Carsten Meyer-Heder: Ein Politik-Neuling will an die Spitze

Der Bremer Unternehmer Carsten Meyer-Heder will bei der Bürgerschaftswahl 2019 als CDU-Spitzenkandidat antreten. Wer ist der 56-jährige Politik-Quereinsteiger?

Der CDU Spitzenkanidat Carsten Meyer-Heder.

Privates findet sich nur wenig über Carsten Meyer-Heder: Am 30. März 1961 in Bremen geboren, verheiratet und dreifacher Vater. Ansonsten gibt es nur noch einige knappe biografische Daten. Nach Abitur und Zivildienst in Bremen folgte 1982 nach Meyer-Heders Angaben über vier Jahre ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bremen, und zeitgleich versuchte er, sich als Musiker durchzuschlagen. "Das Geschäft als Berufsmusiker ist hart, und ich habe auch keine acht Stunden am Tag geübt – also musste ich mich umstellen“, sagte Meyer-Heder vor vier Jahren in einem Interview. Also schloss sich 1991 eine Umschulung zum Anwendungsentwickler an.

Nach einer kurzen Anstellung als Programmierer bei einer Unternehmensberatung stieg er 1993 bei der Software-Schmiede Neusta ein, die seit Anfang 1992 als GmbH firmiert. Bald führte er das Unternehmen allein – zunächst als Ein-Mann-Betrieb. Mittlerweile arbeiten bei der Neusta und ihren Töchtern etwa 1.000 Menschen, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro mit IT-Lösungen, Unternehmenskommunikation und Unternehmensberatung erwirtschafteten. 2014 wurde Meyer-Heder in Bremen als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet.

"Im Herzen sind wir immer noch eine Zehn-Mann-Bude"

Der größte Teil der Neusta-Firmengruppe sitzt in der Zentrale in der Bremer Überseestadt – und zwar so, wie man sich das von Unternehmen der Kreativ-Branche vorstellt: In einem alten Industrieschuppen, mit hohen Decken, Großraumbüros, bunten Farben. Die Hierarchie sei flach, heißt in der unternehmenseigen Darstellung. Kurze Entscheidungswege, wenig interne Konkurrenz – das sind Vorteile, die Meyer-Heder der offenen Unternehmenskultur zurechnet. Oder in seinen Worten: "Im Herzen sind wir immer noch eine Zehn-Mann-Bude."

Ein Blick in Bewertungsportale für Arbeitgeber zeigt, Meyer-Heder hat als Chef beste Beurteilungen in weit mehr als 100 Kommentaren. Demnach gilt er zwar als anspruchsvoll und fordernd, aber eben auch als fair und nah dran an der Belegschaft. Bekannte beschreiben den Zwei-Meter-Mann als unkonventionell, als jemand, der fleißig und ehrgeizig sei.

Rückzug aus dem aktiven Geschäftsleben

Nun will sich Meyer-Heder als Seiteneinsteiger in die Politik einbringen. Um dafür mehr Zeit zu haben, verabschiedet er sich offenbar in Teilen vom Unternehmer-Dasein. Bereits vor Monaten habe er damit begonnen, in der Unternehmensgruppe "eine Nachfolgeregelung vorzubereiten, um das Ruder an Jüngere zu übergeben", schreibt der 56-Jährige in einem Brief an die CDU-Mitglieder im Land Bremen. Und tatsächlich hat er laut Handelsregister seinen Posten als Geschäftsführer abgegeben.

Viele Unternehmensentscheidungen der Vergangenheit hätten auf Gelegenheiten basiert, sagte Meyer-Heder einmal. Jetzt sieht der Unternehmer offenbar die Gelegenheit Politik mitzugestalten. 2017 sei er gebeten worden, auf dem Landesparteitag der CDU einen Impulsvortrag zu halten, schreibt Meyer-Heder an die CDU-Mitglieder. "Ich bin dort auf offene und interessante Menschen gestoßen, und ich war auch von der Aufbruchsstimmung beeindruckt." Daraus sei in den vergangenen Monaten seine Überzeugung gewachsen, sich in die CDU einbringen zu wollen: "An welcher Stelle und in welcher Rolle auch immer."

Ein Seiteneinsteiger als Bürgermeisteranwärter?

Politik spielte im Leben von Meyer-Heder bislang keine aktive Rolle. Er hat keine Erfahrung im Ränkespiel von Parteipolitik, Parlament oder Behördenführung. Selbst die Vernetzung bei der CDU fehlt ihm. "Ich würde sehr gerne die kommenden Monate nutzen, die einzelnen Stadtbezirksverbände und Vereinigungen zu besuchen, damit ich Sie und Ihre Ideen besser kennenlerne", gibt er offen in seinem Brief an die CDU-Mitglieder zu. "Wenn die Sie am Ende entscheiden, mir ihr Vertrauen zu schenken, um gemeinsam für den Aufbruch und die Erneuerung in Bremen und Bremerhaven zu kämpfen, würde mir das viel bedeuten."

  • Alexander Drechsel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Januar 2018, 19:30 Uhr