Rotenburg schließt Obdachlosen-Unterkunft wegen unwürdiger Bedingungen

"Chaos pur": Rotenburg bringt Obdachlose in desolater Unterkunft unter

Bild: privat
  • Stadt Rotenburg will Bewohner umquartieren.
  • Bürgermeister: Hoher Zuzug von Geflüchteten sorgte für Platzmangel .
  • Gebäude sei notfallmäßig als Obdachlosen-Unterkunft genutzt worden.

Die Stadt Rotenburg schließt die marode Notunterkunft Kesselhofskamp. Das hat Bürgermeister Torsten Oestmann (parteilos) buten un binnen auf Anfrage bestätigt. Wie berichtet herrschen in der Unterkunft menschenunwürdige Zustände: Fenster sind zertrümmert, Fensterrahmen notdürftig mit Plexiglas und Sperrholz vernagelt. Bewohner leben auf zerschlissenem Betonfußboden, Versorgungsanschlüsse ragen offen aus den Wänden, Lampen funktionieren nicht. Heizung und warmes Wasser gab es laut den Bewohnern lange nicht.

Der Landkreis Rotenburg als zuständige Brandschutzbehörde hatte gegenüber buten un binnen angekündigt, die Einrichtung begutachten zu wollen. Zu dieser Begutachtung kommt es nun wohl nicht mehr. Das Ordnungsamt der Stadt Rotenburg hat den Bewohnern der Notunterkunft am Freitag schriftlich mitgeteilt, dass sie am 14. November umquartiert würden. Begründung: Kesselhofskamp 3c werde nicht länger als Unterbringungseinrichtung genutzt.

Gebäude war nicht als Obdachlosen-Unterkunft vorgesehen

Nach Bekanntwerden der Missstände hatte Bürgermeister Torsten Oestmann zunächst angekündigt, Fußboden, Fenster und Heizung der Notunterkunft ertüchtigen zu wollen. Nun schließt die Stadt die Einrichtung. Das Gebäude sei nicht für die Unterbringung von Obdachlosen vorgesehen gewesen, habe aber notfallmäßig belegt werden müssen, teilt der Bürgermeister mit.

Wegen des hohen Zuzugs von Geflüchteten sei es zu Engpässen in städtischen Unterkünften gekommen. Rotenburg habe aber mittlerweile mit dem Bau einer Container-Wohnanlage für Geflüchtete begonnen. Dadurch würden demnächst in anderen Sammelunterkünften Kapazitäten frei. Dorthin sollen dann die Bewohner der maroden Einrichtung Kesselhofskamp ziehen. Was mit dem dann leerstehenden Gebäude geschehe, sei noch nicht entschieden, sagt der Bürgermeister und ehemalige Polizeidirektor.

Autor

  • Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. November 2022, 19:30 Uhr