Extra-Stunden gegen Corona-Lernlücken: Wie Bremen Schüler stärken will

Schülerin zuhause beim Lernen (Symbolbild)
Bremens Schülerinnen und Schüler müssen nach eineinhalb Jahren Corona viel Lernstoff nachholen. Bild: Imago | Photothek

Unterricht, Schwimmkurse und Fahrradtraining in den Ferien, weitere Angebote danach: So möchte Bremen dafür sorgen, dass alle Schüler den Anschluss halten. Ein Überblick.

Die Schülerinnen und Schüler im Land Bremen hätten in der Pandemie weniger Lernstoff geschafft als in normalen Jahren, heißt es aus dem Bremer Ressort für Kinder und Bildung. Zudem seien die Leistungsunterschiede zwischen reicheren und ärmeren Kindern weiter gewachsen. Obendrein hätten viele Kinder und Jugendliche seelische Schäden in den Monaten der Seuche davongetragen, seien auch körperlich mangels Bewegung oftmals in keiner guten Verfassung.

Um all dem entgegenzuwirken, hat das Ressort um Senatorin Claudia Bogedan (SPD) eine Strategie entwickelt. Sie trägt den Titel "Bremens Schüler:innen stärken – Maßnahmen zur Kompensation von Bildungsverlusten". Allein für die Zeit der Sommerferien kostet die Umsetzung der Strategie etwa eine Million Euro, die zum Teil aus Bundesmitteln, zum Teil aus dem Bremen Fonds fließen sollen. Die Deputation für Kinder und Bildung hat bereits grünes Licht gegeben. Konkret geht es um diese Maßnahmen:

1 Lernferien für Drittklässler

Für Drittklässlerinnen und Drittklässler aus Bremen und Bremerhaven sieht das Konzept des Bildungsressorts zwei analoge Unterrichtswochen in den Sommerferien vor. Der Unterricht könne entweder in der Schule oder auch im Freien stattfinden, teilt Sprecherin Annette Kemp aus dem Bildungsressort mit. Studierende werden die Kinder in Deutsch und in Mathe unterrichten. Auch Sprachförderunterricht ist vorgesehen, ebenso solcher in sozialer Interaktion und Kultur.

Wie für alle Angebote in den Sommerferien gilt: Die Teilnahme ist freiwillig. Die Lehrerinnen und Lehrer empfehlen die Angebote gezielt jenen Kindern, bei denen sie besonderen Bedarf sehen und werden entsprechend mit diesen Kindern sowie mit den Eltern demnächst das Gespräch suchen, sofern dies nicht bereits geschehen ist.

2 Schwimmen für Dritt- und Viertklässler

Schülerinnen und Schüler beim Schwimmunterricht (Archivbild)
Auch Schwimmkurse bietet Bremen Schülerinnen und Schülern in den Sommerferien an. Bild: Imago | Joker/Petra Steuer

Damit die Jungen und Mädchen der dritten und vierten Jahrgänge Defizite beim Schwimmen aufholen können, bietet ihnen das Land Bremen in den Sommerferien Schwimmkurse an. Die zweiwöchigen Kurse können bis zu 600 Kinder aus der Stadt Bremen und 250 Kinder aus Bremerhaven aufnehmen. Sie werden von der DLRG und vom Landesschwimmverband geleitet. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich dabei auch Abzeichen erschwimmen können.

3 Fahrradtraining für Viertklässler

Um sich sicher auf dem Fahrrad im Straßenverkehr zu bewegen, können Schülerinnen und Schüler des vierten Jahrgangs in den Sommerferien für eine Woche an einem Fahrradtrainig teilnehmen. Es wird vom Arbeitskreis "Aber sicher!", zu dem auch die Landesverkehrswacht gehört, organisiert und von sechs Bremer Sponsoren finanziert.

4 Lernferien für Fünft- bis Neuntklässler

Schülerinnen und Schüler der fünften bis neunten Klasse können während der Sommerferien für zwei Wochen analogen Schulunterricht in Mathe, Deutsch, Handwerken und sozialer Interaktion bekommen. Diesen Unterricht werden Studierende, pensionierte Lehrkräfte sowie Abiturientinnen und Abiturienten anbieten.

5 Nachhilfe für Fünft- bis Zehntklässler

Deutsch, Mathe und Englisch: Für diese drei Fächer bietet Bremen allen Schülerinnen und Schülern der fünften bis zehnten Jahrgänge während der Sommerferien zwei Wochen lang analogen Nachhilfeunterricht an. Die Lehrenden hierfür stellt ein Nachhilfeinstitut.

6 Digitale Lernferien für Oberstufen-Schüler

Schülerin beim Lernen am PC (Symbolbild)
Für Bremer Schülerinnen und Schüler der Oberstufe finden die Lernferien nicht analog, sondern am Computer statt. Bild: Imago | MiS

Während Bremen für alle jüngeren Schülerinnen und Schüler analoge Lernangebote in den Sommerferien bereithält, bietet das Land für die Gymnasiale Oberstufe digitale Lernferien an. Zwei Wochen werden die Schülerinnen und Schüler hierbei von Studierenden und Mitarbeitenden des Chancenwerks in Fächern ihrer Wahl unterrichtet.

7 Fördermaßnahmen nach den Sommerferien

Bremen plant für das neue Schuljahr eine Reihe von individualisierten und gruppenbezogenen Fördermaßnahmen. Dazu gehören neben zusätzlichen Unterrichtsstunden für Schülerinnen und Schüler mit Rückständen auch neue digitale Lernangebote und Nachhilfeunterricht in verschiedenen Fächern.

Als Grundlage, um die Bedarfe der Schülerinnen und Schüler einzuschätzen, soll den Schulen künftig auch ein Portal mit allen bislang in Deutschland bekannten Lernstandserhebungen dienen. Das hat die Kultusministerkonferenz beschlossen. Schulen aller Bundesländer sollen gleichermaßen auf das neue Portal zugreifen können. Neben anderen Tools soll das Portal den einzelnen Schulen dabei helfen, sich ein genaueres Bild vom Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu machen.

Auf dieser Basis möchte Bremen unter anderem zusätzliche Unterrichtsstunden in Fächern wie Deutsch, Mathe und Englisch anbieten. Das hierfür erforderliche zusätzliche Personal soll von "externen Partnerorganisationen" kommen, heißt es dazu in dem entsprechenden Beschluss der Deputation für Kinder und Bildung. Das erforderliche Geld für diese und andere Fördermaßnahmen möchte Bremen im Wesentlichen aus einem Ende Mai beschlossenen, zwei Milliarden Euro schweren Bundesaktionsprogramm schöpfen. Es soll unter anderem dem Abbau von Lernrückständen dienen.

Volle Klassen: So erleben Bremer Schüler und Lehrer den Normalbetrieb

Video vom 31. Mai 2021
Kinder sitzen in einem Klassenraum
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Juni 2021, 19.30 Uhr