Stahlkrise bei Arcelor: Alarm am Standort Bremen

Kurzarbeit und ein stillgelegter Hochofen: Die Krise im Bremer Stahlwerk wirkt dramatisch. Muss Bremen sich eventuell auf eine Zukunft ohne Stahlproduktion einstellen?

Ein Arbeiter steht vor einem Hochofen in einem Stahlwerk.
Viele Arbeitsplätze hängen an dem Bremer Stahlwerk. Bild: DPA | Savostyanov Sergei

Die Arcelor-Mitarbeiter müssen Überstunden und Urlaub abbummeln, im kommenden Jahr droht dann noch Kurzarbeit. Das Bremer Stahlwerk steckt in der Krise und viele Mitarbeiter haben Angst um ihren Job: "Natürlich mach ich mir Sorgen. Ich habe hier meine Ausbildung gemacht und arbeite hier von Tag eins an", erzählt einer von ihnen. Und er ist mit den Befürchtungen nicht allein.

An dem Stahlwerk hängt vieles in und um Bremen: Arcelor ist der drittgrößte Arbeitgeber der Stadt — knapp 4.000 Menschen arbeiten dort. Und das ist nur ein kleiner Teil der Arbeitsplätze, die von der Stahlhütte abhängen. Zu den Mitarbeitern direkt am Werk kommen noch einmal fast 5.000 Zulieferer in Bremen und weitere knapp 15.000 in ganz Deutschland. Das Werk ist also für die regionale Wirtschaft von immenser Bedeutung.

Zukunft des Werks nicht gefährdet?

Steht dieses Stahlwerk nun vor dem Aus? Diese Frage stelle sich nicht, findet die Bremer Landesvorsitzende der IG Metall, Ute Buggeln.

Die Bremer Hütte produziert, sie ist für Arcelor ein wichtiger Betrieb, wir haben hohe Güten und eine hohe Produktivität.

Ute Buggeln, Landesvorsitzende der IG Metall

Auch Werksleiter Reiner Blaschek unterstützt diese Einschätzung. Für ihn rangiere der Standort Bremen europaweit im vorderen Mittelfeld, auch wegen der Investitionen der letzten Jahre — zum Beispiel in einen modernen Hochofen.

Das Stahlwerk sei sowohl auf dem Markt als auch im Arcelor-Verbund grundsätzlich in einer guten Position, betont auch die Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer, Elke Heyduck: "Das Bremer Werk ist ein sogenanntes integriertes Hüttenwerk. Das heißt, wir haben alle Schritte der Stahlverarbeitung von Eisenerzerzeugung bis eben auch zur Feinblechverarbeitung im Werk. Insofern ist es ein starker Standort."

Ein wichtiger Baustein fehle allerdings, um den Standort Bremen krisenfester zu machen — die Forschung.

Es ist immer ungünstig, wenn wenig Forschung am Standort ist. Und Arcelor konzentriert die Forschung an anderen Standorten, zum Beispiel in Frankreich.

Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer

Da sei die Poltik gefordert, meint Heyduck. Land und Bund sollten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Forschung an den Stahlstandort Bremen kommt. Das könnte für mehr Ruhe sorgen, ist allerdings keine Garantie, denn das Stahlgeschäft ist immer wieder Schwankungen unterworfen.

"Stahl ist immer krisenbehaftet"

Die Krise ist also nichts Neues für die Bremer Arcelor-Beschäftigten. "Die Belegschaft von Arcelor ist krisenerfahren. In den letzten Jahren gab es immer wieder konjunkturelle Krisen. Die haben wir auch immer gut gemeistert", meint Gewerkschaftlerin Buggeln, "Stahl ist immer krisenbehaftet und da müssen wir durch. Wir haben schon diverse solcher Kurzarbeitsprojekte hinter uns gebracht."

Werksleitung, Belegschaft, Gewerkschaft und Arbeitnehmerkammer sind also überzeugt: Der Stahlstandort Bremen ist modern, flexibel und hat ein gutes Standing im Arcelor-Verbund. Die Aussichten für die Zukunft sind also vielleicht doch ganz gut.

Übersteht das Stahlwerk eine erneute Krise?

Ein Bremer Stahlwerk von innen mit glühender Metallflüssigkeit.

Weitere Themen:

Autor

  • Daniel Hoffmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. November 2019, 19:30 Uhr