Pulver-Briefe in Bremen: Warum ist der Täter so schwer zu finden?

Video vom 23. Juni 2021
Experten der Polizei untersuchen einen verdächtigen Brief.
Bild: Radio Bremen
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Seit 2019 verschickt ein Unbekannter weißes Pulver und Drohbriefe unter anderem an Bremer Parteien. Weil neue Ermittlungsansätze fehlten, wurde die Soko verkleinert.

Zu den Adressaten der Briefe gehören Parteien, Behördenspitzen, das Rathaus und auch die Bürgerschaft: Insgesamt 39 Drohbriefe mit Hassbotschaften und verdächtigem weißen Pulver hat ein bislang unbekannter Täter verschickt. Seit mehr als anderthalb Jahren geht das so. Seit Mitte Mai nimmt die Serie Fahrt auf. Fünf neue Briefe. Fast im Wochentakt.

Natürlich haben wir diese Steigerung wahrgenommen und die Ermittlungen werden nach wie vor mit großer Intensität geführt.

Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Doch was bedeutet große Intensität? 2020 war eine 13-köpfige Sonderkommission gegründet worden. Nach Informationen von buten un binnen wurde sie bereits vor Monaten massiv verkleinert. Laut Staatsanwaltschaft ermitteln nur noch drei Beamte. Staatsanwaltssprecher Frank Passade erklärt: "Wenn man am Anfang von Ermittlungen steht und eine Vielzahl von Ansätzen hat, dann macht es Sinn, eine Soko zu gründen und mit gehöriger Manpower den Ermittlungsansätzen nachzugehen. Wenn die Ermittlungsansätze dann allerdings abgearbeitet sind, dann ist es auch verständlich, dass die Personen, die mit den Ermittlungen betraut sind, reduziert werden."

Messer auf Spielplätzen vom selben Täter?

Dem Täter werden auch mehrere, gefährlich auf Spielplätzen angebrachte Messer zugerechnet. Auch ein Grund dafür, dass die Soko zunächst so viele Ermittler zählte. Doch ähnliche Taten soll es schon seit Monaten nicht mehr gegeben haben, so die Staatsanwaltschaft.

Der Täter konzentriert sich also auf das Schreiben von Drohbriefen. Auch die Bürgerschaft gehört zu den Opfern. Deren Präsident Frank Imhoff (CDU) betont die Gefahr, die von solchen Briefen für politische Entscheidungsprozesse ausgeht: "Solche Bedrohungen verfolgen vor allem ein Ziel: Sie sollen Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Das beeinflusst Politiker in ihren Äußerungen – wie sie nach draußen Auftreten. Das ist nicht in Ordnung."

Ein Täter, der Briefe einwirft, ist für die Polizei schwer zu ermitteln. Kaum vorhersehbar ist es, wo er das nächste Mal zuschlagen wird. Es könnte praktisch immer und überall sein. Ermittlungen gegen zwei Verdächtige sind bereits im Sande verlaufen, sagt Frank Passade von der Staatsanwaltschaft. "Der zunächst angenommene Tatverdacht konnte im Rahmen der weiteren Ermittlungen keine Bestätigung erfahren, so dass die Verfahren gegen diese beiden Tatverdächtigen zwischenzeitlich eingestellt werden mussten."

Das weiße Pulver in den Briefen war bislang ungefährlich. Dennoch muss die Polizei jedes Mal mit vielen Beamten und Gefahrstoff-Experten anrücken. Die Kosten für die Einsätze sind immens.

Autor

  • Hauke Hirsinger Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Juni 2021, 19:30 Uhr