Bricht das Schulsystem in Bremen zusammen?

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In Dutzenden Schulen in Bremen fällt gerade der Unterricht aus, berichtet der Zentrale Elternbeirat. Bildungssenatorin Aulepp macht den Fachkräftemangel verantwortlich.

Schüler mit Förderbedarf hätten weniger Unterricht und Ganztagsunterricht falle aus, beklagt der Elternbeirat. Schüler würden teilweise nur noch von Studierenden betreut. Dass Lehrer, Pädagogen und vor allem auch persönliche Assistenzen fehlen – 143 in der Stadt Bremen im vergangenen Schuljahr – zeige sich jetzt ganz deutlich. Das System breche jetzt zusammen, sagt der ZEB. Und selbst Schulleiter berichten gegenüber buten un binnen von einer heiklen Lage.

96 Vollzeitstellen unbesetzt

Wie viele Stunden Unterricht im September ausgefallen sind, weiß die Behörde noch nicht. Fest steht aber: Bremen bräuchte 5.782 Lehrkräfte. Es gibt aber nur: 5.686 – 96 Vollzeitstellen sind also nicht besetzt. Dazu: viele Lehrkräfte sind dauerhaft krank, schwanger oder in Elternzeit. Die machen insgesamt 170 Vollzeit-Stellen aus. Meistens übernehmen Studierende den Unterricht.

Für den Nachmittagsunterricht von Inklusionskindern fehlen beispielsweise an der Neuen Oberschule Gröpelingen Sonderpädagogen. Rüdiger Vincenz leitet den Inklusionsbereich an der Schule. Hilflos fühle er sich manchmal, sagt er. Denn so schlimm wie in diesem Jahr habe er den Mangel noch nicht erlebt.

Senatorin: "System ist wegen des Fachkräftemangels auf Kante genäht"

Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) macht den Fachkräftemangel für die Situation verantwortlich. "Das System ist wegen des Fachkräftemangels auf Kante genäht", sagte sie im Gespräch mit buten un binnen.

Wir müssen die Kapazitäten an der Uni und Hochschule so ausrichten, dass am Ende genug Lehrer vorhanden sind. Das haben wir mit der Wissenschaftssenatorin schon besprochen.

Sascha Aulepp (SPD);, Bildungssenatorin

Auch Quereinsteigern müsse Bremen bessere Möglichkeiten bieten.

Aulepp ging auch darauf ein, dass einige Schulen in prekären Lagen besonders mit Lehrermangel kämpfen. "Wir müssen nach schnellen Lösungen suchen – mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen", sagte sie. Die Lehrer könnten aber nicht gegen ihren Willen an Schulen in möglicherweise unbeliebten oder schwierigen Gegenden versetzt werden.

Senatorin über Lehrermangel in Bremen: "System ist auf Kante genäht"

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Auch in Niedersachsen regt sich Protest gegen den Lehrermangel. Rund 1.500 Schulbeschäftigte haben am Mittwoch in Hannover vor der Staatskanzlei gegen die Personalnot an niedersächsischen Schulen demonstriert. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zum Protestzug durch die Landeshauptstadt aufgerufen, damit die nächste Regierung diesen Missstand unmittelbar nach der Landtagswahl am Sonntag angeht. Die Bildungsgewerkschaft erinnerte daran, dass in den Schulen mindestens 10.000 Beschäftigte fehlen – neben Lehrkräften Tarifbeschäftigte mit pädagogischen, therapeutischen und technischen Berufen oder in der Sozialarbeit. Auch an den Hochschulen und in der Erwachsenenbildung seien die Personallücken unhaltbar. "Die Schuld an der Personalnot in unseren Schulen tragen die Landesregierungen der zurückliegenden knapp 20 Jahre gemeinsam. Nun müssen sie den Karren auch gemeinsam aus dem Dreck ziehen, egal wer am 9. Oktober die Landtagswahl gewinnt", forderte der GEW-Landesvorsitzende Stefan Störmer.

Autorin

  • Maren Schubart

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Oktober 2022, 19:30 Uhr