Bremen will kleine Unternehmen mit 10 Millionen Euro retten

Um die Existenznot von Bars, Clubs oder Selbstständigen in der Corona-Krise zu lindern, hat der Senat Soforthilfen bis zu 20.000 Euro pro Betrieb beschlossen. Ein Überblick.

Video vom 20. März 2020
Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Kristina Vogt mit Gebärdendolmetscherin

Das Coronavirus zwingt Bremens Wirtschaft zu drastischen Maßnahmen. Viele Beschäftigte arbeiten von zu Hause aus, andere müssen die Arbeit aufgrund der allgemein gültigen Vorgaben ruhen lassen. Nun hat der Senat über konkrete "Corona-Soforthilfen" für Kleinbetriebe und Selbständige informiert.

Ergänzung der Bundesmittel bis April

Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hatte bereits am Mittwoch erste Hilfsmaßnahmen für Bremens Wirtschaft präsentiert. Darin vorgesehen sind unter anderem Erleichterungen bei der Kurzarbeit. Der Bedarf gerade bei Kleinunternehmen und Selbständigen in Bremen sei gewaltig.

Wir sind, wie viele andere Länder, überschwemmt und überhäuft worden von ernst zu nehmenden Bitten, schneller zu reagieren.

Kristina Vogt (Linke), Senatorin für Wirtschaft

Daher habe der Senat entschieden, kleineren Betrieben, die sonst möglicherweise nicht über den nächsten Monat kämen, zu helfen, sagte Vogt am Freitag auf der Senatspressekonferenz im Rathaus. Jetzt stünden Pachten, Mietkosten und andere Zahlungen an. Man könne nicht warten, bis der Bundesrat den Schlussstrich unter das Gesetzgebungsverfahren für weitere Hilfen beschlossen habe.

Mitarbeiterzahl und Umsatzhöhe entscheidet

Konkret richten sich die Bremer Sofortmaßnahmen an Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und weniger als zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Für diese Betriebe und auch Selbständige stelle das Land Bremen zunächst zehn Millionen Euro an Soforthilfen bereit.

"Ich bin gleich gefragt worden, reicht das denn?", sagte Vogt. Die Antwort gab die Senatorin selbst. Die Bremer Soforthilfen dienten lediglich als Ergänzung zum Bundesprogramm, das voraussichtlich Ende nächster Woche kommen werde. "Es geht darum, dass die Unternehmen bis zum 1. April überleben können", so Vogt. Also so lange, bis die vorrangigen Bundesprogramme greifen.

Die Senatorin betonte zudem, dass nur diejenigen Betriebe gefördert würden, die im Zuge der Corona-Krise massive Verluste erlitten hätten. Zunächst ausgeschlossen von der Förderung seien jene Betriebe, die möglicherweise sogar von der Corona-Krise profitierten, wie manche Lebensmitteleinzelhändler.

Finanzhilfen bis zu 20.000 Euro möglich

Für die Kleinstunternehmen und Solounternehmer, die zur Zielgruppe gehören, wird Bremen Finanzhilfen bis zu 20.000 Euro zur Verfügung stellen, kündigte Vogt an. Allerdings gibt es dafür Voraussetzungen.

"Bis zu 5.000 Euro können in einem vereinfachten Verfahren beantragt werden", sagte Vogt am Freitag. Eine darüber hinaus reichende Förderhöhe von bis zu 20.000 Euro könne zwar beantragt, müsse dann aber besonders begründet werden. Dennoch gelte: "Die Umsatzeinbußen sind relativ einfach darzustellen. Und wir wissen ja auch, für welche Branchen das zutrifft", so Vogt.

Das Förderprogramm sei branchenunabhängig. "Es geht vom kleinen Club-Betreiber, über die Gastronomie bis hin zum kleinen Betrieb, der Dienstleistungen erbringt." Da reiche es, völlig unbürokratisch nachzuweisen, dass man in Liquiditätsschwierigkeiten kommt, insbesondere im Hinblick auf die ausstehenden Zahlungen zum nächsten Monatsanfang.

Konkrete Förderrichtlinien werden noch erarbeitet

Die konkrete Umsetzung der Förderrichtlinien wird über das Wochenende vom Senat erarbeitet, sagte Vogt. "Aber es können alle mit der Botschaft nach Hause gehen: Ihnen wird geholfen."

Neben den jetzt verkündeten Nothilfen für Kleinstunternehmer und Selbständige verwies Vogt schließlich auch noch einmal auf die weiteren Förderprogramme, die beispielsweise von der KfW und der Bremer Aufbaubank zur Verfügung gestellt würden.

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. März 2020, 19:30 Uhr