Der tiefe Fall der Lloyd-Werft: Diese Rolle spielte der Mutterkonzern

Die lange Geschichte der Lloyd-Werft in Bremerhaven droht 2021 zu Ende zu gehen. Wohl auch, weil der asiatische Mutterkonzern Genting in finanzielle Schieflage geriet.

Tischfahnen der Lloyd-Werft und von Genting
Im Jahr 2015 kaufte die genting-Group die Lloyd-Werft. Die Hoffnungen auf eine goldene Zukunft waren damals groß. Bild: DPA | picture alliance / ZB | Jens Büttner

Die vergangenen Jahre waren immer wieder von Höhen und Tiefen für die Lloyd-Werft geprägt. Mehrfach hatte das Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten, in seiner rund 160-jährigen Geschichte wechselte die Werft oft den Besitzer. Zuletzt 2015. Damals kaufte die asiatische Genting-Group die Werft. Und es sollten bessere Zeiten auf die Schiffsbauer zukommen.

Wir denken, dass das mit Investitionen hier wieder ein sehr aktiver Schiffbau-Standort werden kann.

Tan Sri Lim Kok Thay von Genting im Jahr 2015

Die Bremerhavener Politik rollten dem Unternehmen damals den roten Teppich aus. Rosig beschrieben die neuen Chefs aus Asien die Zukunft der Werft. Große Kreuz- und Flussfahrtschiffe sollten in Bremerhaven gebaut werden. Doch diese Pläne wurden nicht umgesetzt. Stattdessen blieb es auch unter den Besitzern aus Fernost durchwachsen. Im Februar 2017 entließ die Llyod-Werft rund ein Viertel der Belegschaft und es wurde auf Kurzarbeit umgestellt. 2018 ging es bergauf. Die Auftragsbücher seien bis 2020 gut gefüllt, gab man sich optimistisch. Doch dann erschütterte die Corona-Pandemie die Welt und machte dem Konzern einen Strich durch die Rechnung.

Mutterkonzern sammelte 3,4 Milliarden Dollar Schulden an

Im Sommer 2020 wurde bekannt, dass der Mutterkonzern Genting wegen der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Das Unternehmen kündigte an, Zahlungen an Banken und Gläubiger vorübergehend einzustellen. Die Schulden des Konzerns betrugen im Sommer rund 3,4 Milliarden Dollar. Die Genting-Group verdient ihr Geld vor allem mit der Kreuzfahrtbranche, die infolge der Pandemie fast vollständig zum Erliegen kam.

Auch die Unternehmensgruppe MV-Werften gerieten dadurch unter Druck. Die Lloyd-Werft gehört zu eben dieser Unternehmensgruppe. Die MV-Werften setzten im Sommer auf den Corona-Rettungsschirm des Bundes und wollten 570 Millionen Euro erhalten. Auch aktuell sollen die MV-Werften unterstützt werden – und in diesem Fall fordert die Stadt Bremerhaven, dass damit auch die Lloyd-Werft von Bund und Land Hilfe erhält.

Weiterer Verkauf der Lloyd-Werft scheint möglich

Im Dezember 2020 wurden dann erste Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Werft bekannt. Medienberichten zufolge sollten Sondierungsgespräche für den Verkauf der Lloyd-Werft laufen. Auch wenn nun bekannt wurde, dass die Werft 2021 womöglich endgültig schließt, soll es dem Vernehmen nach Gespräche mit Interessenten geben. Vielleicht hat die traditionsreiche Werft unter Umständen also doch eine Zukunft. In dieser Frage ist das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Februar 2021, 19:30 Uhr