Fragen & Antworten

Ehemann oder Schwiegermutter: Wer tötete Ekaterina B. in Bremerhaven?

Polizeibeamte suchen etwas im Wald.

Ehemann oder Schwiegermutter: Wer tötete Ekaterina B. in Bremerhaven?

Bild: Radio Bremen

Es war ein Schock, als die Schwiegermutter die Tötung von Ekaterina B. gestand. Doch die Frau ist frei; ihr Sohn, der Ehemann des Opfers, steht auch heute wieder vor Gericht.

Heute geht der Mordprozess im Fall Ekaterina B. aus Bremerhaven weiter. Am vergangenen Prozesstag vor einer knappen Woche war es zu einer überraschenden Wende gekommen: Die Mutter des Angeklagten und Schwiegermutter der Toten gestand unter Tränen die Tat. Sechs Stunden lang wurde die Frau verhört, festgenommen wurde sie aber nicht. Angeklagt ist auch am heutigen achten Prozesstag ihr Sohn und Ehemann von Ekaterina B. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was passiert an diesem Prozesstag?
Der Ehemann der Getöteten steht weiter vor Gericht und ist unter Mordverdacht. Geladen sind drei Zeugen, darunter eine Nachbarin und ein Bekannter des Angeklagten. Die Schwiegermutter ist für diesen Dienstag nicht geladen.
Die Schwiegermutter ist trotz Geständnis nicht in Untersuchungshaft. Warum nicht?
Das Gericht hält die Aussage der Schwiegermutter offenbar nicht für glaubhaft. Es besteht weiterhin dringender Tatverdacht gegen den Angeklagten und nicht gegen seine Mutter, wie Benjamin Steinhilber, Richter und Pressesprecher des Landgerichts Bremen, auf Nachfrage von buten un binnen sagt. "Ein Geständnis muss immer auf Glaubhaftigkeit überprüft werden", so Steinhilber. Erst wenn die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis komme, dass ein dringender Tatverdacht besteht, beantrage sie einen Haftbefehl. Das sei bisher nicht passiert.

Sönke Florian Gerhold, Professor für Strafrecht an der Universität Bremen, bringt es als Unbeteiligter in diesem Prozess deutlicher auf den Punkt: Er geht davon aus, dass das Gericht annimmt, dass die Mutter ihren Sohn mit dieser Aussage schützen will. Somit würde es sich um ein falsches Geständnis handeln und der dringende Tatverdacht als zwingende Voraussetzung für eine Inhaftierung fehlen.

Ein Mordgeständnis allein reicht nicht aus, um in Haft zu kommen.

Benjamin Steinhilber, Richter und Pressesprecher des Landgerichts Bremen
Wenn jemand einen Mord gesteht, kann man ihn nicht in Haft nehmen und die Aussagen dann überprüfen?
Mit einem Haftbefehl wird einer Person die Freiheit genommen, deshalb bedürfe es einer sorgfältigen Prüfung und eines dringenden Tatverdachts, wenn ein Haftbefehl beantragt wird, so Steinhilber. Selbst ein Mordgeständnis reicht nach deutschem Recht nicht aus, um sofort inhaftiert zu werden. Es sei aber nicht ausgeschlossen, so der Richter, dass die Schwiegermutter im weiteren Verlauf des Prozesses in Untersuchungshaft müsse, wenn die Staatsanwaltschaft sie tatsächlich als dringend tatverdächtig einstuft, entweder als Einzel- oder Mittäterin.
Ekaterina B. und der angeklagte Ehemann haben eine Tochter. Was ist mit dem Kind?
Das Jugendamt hat die Vormundschaft für die Sechsjährige. Sie soll zu ihrem eigenen Schutz bei einer Pflegefamilie in einer anderen Stadt leben.
Was ist überhaupt passiert?
Die Staatsanwaltschaft wirft Ekaterinas Ehemann vor, seiner Frau Anfang Februar in Bremerhaven ein Beruhigungsmittel gegeben zu haben. Dann soll er sie getötet, die Leiche zerteilt und in Plastikfolien und Müllsäcke gepackt haben. Diese steckte er laut Anklage in einen Koffer, den er schließlich in die Weser warf. Nach Ekaterina B. war wochenlang gesucht worden. Anfang März war dann ein Koffer mit ihren sterblichen Überresten am Weserufer in Bremerhaven gefunden worden.
Wie geht es weiter?
Die geständige Schwiegermutter ist erst wieder für den 2. November geladen. Auch das spricht dafür, dass das Gericht hier keine Dringlichkeit sieht, die Frau schneller zu befragen. Bis März kommenden Jahres sind zudem 27 weitere Termine vorgesehen.

Wende in Bremerhavener Mordfall: Schwiegermutter belastet sich selbst

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 18. Oktober 2022, 6 Uhr