Darum diskutiert Bremen im Sommer über das Silvesterfeuerwerk

Schönes Ritual zum Jahreswechsel oder unnötige Umweltverschmutzung? Diese Debatte ist alt. Aber vielleicht wird diesen Sommer entschieden, ob Bremer überhaupt noch böllern dürfen.

Video vom 5. August 2020
Ein Feuerwerk über der Weser. Im Hintergrund die Schlachte.
Bild: Radio Bremen

Die Diskussion über Feuerwerk, Umweltverschmutzung und Krach erhitzt jedes Jahr rund um den Jahreswechsel die Gemüter. Normalerweise verschwindet sie dann auch wieder – bis zum neuen Jahr. Doch diesmal beschäftigt sich die Politik mitten im Sommer mit dem Thema. Denn Ralph Saxe, umweltpolitischer Sprecher der Grünen, fordert, dass die Nutzung von Feuerwerk geändert wird. "Wir müssen zu dem Schluss kommen, dass wir das ganz stark einschränken müssen. Das – glaube ich – teilt auch ein Großteil der Bevölkerung, der genervt davon ist, was an Nutzung zu Silvester passiert." Saxe ist mitverantwortlich für eine große Anfrage an den Senat, in der die Auswirkungen von Silvesterfeuerwerk in Bremen geprüft wurden.

Ralph Saxe von den Grünen im Interview am Hollersee
Der umweltpolitische Sprecher der Grünen fordert ein Umdenken in Sachen Feuerwerk. Bild: Radio Bremen

Derzeit arbeitet eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe an Lösungen für die Probleme rund um das private Böllern. Für Saxe wäre eine mögliche Lösung ein zentraler Festakt zum Jahreswechsel – zum Beispiel am Hollersee. "Ich kann mir natürlich vorstellen, dass man hier was mit Musik macht, eine Lasershow macht", sagt er. "Und dass die Leute nicht Angst haben auf Bremens Straßen, sondern Lust haben auf so ein gemeinschaftsstiftendes Ereignis."

Branche will auf umweltfreundliches Feuerwerk setzen

Andreas Reimer von Comet im Interview.
Andreas Reimer von Comet in Bremerhaven kritisiert die Antwort des Senats Bild: Radio Bremen

Kritik an den Antworten des Senats auf die Anfrage kommt aus der Feuerwerksbranche. Der Hersteller Comet in Bremerhaven hält nichts davon, das private Böllern einzuschränken. Comet kritisiert vor allem die Zahlengrundlage des Senats. Der Wert für Feinstaub sei viel zu hoch. Das habe eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt ergeben. "Sie müssen sich vorstellen, wenn sie eine Feuerwerksbatterie haben, dann ist die bisherige Messung immer von dem Gesamtgewicht des Artikels ausgegangen", erklärt Andreas Reimer von Comet. "Aber eine Batterie hat auch Papier und Hülsen, die aus Pappe sind. Und maßgeblich für Feinstaub ist tatsächlich nur der enthaltene pyrotechnische Satz, der dann Feinstaub erzeugt."

Comet will jetzt verstärkt auf umweltfreundlicheres Feuerwerk ohne Plastikmüll setzen. Doch auch, wenn weniger Müll und Feinstaub als angenommen entstehen: Saxe überzeugt das nicht: "Das ist extrem umweltschädlich, das ist auch vom Lärm her eine Belastung für Tiere – nicht nur Haustiere, sondern auch für Wildtiere."

Es entsteht ein unglaublicher Müllhaufen, wo Arsen und andere Sachen drin sind, die dann möglicherweise direkt in der Weser landen, wenn es dann regnet.

Ralph Saxe, umwelpolitischer Sprecher der Grünen

Die Antworten des Senats zum Thema Feuerwerk sollen nach der Sommerpause ausführlich in der Bürgerschaft debattiert werden – die nächste Plenarsitzung ist für den 15. September angesetzt.

Rückblick Januar: Wie steht die Bremer Politik zum Böllerverbot

Video vom 28. Dezember 2019
Mehrere Päckchen China Böller liegen auf einem Tisch.
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. August 2020, 19:30 Uhr