Airport im Krisenmodus: Wie geht es weiter mit dem Bremer Flughafen?

Seit dem 25. März ruhte der Verkehr dort weitestgehend. Nun starten und landen wieder Linienflüge. Doch der finanzielle Schaden durch die Corona-Krise ist schon jetzt enorm,

Video vom 18. Mai 2020
Auf einer Anzeigetafel am Flughafen stehen Informationen zur Ankunft eines Flugzeuges.

Ein paar Charterflüge, Frachtmaschinen und jede Menge Krähen – mehr hat sich in den letzten beiden Monaten vom Neuenlander Feld nicht erhoben. 90 Prozent der 430-köpfigen Belegschaft des Hans-Koschnick-Airports befinden sich in Kurzarbeit. Doch in letzter Zeit wurde im Terminal 1 wieder fleißig gewerkelt. Desinfektionsspender, Abstandsmarkierungen, Plexiglasscheiben am Check-In-Schalter. Der Bremer Flughafen ist nun corona-fest. Für das letzte Stückchen Sicherheit müssen die Fluggäste aber selbst sorgen. Für alle gilt die Maskenpflicht.

Sobald der Passagier den Flughafen betritt, wird er eine Maske tragen müssen, und die Maske kann er im Grunde erst abnehmen, wenn er am Zielort den Flughafen verlassen hat.

Elmar Kleinert bei der Pressekonferenz am Bremer Airport
Flughafen-Geschäftsführer Elmar Kleinert

Das Flughafenpersonal achtet darauf, dass die Menschen überall den Mindestabstand einhalten; vor allem beim Sicherheitscheck, der Passkontrolle und dem Boarding. In kleinen Grüppchen marschieren die Passagiere künftig zum Flugzeug. Mundschutz und Sitzenbleiben sind dort Pflicht und Anstehen vor den Bordtoiletten verboten. Diese Schutzmaßnahmen reichen aus, glaubt Flughafenchef Kleinert, zumal die Klimaanlage mögliche Erreger in der Kabinenluft beständig zu Boden sauge.

Alle Airlines wollen bleiben

Dem Beispiel der Lufthansa wollen bald andere Airlines folgen. Ob Air France, KLM, Swiss, Turkish, Eurowings oder Wizzair, alle planten den Wiederantritt in Bremen, sagt Kleinert. Als voraussichtlich letzte komme Ryanair im Juli dazu.

Flughafenchef Elmar Kleinert vor einem Fenster.
Flughafenchef Elmar Kleinert ist trotz der Krise mittelfristig optimistisch für den Bremer Flughafen.

Sorgen machen dem Flughafenchef dagegen die Tourismusflüge. "Dieser Sommer ist im Grunde abgesoffen", erklärt er salopp. Wenn es gut laufe werde es noch ein Drittel der bisherigen Urlauberflüge geben.
Dabei verdienen Fluggesellschaften das meiste Geld in der warmen Jahreszeit. Die EU-Kommission springt der Luftfahrt-Branche deshalb bei. Die Mitgliedsstaaten sollten ihre Einreise- und Quarantäneregeln möglichst bis Mitte Juni wieder lockern, fordert Brüssel. Italien macht den Anfang: Öffnung Anfang Juni. Griechenland will folgen. Eurowings kündigte zudem mehr Mallorca-Verbindungen von deutschen Flughäfen an.

Einbruch bei den Fluggastzahlen

Eine gesperrte Rolltreppe am leeren Bremer Flughafen.
Im Bremer Flughafen war lange nichts los.

Doch die Fluggastzahlen am Bremer Airport wird das nicht retten. Der Geschäftsführer rechnet in diesem Jahr mit einem Einbruch von sage und schreibe zwei Millionen Passagieren! Blieben noch rund 600.000, so wenig wie zuletzt im Jahr 1976. Und mit einer schnellen Erholung ist nicht zu rechnen. Zwar weiß niemand, wie viel Menschen in der Corona-Krise wieder ins Flugzeug steigen werden. Doch Elmar Kleinert kalkuliert lieber vorsichtig: 1,5 Millionen Fluggäste lautet seine konservative Schätzung fürs nächste Jahr.

Stellenabbau geplant

Ein solcher Einbruch bleibt nicht ohne Folgen. "Wir werden wahrscheinlich in den nächsten fünf Jahren am Flughafen weniger Arbeitsplätze benötigen als in den letzten fünf Jahren", sagt der Geschäftsführer. Betriebsbedingte Kündigungen seien zwar nicht geplant, wohl aber Vorruhestandsangebote. So könnte der Flughafen seine Personalkosten senken, die schon vor der Krise über denen anderer Flughäfen lagen. In zwei bis vier Jahren wolle man deutlich wirtschaftlicher sein, betont Kleinert. Mit mehr Effizienz will der Flughafenchef vor allem Lowcost-Airlines umwerben. Die gelten als potentielle Gewinner der Krise. Denn sie bieten Direktflüge an, die in Corona-Zeiten deutlich beliebter sind als Umsteigeverbindungen.

Bleibt noch der Schaden, den die Pandemie am Bremer Flughafen bereits angerichtet hat. Bis Mitte nächsten Jahres summiert der sich voraussichtlich auf rund 28,5 Millionen Euro, sagt Kleinert. Der Flughafen-Gesellschafter, die Stadt Bremen, fängt das auf. Doch Aufsichtsratschef und Häfen-Staatsrat Tim Cordßen fordert auch Unterstützung aus Berlin: "Die deutschen Verkehrsflughäfen sind ein wichtiger Teil der nationalen Infrastruktur, und da ist natürlich auch übergeordnet der Bund in der Verantwortung."
Für Elmar Kleinert ist die unklare Lage trotzdem kein Grund zu verzagen: "Ich bin Optimist. Und sie werden sehen, ich hab recht."

Corona: Diese Verluste kommen auf Bremische Gesellschaften zu

Video vom 5. Mai 2020
Eine Nahaufnahme eines Absperrbandes des Bremer Flughafens.

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Autor

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 18. Mai 2020, 6 Uhr