120 Corona-Fälle in Bremer Flüchtlingsunterkunft

  • Sozialbehörde hatte alle 374 verbliebenen Bewohner testen lassen
  • Geflüchtete hatten seit Wochen vor einem Ausbruch gewarnt
  • Verläufe laut Behörde überwiegend ohne Symptome
Video vom 23. April 2020
Die Erstaufnahme für Asylbewerber in Vegesack von oben aufgenommen.
Bild: Radio Bremen

In der zentralen Erstaufnahme für Geflüchtete in Bremen-Vegesack sind mittlerweile 120 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt worden. Das teilte die Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei einer Pressekonferenz mit. Allerdings seien die Erkrankungen bisher weitgehend ohne Symptome verlaufen.

Alle Bewohner und Mitarbeiter getestet

Nachdem erste Corona-Fälle in der Unterkunft an der Lindenstraße bekannt wurden, testete die Behörde alle 374 verbliebenen Bewohner und das Personal. Von 69 dieser Tests stehen die Ergebnisse noch aus. Besonders gefährdete Personen seien aufgrund der Entwicklung in andere Einrichtungen umquartiert worden. In der zentralen Aufnahmestelle sind die erkrankten Geflüchteten von den übrigen Bewohnern getrennt worden, sagte Stahmann. "Wir haben einen Quarantäneflur." Dabei seien die Mitarbeiter im engen Austausch mit der Gesundheitsbehörde, das ebenfalls Personal vor Ort habe.

Außerdem kündigte Stahmann in einer Mitteilung weitere Maßnahmen an, die das Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung verbessern sollen - auch unabhängig vom Coronavirus. So solle in einem ersten Schritt neben einem besseren WLAN-Netz und Klimaanlagen auch eine psychologische Erstberatung eingerichtet werden. Um mit Konflikten besser umgehen zu können, soll es zudem in Zukunft eine "neutrale Beschwerdestruktur" geben. Wie genau diese aussehen könnte, werde im Laufe des Aprils erarbeitet und dann mit den zuständigen Gremien diskutiert.

Baumaßnahmen nach Corona geplant

Mittelfristig sei außerdem geplant, einen eigenen Flur für alleinstehende Frauen mit Kindern einzurichten und im Notunterkunft-Bereich die bislang bestehenden Kabinen aus Leichtbauwänden zu regulären Zimmern auszubauen. Diese Maßnahmen könnten aber erst umgesetzt werden, wenn die aktuelle Corona-Situation dies zulasse.

Bei allen angekündigten Maßnahmen gehe es Stahmann darum, der derzeitigen Verunsicherung entgegenzuwirken. Gespräche vor Ort hätten gezeigt, "dass wir an vielen Stellen Verbesserungen vornehmen können, die sich unmittelbar positiv auswirken auf die Lebenssituation und das Sicherheitsgefühl der Bewohnerinnen und Bewohner", so Stahmann.

Bewohner hatten gegen Zustände in Aufnahmestelle protestiert

Seit mehreren Wochen hatten Bewohner der Unterkunft vor einem möglichen Ausbruch des Coronavirus in der Unterkunft in Bremen-Nord gewarnt. Sie demonstrierten mehrfach vor der Einrichtung in der Lindenstraße in Bremen-Nord und in der Innenstadt.

Sofia Leonidakis, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bürgerschaft sieht die Befürchtungen der Bewohner bestätigt. "Diese massive Steigerung überrascht mich überhaupt nicht", sagte Leonidakis. "Wir gehen in der Durchschnittsbevölkerung von einer Infektionsquote von einem Prozent aus. in der Lindenstraße haben wir jetzt 32 Prozent", sagte sie. Die Linke fordere jetzt "ohne wenn und aber" gleichen Infektionsschutz für alle Menschen, die in Sammelunterkünften für Geflüchete und Obdachlose leben, beispielsweise mit Hilfe von leer stehenden Hotels und Pensionen.

Bremens Sozialsenatorin Stahmann zur Situation in der Unterkunft:

Video vom 23. April 2020
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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. April 2020, 19:30 Uhr