Bremer Polizei zieht Bilanz: Illegale Corona-Demos, Hunderte Anzeigen

  • Zahlreiche Demonstranten brechen Demo-Verbot
  • Polizei stellt Verstöße von "Querdenkern" und Gegendemonstranten fest
  • Hunderte Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten und Landfriedensbruch gestellt
Video vom 5. Dezember 2020
Polizei-Einsatzwagen mit digitaler Demo-Verbot-Anzeige.
Polizei-Einsatzwagen mit Demo-Verbot-Anzeige. Bild: Radio Bremen

Die für diesen Samstag angemeldeten "Querdenker"-Versammlungen sind zwar verboten geblieben. Für die Polizei gab es dennoch viel zu tun. So waren allein acht Gegendemonstrationen gegen die ursprünglich geplante "Querdenker"-Kundgebung angemeldet und erlaubt worden. Darüber hinaus wurde im Vorfeld von den "Querdenkern" auch zur Teilnahme an verbotenen Versammlungen aufgerufen.

Aus diesem Grund war die Polizei Bremen am Samstag mit einem Großaufgebot im Stadtgebiet unterwegs. Unterstützt wurde sie dabei durch Kräfte der Bundespolizei sowie der Länder Bayern, Brandenburg, Berlin, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

Trotz der abgesagten Großkundgebung dürfte dieser Einsatz das Land Bremen voraussichtlich rund 750.000 Euro kosten, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) zu buten un binnen.

Bei der Überwachung des Demo-Verbots kam es mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Corona-Leugnern, Gegendemonstranten und Polizisten. So veranstalteten "Querdenken"-Gegner um 12.30 Uhr eine erste Kundgebung unter dem Motto "Klarer Kopf statt Querdenken". Dabei versammelten sich nach Angaben der Polizei bis zu 300 Teilnehmer an der Bürgerweide.

Auch auf dem Platz der Deutschen Einheit fand eine Gegendemo mit rund 90 Teilnehmern statt. Darüber hinaus versammelten sich die "Omas gegen rechts" mit rund 25 Teilnehmerinnen an der Domsheide. Vertreter der Gruppe "Extinction Rebellion" veranstalteten eine Mahnwache mit vier Personen am Bremer Marktplatz.

Spontane Störaktionen rund um die Bürgerweide

Der Polizei zufolge kam es darüber hinaus immer wieder zu spontanen Störaktionen rund um die Bürgerweide. Etwa 200 Menschen, darunter rund 60 bis 70 Personen der "Querdenker"-Bewegung sowie 100 Gegenprotestler, versammelten sich gegen 13 Uhr "Am Stern". Dies wiederum führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

"Querdenker"-Demonstranten, Polizisten und Gegendemonstranten stehen sich in Bremen gegenüber.
Nahe des Bürgerparks versuchte die Polizei "Querdenker" und Gegendemonstranten voneinander fern zu halten. Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Polizei verhinderte dabei nach eigenen Angaben ein Aufeinandertreffen der Gruppen in der Hollerallee. Dabei sei ein Polizist von einem Störer getreten und verletzt worden. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei prüfte daraufhin die Identitäten einer 47-köpfigen Personengruppe. Anschließend fertigte sie Strafanzeigen wegen Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Landfriedensbruch aus.

300 "Querdenker" treffen sich am Bürgerpark

Gegen 14.30 Uhr kam es laut Polizei zudem zu einer verbotenen Versammlung von rund 300 "Querdenken"-Anhängern in Höhe des Bürgerparks. Die Polizei löste auch diese Versammlung auf, wobei ein weiterer Polizist leicht verletzt wurde.

Daraufhin wurden die Identitäten von 170 Beteiligten überprüft und Platzverweise erteilt. Außerdem wurden die Beteiligten wegen Ordnungswidrigkeiten angezeigt.

Rauchexplosion und Reifenbrände

Ein weiterer Einsatz war nötig, nachdem gegen 16.15 Uhr zwei "Rauchkörper" im Findorff-Tunnel gezündet worden waren, heißt es in dem Bericht. Die Polizei stellte demnach 17 Tatverdächtige. Gegen sie wird nun wegen gefährlichen Eingriffes in den Straßenverkehr ermittelt.

Gegen 17:30 Uhr meldete die Polizei zudem eine verbotene Ersatzveranstaltung der "Querdenker" in der Sögestraße. Diese sei schnell aufgelöst worden. Später war die Polizei noch auf dem Marktplatz im Einsatz. Dort demonstrierten trotz Verbots und Auflösung "Querdenker" mit Kerzen. Laut Polizei wurden die Personalien der Demonstranten aufgenommen, der Marktplatz war abgeriegelt. Busse und Bahnen fuhren zeitweise nicht.

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Bereits am Vormittag hatten zudem mehrere vermummte Personen in der Parkallee Reifen angezündet. Die Feuerwehr löschte die Brände. Die Polizei stellte Strafanzeige. Die Ermittlungen dauern an.

Wie die Polizei am Sonntagmorgen zusammenfasste, wurden am Samstag fast 800 Menschen angezeigt. Von "Landfriedenbruch" bis "Beleidigung" ist alles dabei. Unter den angezeigten Personen sind sowohl Teilnehmer der "Querdenker"-Bewegung als auch Gegendemonstranten. Außerdem erteilte man 900 Platzverweise. Zwei Polizisten wurden während des Einsatzes verletzt.

Trotz Verbots: "Querdenker" demonstrieren in Bremen

Video vom 5. Dezember 2020
Polizei-Einsatzwagen mit digitaler Demo-Verbot-Anzeige.
Polizei-Einsatzwagen mit Demo-Verbot-Anzeige. Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Dezember 2020, 19::30 Uhr