Deutung ohne Fakten: Wie die AfD den Angriff auf Magnitz nutzt

Noch bevor die Bremer Polizei Details ermittelt hatte, sprachen hohe Funktionsträger der AfD bereits von einem Mordversuch. Eine Chronologie der Deutung des Angriffs auf Frank Magnitz.

Eine Grafik mit dem Twitterlogo und dem Hashtag Magnitz im Vorderdgrund, im Hintergrund ist ein Bildschirmfoto der Twitter-Seite zu sehen.

Wenige Stunden nach der Tat ist es zunächst die AfD Bremen selbst, die das Foto des schwer verletzten Frank Magnitz unverfremdet auf Facebook postet. Schnell wird es zehntausendfach geteilt und heiß diskutiert.

Mit einem Kantholz schlugen sie ihn bewusstlos und traten weiter gegen seinen Kopf, als er bereits am Boden lag.

AfD Bremen, Pressemitteilung via Facebook
Foto des AfD-Landesverbandes auf der Facebookseite, das Frank Magnitz nach dem Angriff zeigt.
Bild: AfD Bremen

Die Bremer Staatsanwaltschaft spricht in einer ersten Stellungnahme von Ermittlungen wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Zu diesem Zeitpunkt gibt es aber seitens der Behörden noch keine Aussagen zum genauen Ablauf des Angriffs.

Auch der stellvertretende Landesvorsitzende der Bremer AfD, Thomas Jürgewitz, wiederholt in einem Interview mit buten un binnen am Dienstagvormittag die bereits bei Facebook gepostete Darstellung der Ereignisse. Auch die Bundesvorsitzende Alice Weidel spricht von einem Mordversuch mit einem Kantholz und deutet in einem Facebook-Clip die Tat, ohne Ermittlungsergebnisse zu kennen.

Nur dem beherzten Eingreifen eines Bauarbeiters ist es überhaupt zu verdanken, dass Frank Magnitz, aus meiner Sicht, noch am Leben ist.

Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende bei Facebook

Es stimmt, dass zwei Bauarbeiter den Notruf absetzen. Sie greifen aber nach Erkenntnissen der Behörden nicht ein.

Der öffentlichkeitswirksame Umgang der AfD mit dem Angriff auf Frank Magnitz zeigt Wirkung: Neben deutschen haben auch zahlreiche internationale Medien über den Angriff und die Sicht der AfD auf die Tat berichtet. So zum Beispiel Fox News aus den USA, der Mirror aus Großbritannien und die türkische Zeitung Hürriyet.

Erste Ermittlungen widerlegen AfD-Darstellung

Am frühen Dienstagabend veröffentlichen die Staatsanwaltschaft und die Polizei eine Pressemitteilung mit ersten Ermittlungsergebnissen. Demnach wurde ein Video ausgewertet. Darauf sei zu sehen, wie sich drei Männer dem Bundestagsabgeordneten von hinten nähern. Einer der Männer attackiere Frank Magnitz plötzlich von hinten. Laut Staatsanwaltschaft stürzt der AfD-Politiker daraufhin zu Boden. Dabei zog er sich eine Platzwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung zu. Sofort nach der Attacke seien die Angreifer geflohen.

Auf dem bisher gesicherten Videomaterial kann der Einsatz eines Schlaggegenstandes nicht festgestellt werden.

Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft und der Polizei

Eine Schlagwaffe sei auf den Bildaufnahmen nicht zu erkennen. Auch getreten haben die Angreifer ihr Opfer offenbar nicht. Es werde nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Die AfD veröffentlicht am Mittwoch eine Pressemitteilung. Trotz der Auswertung des Überwachungsvideos durch die Behörden bleibe man der Ansicht, dass Magnitz mit einem Gegenstand niedergeschlagen wurde.

Dabei mag es eine untergeordnete Rolle spielen, ob es sich um ein Kantholz oder eine kantholzähnliche Waffe (Aussage des Bauarbeiters), einen Baseballschläger, Teleskopschläger, eine Eisenstange oder ein anderes "Schlagzeug" gehandelt hat.

Pressemitteilung der AfD Bremen von Mittwoch

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Januar 2019, 19:30 Uhr