen von ein paar kurzen Gewittern hat es im Land Bremen seit Wochen nicht richtig geregnet, viele Pflanzen lassen die Blätter hängen, andere haben sie schon längst verloren. Bremens Landwirte klagen über steinharte Böden und Erde so trocken wie Staub. Doch die Trockenheit könnte in dieser Woche zumindest unterbrochen werden: Bereits am Dienstag und Mittwoch kann es hier und da regnen, am Donnerstag soll der Niederschlag heftiger werden. Ist für die trockenen Böden also Besserung in Sicht?

Tiere, Pflanzen und auch viele Menschen sehnen den angekündigten Regen herbei. Wann geht es los?
Mit Blick auf die nächsten Tage wagt Meteorologe Torsten Walter vom ARD-Wetterkompetenzzentrum eine Prognose. Erste Schauer und Gewitter kann es laut Walter bereits ab Dienstagnachmittag geben, ähnlich schätzt er das Wetter am Mittwochnachmittag ein. "Wo der Regen herunterkommt, kann man bei einer solchen Lage aber nie genau sagen", so der Experte. Auch innerhalb einer Stadt gibt es demnach große Unterschiede. "In einem Stadtteil kann es schütten, ein paar Kilometer weiter passiert nichts", sagt Walter.
Inwiefern verändern sich die Regenfälle im Laufe der Woche?
Wetter-Experte Walter hat hier insbesondere Tief Peggy im Blick. Aktuell liege Peggy noch vor der irischen Küste, bewege sich aber Richtung Norddeutschland. "Am Donnerstag erreicht Peggy dann den Bremer Raum und bewegt sich nur noch langsam voran", schätzt der Meteorologe. Die Folge der geringen Geschwindigkeit: Anders als bei einem Gewitter ist der Regen nicht kurz und heftig, sondern zieht sich über mehrere Stunden. Meteorologen sprechen dann von "lang anhaltenden Regenfällen". Bei Weitem nicht lang anhaltend genug findet das Stefan Brößling. Für seine Revierförsterei Midlum bei Bremerhaven sehnt er eine Schlechtwetterperiode von mindestens vier oder fünf Tagen herbei.

Einzelne leichte Schauer nutzen uns nichts, eigentlich bräuchten wir vier Wochen Regen am Stück.

Stefan Brößling, Revierförster in der Revierförsterei Midlum
Wie präzise ist eine solche Regen-Vorhersage?
72 Stunden im Voraus können Meteorologen nur relative vage Prognosen abgeben. Wer sich genau festlegt, betreibe oft Kaffeesatzleserei, mahnt Walter. In zwei Sachen ist er sich aber recht sicher. "Am Donnerstag wird es den meisten Niederschlag geben und im Verlauf der nächsten drei Tage wird jeder mal nass werden", so der Experte.
Auf wieviel Regen können wir uns einstellen?
Einige Modelle sagen vereinzelt bis zu 100 Liter pro Quadratmeter voraus, Meteorologe Walter hält 50 bis 70 Liter pro Quadratmeter für einige wenige Orte für wahrscheinlicher. Bewahrheiten sich die entsprechenden Modelle, wäre dies sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen September fallen in der Region Bremen und Bremerhaven im Schnitt 65 Liter pro Quadratmeter. "Besonders den Verlauf der gewittrigen Schauer kann man nur schwer vorhersagen aber ich schätze trotzdem, dass nur einige wenige Regionen so viel abbekommen werden", sagt Walter. Revierförster Brößling nehme 50 oder 60 Liter Regen pro Quadratmeter zwar gerne mit, diese müssten sich aber auf 48 Stunden verteilen, nicht auf zwei oder drei. "Die Oberflächenspannung des Bodens ist einfach zu groß, das Wasser fließt so ab und feuchtet nur ein paar Zentimeter des Bodens an", sagt Brößling.
Welchen Effekt kann der angesagte Regen für die strapazierten Bremer Böden haben?
Christian Kluge vom Bremer Landwirtschaftsverband bereiten die großen Regenmengen Sorge – trotz der so dringend benötigten Niederschläge. "Wenn es zu Starkregen bei Gewittern kommt, kann der harte Boden das überhaupt nicht aufnehmen", so der Geschäftsführer des Verbands. Gleichzeitig sei jeder Niederschlag besser als nichts, denn die Lage sei vielerorts dramatisch. "An manchen Stellen ist sechs bis acht Wochen lang kein Tropfen gefallen", so Kluge.
Viel hilft viel – aber nicht in zu kurzer Zeit. Welche Art von Regen wäre für Bremer Böden eine echte Entlastung?
Ob Meteorologe, Landwirt oder Förster, hier sind sich alle drei Experten einig. Ein leichter, warmer Landregen wäre jetzt Balsam für Bremer Böden. Landregen ist ein sehr gleichmäßiger und leichter Niederschlag, der sich über viele Stunden und Tage hinziehen kann. Während nach einem Gewitter-Guss im Boden in einer Tiefe von 15 Zentimeter keine Feuchtigkeit ankommt, dringt der Landregen ganz langsam auch in tiefere Bodenschichten ein. Für Landregen sei jedoch ein bestimmtes Wetter-Fronten-System nötig. Eine solche Konstellation sei aber bis auf Weiteres nicht in Sicht.

24 Stunden langer leichter Regen ist viel effektiver als ein 30-minütiges Gewitter.

Torsten Walter, Meteorologe

So sehr sorgt die aktuelle Dürre für trockene Böden in Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 6. September 2022, 6:50 Uhr